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Internationale Küche : Exotische Gerichte für Genießer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Flüchtlinge kochen im Mehrgenerationenhaus in Kellinghusen Menüs aus ihren Heimatländern

Verführerisch nach 1000 und einer Nacht duftet es im Mehrgenerationenhaus (MGH). Stammbesucher des MGH wissen: Im Rahmen der Koch-Veranstaltungsreihe ist die internationale Küche dran. Als exotischer Gaumenkitzel steht Jojah-Kabab auf dem Speiseplan. Die Eheleute Abbas und Samireh Omrani stellen ein beliebtes Gericht aus der iranischen Heimat vor. Das gewürfelte Hühnerfleisch hat Abbas schon auf große Spieße gezogen. In einer würzigen Marinade aus Ziebeln, Safran, Yoghurt und Zitronenwasser konnte es zuvor seinen typischen Geschmack annehmen. Während die Eltern in der Küche wirbeln, vergnügt Söhnchen Mohammad (8) sich beim Spiel mit anderen Kindern.

„Hmm lecker“, lacht Stefania. Die fröhliche Italienerin auf Travel- and Work-Tour durch Europa trägt zum internationalen Küchen-Flair bei und schnibbelt auch kräftig mit. Plötzlich zeigt sich Kochcrew irritiert. „Wir haben die Vegetarier vergessen,“ ruft Ulrike Dammann. Schnell flitzt einer der Besucher los, um zusätzliche Paprika und ein paar Zucchini einzukaufen. Die Omranis lassen die Fantasie spielen. „Gibt es eben Reis mit Gemüse“, sagt Samireh mit Blick auf den Riesentopf vor sich hin köchelnden Basmatireis. „Reis und Safran stammen aus Hamburg“, sagt Ulrike Dammann.

Als Sprachlehrerin hilft die Kellinghusenerin Flüchtlingen bei ihren ersten Schritten in der völlig neuen Umgebung. Ausnahmsweise vertritt sie beim Kochen Helmut Priebe. Seit der MGH-Mitarbeiter das Projekt der kulinarischen Integration ins Leben rief, kommen einmal im Monat Lieblingsgerichte aus unterschiedlichen Nationen auf den Tisch.

Die Besucher im MGH-Gemeinschaftsraum freuen sich bereits auf das Ergebnis Omranischer Kochkünste. „Wir sind immer hier“, sagt Ralf Pomplitz unter eifrigem Nicken seiner Tischnachbarin Annemarie Hansen. Beide loben die Koch-Initiative mit Kost aus fremden Ländern und Kulturen. Bei einem guten Essen würde drauflos geschnackt, zur Not auch mit Händen und Füßen. „Wir haben eine Menge Spaß, bekommen aber auch kleinere und größer Probleme mit“, sagt Pomplitz.

Das Kommunikation das A und O für das gegenseitige Verständnis ist, weiß Ulrike Dammann nur zu gut. Während der Nachwuchs sich schnell in der neuen Umgebung zurecht findet und die Sprache spielerisch erlernt, tun sich die erwachsenen zum Teil traumatisierten Flüchtlinge schwerer. „Familie Omrani hat ihre Heimat aus Glaubensgründen ganz bewusst verlassen“, berichtet Dammann. Die orientalischen Christen werden im Iran verfolgt, nicht selten würden Angehörige der Minderheit angeklagt und ins Gefängnis geworfen. Andere Flüchtlinge in den derzeit zwei Sprachkursen kämen jedoch aus Kriegs- oder Krisengebieten wie etwa Syrien und Afghanistan. „Sie mussten ihre Heimat Hals über Kopf verlassen und haben zum Teil Schlimmes erlebt.“

Den Einstieg in die Erwachsenenbildung fand die ausgebildete Logopädin mit dem Zusatzstudium der Sprachforschung in der Zeit, als die Spätaussiedler kamen. Die Besetzung der aktuellen Kurse unterscheidet sich nicht nur durch Nationalitäten. „Auch das Sprachniveau ist unterschiedlich, einige können kein Deutsch, andere haben bereits Kenntnisse.“ Trotzdem gehe es entspannt zu, deswegen kehrten Schüler gern zurück – selbst wenn sie Integrations-Kurse bereits hinter sich haben. In freundschaftlicher Atmosphäre wird im MGH nicht nur gelernt. Zuweilen plant die Gruppe gemeinsame Aktivitäten wie einen Flohmarktbummel oder es entsteht ein Projekt wie die Internationale Küche.

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