Exhibitionist vor Gericht

Richter lässt Schuldfähigkeit des 64-Jährigen prüfen

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15. Oktober 2011, 08:32 Uhr

Itzehoe | Sein Drang ist es anderen Menschen in der Öffentlichkeit sein Geschlechtsteil zu zeigen. Das finden einige Mitmenschen zum Lachen, andere stört es in ihrem sittlichen Empfinden.

So kam es im Laufe von vier Monaten - im Zeitraum Mai bis September - zu sieben Strafanzeigen wegen Exhibitionismus. Gestern nun saß der 64-jährige Rentner wieder vor Gericht und Strafrichter Reinhard Bischof befasste sich mit ihm. Die Zielgruppe des etwa 1,70 Meter großen, grauhaarigen Mannes mit gebeugter Haltung und der großen Brille sind Frauen um die 30.

Am 29. Juni in Hohenlockstedt war das anders, denn dort wurde eine 17-jährige Zeitungszustellerin unlängst Opfer des zeigefreudigen Rentners. Wegen ihr landete die Sache nun vor dem Jugendrichter. Bei alldem war der Rentner gewarnt: Erst am 14. Februar hatte ihn der Amtsrichter wegen Exhibitionismus zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Somit gab der Rentner seinem Drang wider besseren Wissens nach und galt nunmehr als Bewährungsversager.

Der Trieb packte ihn nach eigenen Angaben immer schon Zuhause. Dabei reichte ihm früher noch der Konsum von Herrenmagazinen. Doch schließlich zog es ihn in die Öffentlichkeit. Zweimal ließ er es auf dem Itzehoer Wochenmarkt blitzen, einmal in der Adolf Rohde Straße, wo er eine Lehrerin schockierte. Weitere Opfer begegneten ihm im Prinzeßhof, vor dem Delftor und der Kirchstraße, sowie die 17-Jährige in Hohenlockstedt.

Richter Bischof wählte gegenüber dem Angeklagten klare Worte: "Jetzt sind sie in Teufels Küche", fasste Bischof die Lage des Bewährungsversagers zusammen. "Wollen sie noch mal ins Gefängnis mit ihren 64 Jahren?" "Nein", stammelte der Rentner leise. "Man kann nur hoffen, dass der Winter ziemlich hart wird, damit sie das lassen", zeigte sich Bischof realistisch. Der Rentner in der grauen Strickjacke redete seinen Trieb klein, sagte: "Auf einmal war Schluss. Frauen interessieren mich jetzt nicht mehr." Bischof verdeutlichte dem Mann, dass man ihn schlimmstenfalls "ganz aus dem Verkehr ziehen werde", drohte ihm somit indirekt mit einer Sicherheitsverwahrung. Das sah der Anwalt deutlich entspannter. Er regte erst einmal eine Untersuchung hinsichtlich der Schuldfähigkeit seines Mandanten an. Bischof war das zu wenig. Er wollte gerne noch eine Aussage zur Therapiefähigkeit des Mannes.

Der Fall des Angeklagten erinnert an die Taten eines Meldorfers (55), der im Sommer 2008 am Nacktbadestrand im Speicherkoog einer Gruppe von Frauen mit seiner "Präsentation" ein Picknick in der Abendsonne verdarb. Jener wurde letztlich in der Berufung zu vier Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Ähnliches könnte auch dem Itzehoer Rentner blühen, bekommt er seinen Trieb nicht in den Griff. Nächste Woche steht für den Mann ein Termin beim Psychiater auf dem Plan.

Richter Bischof will damit klären, wie der Fachmann den Fall einschätzt. Deshalb stoppte der Richter den aktuellen Prozess: "Dann machen wir hier heute erst mal nicht mehr weiter. Wir warten ab, was der Arzt sagt, ob bei ihnen überhaupt noch was zu machen ist", erläuterte der Bischof dem Angeklagten den Prozessabbruch, und gab ihm noch mit auf den Weg: "Es darf nichts mehr passieren." Der Rentner verließ daraufhin fast fluchtartig den Gerichtssaal.

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