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Sportverein : ETSV Fortuna lehnt „Prunkbau“ ab

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Stadt will mit Fördermitteln Neubau für Umkleidekabinen spendieren. Sportverein sieht zu hohe finanzielle Belastungen.

von
erstellt am 14.Jun.2016 | 11:45 Uhr

Eigentlich sollte dem ETSV Fortuna ein neues Bauwerk am Molenkiekergang spendiert werden: für 713  000 Euro. Und der Verein hätte keinen Cent dazu bezahlen müssen. Der Bau neuer Umkleidekabinen, Duschen und eines Schiedsrichterraumes sollte aus Fördermitteln bezahlt werden sowie aus Geldern der Stadt. So war der Plan. Doch der ETSV Fortuna will das Geschenk nicht haben. Der Verein befürchtet zu hohe Folgekosten.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklären ETSV-Vorsitzender Thomas Gründel und sein Stellvertreter Heinz Grobys, warum sie den Bau am Fußballgelände am Molenkiekergang hinter dem Vereinsheim nicht annehmen können. Im Ursprung sei die Rede von einem Neubau gewesen, der 250  000 Euro kosten sollte und der ETSV hätte sich mit 20 Prozent beteiligen sollen. Der ESTV-Vorstand war interessiert, die Eigenkosten hielten sich im Rahmen.

Doch dann kam die Einladung zum Gespräch mit den Architekten, die von der Stadt beauftragt waren. Dort erfuhr Gründel, wie teuer der Bau letztlich werden sollte: 713  000 Euro. „Ich habe noch gefragt, ob die Variante finanziell abgespeckt werden kann“, erklärt Gründel angesichts des neuen Eigenanteils. Die Antwort war „Nein“. Mit der Begründung, es müsse energetisch gebaut werden, so sehe es das Förderprogramm des Landes vor.

Schon da sei klar gewesen, dass der Eigenanteil von 20 Prozent vom Verein nicht geleistet werden kann. Ein Gespräch mit der Stadt ergab dann, dass der Bau auch komplett mit Mitteln aus der Förderung und von der Stadt bezahlt werden könne.

Trotzdem überlegte der ETSV-Vorstand. Es gab intern intensive Gespräche. „Für uns sind die Folgekosten nicht kalkulierbar“, sagt Heinz Grobys. Gemeint sind Kosten für Sanierungen, die später anfallen würden, aber auch Unterhaltungskosten, Pflege und eventuelle Reparaturen. Das neue Gebäude sollte Solarmudule bekommen. Ist eines defekt, müsste der Verein für die Reparatur aufkommen, nennt Gründel ein Beispiel. „Und wir hätten das Grundstück, auf dem gebaut werden soll, an die Stadt Glückstadt abtreten müssen.“ Denn nach den Förderrichtlinien müsste die Stadt dann als Bauherr auftreten. Gebaut werden soll – so ist der Plan – in unmittelbarer Nähe des Vereinsheimes.

Und noch etwas kam hinzu: Jährlich zahlt der Schulverband ein Drittel der Betriebskosten für die Sporthalle im Marineviertel. Gesichert sind die Zahlungen nur bis August 2017. Unklar sei, so Gründel, ob die Halle dann weiterhin für den Schulsport benötigt wird. Wenn nicht, könne es sein, dass der ETSV Fortuna diese Kosten mit übernehmen muss. „Das ist uns zu heikel zu diesem Zeitpunkt“, sagt der Vorsitzende zum gesamten finanziellen Paket.

Geld ist beim ETSV Fortuna Mangelware. Deshalb will sich der Vorstand zurzeit nicht auf Kosten einlassen, die nicht zu kalkulieren sind, wie es beim Neubau der Fall wäre. Zurzeit muss auch in das Vereinsheim investiert werden. Die Feuchtigkeit kriecht von unten die Wände hoch. Vermutet wird, dass die Wanne unter dem Haus ein Loch hat. Um Genaueres zu sagen, müsste das Umfeld vom Gebäude aufgegraben werden. Und das kostet viel Geld, vermuten Gründel und Grobys.

Und auch psychologische Gründe spielen bei der Ablehnung des Geschenks eine Rolle. Wie berichtet, sollte die gesamte Fußballanlage auf Wunsch der Politik ins Marineviertel umgesiedelt werden. Dies scheiterte am Mitgliedervotum. Im Marineviertel macht die Mehrheit der Mitglieder Sport, die Fußballer sind in der Minderheit am Molenkiekergang. Gründel glaubt, dass solch ein neuer „Prunkbau“ am Molenkiekergang den Mitglieder schwer zu vermitteln ist. Der Verein hat zurzeit 1697 Mitglieder. Und ob sich die Zahl halten lässt, ist auch unklar. Durch die Ganztagsbetreuung in der Schule haben immer weniger Kinder Zeit, Sport im Verein zu machen.

Aus unserer Zeitung haben Gründel und Grobys erfahren, dass die Politiker mit ihnen noch ein Gespräch führen wollen und die Pläne noch nicht zu den Akten gelegt sind. „Wir haben immer ein gutes Verhältnis gehabt“, sagt Gründel zu Politik und Stadtverwaltung. Das Gespräch werden er und Vertreter des Vorstandes gerne annehmen.

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