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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 04:35 Uhr

Lebensmittel : EU-Gesetz trifft Kita-Küchen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ab Dezember müssen Allergene gekennzeichnet werden. Kreis Steinburg schiebt Qualitätszirkel Kita-Verpflegung an.

Es ist 9 Uhr morgens. In der Küche der Kindertagesstätte St. Ansgar in Itzehoe schneiden Küchenleiterin Birgit Frantz und Daniela Strzysio Obst für einen Gruß aus der Küche. Gleich werden sie hier für rund 110 Kindergartenkinder Knödel anrühren, damit die Kleinen eine altersgerechte, warme Mahlzeit bekommen. In Schleswig-Holstein essen rund 50 Prozent der über Dreijährigen zu Mittag in der Kindertagesstätte. Bei den unter Dreijährigen sind es sogar etwa 73 Prozent, das besagt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung mit dem Titel „Is(s)t Kita gut?“

Die Kindertagesstätten, auch im Kreis Steinburg, stellt dies vor eine große Herausforderung – und das nicht nur räumlich und personell. Denn im Dezember tritt eine Neufassung der EU-Lebensmittelinformationsverordnung in Kraft. Sie beschäftigt sich speziell mit der Allergenkennzeichnung und besagt, dass auch bei offen angebotenen Produkten in Kitas – vom Knödel über den Obstsalat bis zum mitgebrachten Kuchen beim Sommerfest – alle potenziellen Allergene zukünftig gekennzeichnet werden müssen.

Es gibt viel zu beachten. Noch ist nicht klar, wie die Stoffe, die Allergien auslösen könnten, auf dem Menüplan angezeigt werden sollen – ob mit Farben, Zahlen oder Symbolen. „Ich mache demnächst einen Din-A4-Zettel mit allen Allergenen und versehe den Speisezettel mit Zahlen“, erklärt Birgit Frantz ihren vorläufigen Plan, um auf die Verordnung angemessen zu reagieren. Sie ist Fachkraft und durch eine Fortbildung bereits auf das Thema vorbereitet. Damit stellt sie eine Ausnahme dar. Nur nur 33 Prozent der deutschen Kindertagesstätten beschäftigen eine hauswirtschaftliche Fachkraft, weniger als 50 Prozent des Kita-Personals besuchen regelmäßig Fort- und Weiterbildungen. Über 50 Prozent der Kitas lassen das Essen von externen Anbietern liefern, heißt es in der Studie der Bertelsmann-Stiftung.

„Es ist keine Sensibilität dafür da, dass Kita-Verpflegung wesentlich mehr ist, als einmal täglich warmes Essen vorzusetzen“, bedauerte Petra Schulze-Lohmann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Schleswig-Holstein (DGE) kürzlich bei der Auftaktveranstaltung Qualitätszirkel Kita-Verpflegung im Kreishaus in Itzehoe.

Nach einem gut funktionierenden Beispiel in Nordfriesland möchte sie zusammen mit Martin Noack aus dem Gesundheitsamt auch im Kreis Steinburg ein Netzwerk anschieben, das Kita-Fachkräfte, Träger, Politik, Caterer, DGE und die Arbeitsgemeinschaft zur Zahnprophylaxe zusammenbringt. „Kita-Kinder sollen mit Genuss und Freude essen“, findet sie. Doch sie sorgt sich, das noch mehr Kitas die Mittagsversorgung an externe Catering-Anbieter auslagern könnten, um der Kennzeichnungspflicht zu entgehen. Denn dafür wäre dann der Zulieferer zuständig. Bei eigener Küche hingegen stünde die Kita in der direkten Rechtfertigungspflicht: „Mäxchen bringt Erdnüsse mit und pustet in die Brotdose“, beschreibt sie, wie schnell Allergiestoffe in Umlauf geraten können, so dass eine Kita in der Nachweispflicht steht. „Was liegt da für eine Verantwortung in der Kita, das macht man sich gar nicht klar“, äußerte Ute Lutz. Die Zahnärztin vom Jugendzahnärztlichen Dienst kennt von zahlreichen Vorsorgeuntersuchungen die Kitas im Kreis und weiß, dass sich heute viele Aufgaben in die Kitas verlagern, die früher im Elternhaus lagen.

Birgit Frantz lässt sich davon nicht schrecken. „Wir kochen seit Ewigkeiten frisch“, erklärt sie und hofft, dass auch Eltern anderer Kindertagesstätten auf die Politik einwirken könnten, um die Frischküche einzufordern.

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erstellt am 18.Nov.2014 | 16:57 Uhr

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