Spezialität : EU-Siegel für Glückstädter Matjes

Freuen sich, dass es endlich so weit ist: Henning Plotz und Heiko Raumann präsentieren das EU-Siegel.
Freuen sich, dass es endlich so weit ist: Henning Plotz und Heiko Raumann präsentieren das EU-Siegel.

Die Produzenten Henning Plotz und Heiko Raumann sind stolz. Sechs Jahre hat das Verfahren gedauert.

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19. Juni 2015, 05:00 Uhr

„Wir sind glücklich und stolz“, sagt Henning Plotz (52) auch im Namen von Heiko Raumann (75). Denn jetzt ist es amtlich für die beiden Matjesproduzenten: Die Bezeichnung „Glückstädter Matjes“ ist durch die EU geschützt. Das teilte gestern Landwirtschaftsminister Robert Habeck mit. Der „Glückstädter Matjes“ ist nun in das EU-Qualitätsregister aufgenommen worden und darf künftig die offizielle Bezeichnung „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.) mit dem blau-goldenen Siegel tragen. Damit ist der Matjes, der in Glückstadt als Naturprodukt verarbeitet wird, weltweit geschützt.

„Das war ein langer Weg, da steckt viel Arbeit drin“, sagt Heiko Raumann. Er, Plotz und die Stadt Glückstadt hatten den Antrag dazu bereits 2008 eingereicht – gemeinsam als Verein Schutzgemeinschaft Glückstädter Matjes. Sowohl Raumann als auch Plotz hatten in Sachen Verarbeitung den selben Lehrmeister, den verstorbenen Helmut Sievers. Raumann fing 1993 mit der Produktion an, Plotz 1996. Beide stellen nach einem traditionellen Verfahren her – alles ist Handarbeit.

Hilfe gab es beim Verfahren für die Glückstädter von Bernd Christoph vom Bauernverband. „Er hat uns in den sechs Jahren begleitet“, sagt Plotz. Denn es musste unter anderem die Facharbeit eines Wissenschaftlers erstellt werden. Diese musste die Begründung liefern, warum der Glückstädter Matjes einzigartig ist. Umfangreiche Prüfungen auf deutscher und europäischer Ebene schlossen sich an. Zudem musste die Machart – der Herstellungsweg vom Hering zum Matjes – beim Deutschen Patent- und Markenamt München eingetragen werden.

Plotz: „Der Glückstädter Matjes ist eine Spezialität, die einzigartig in Europa ist.“ Es hätte aber auch Schwierigkeiten gegeben. „Die Industrie hat versucht zu verhindern, dass die Bezeichnung geschützt wird.“ Ohne Erfolg. Plotz beschäftigt mittlerweile eine Anwältin, die auch eine Lücke im Lebensmittelgesetz schließen soll. „Das ist der nächste Schritt“, sagt Plotz. Eventuell mit der Folge, dass es den einzig wahren Matjes künftig nur noch aus Glückstadt geben wird. Andere dürften dann ihr Produkt nur noch „nach Matjes-Art“ nennen.

Profitieren von der EU-Bezeichnung wird ganz Schleswig-Holstein, da ist sich Henning Plotz sicher. „Der Glückstädter Matjes“ ist das einzige geschützte See-Fischprodukt in Schleswig-Holstein. Mit dem Matjes können wir das Land repräsentieren.“

Landwirtschaftsminister Robert Habeck zeigte sich gestern erfreut über den erfolgreichen Abschluss des Verfahrens: „Glückstädter Matjes ist einfach lecker“, teilte er in einer Pressemitteilung mit. „Neu ist, dass er jetzt besser als bisher vor Nachahmung geschützt wird.“ Der EU-Herkunftsschutz sei ein wichtiger Baustein in den Bemühungen, die Erzeugung traditioneller regionaler Produkte zu stärken, so Habeck.

Die geschützte geografische Angabe bestätigt, so der Minister, dass Agrarerzeugnisse und Lebensmittel eng mit einer bestimmten Region verbunden sind: Von den drei Vorgängen der Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung muss mindestens einer dort stattfinden.

Um regional bedeutsame Produkte vor Nachahmung zu schützen, werden seit 1992 Agrarerzeugnisse und Lebensmittel mit geschützten Ursprungsbezeichnungen, geschützten geografischen Angaben sowie garantiert traditionellen Spezialitäten auf EU-Ebene registriert, so Habeck. Der Herkunftsschutz biete einen umfangreichen europaweiten Schutz im Vergleich zu einer Individualmarke.

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