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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 11:03 Uhr

Wassersport : Eskimorolle im Hallenbad

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wilsteraner Kanuten lernen im Winter, wie man auch in Notfällen sicher per Kanu unterwegs sein kann.

Sicherheit steht für Ingmar Engel über allem. Im Auftrag seines Vereins bietet der Jugendwart der Kanu-Gruppe Wilster deshalb auch in diesem Winter wieder Kentertraining für Vereinsmitglieder aller Altersgruppen an. Unterstützt wird er dabei im Wilsteraner Hallenbad von den erfahrenen Paddlern Peter Kohnke und Jan Ratjen. Zwei Einheiten mit theoretischen und praktischen Inhalten hat es dort bereits gegeben, vier weitere werden bis Ende März noch folgen. Genutzt werden können sowohl ein flacheres als auch das tiefere Schwimmbecken.

Beteiligt hatten sich bei der jüngsten Einheit Kanuten im Alter zwischen 13 und 58 Jahren. Statistisch gesehen nehmen regelmäßig acht bis 16 Wanderpaddler teil. Ihnen stehen insgesamt fünf Kajaks zur Verfügung, die im Keller des Hallenbades zwischengelagert werden. „Wir haben Boote für alle Körpergrößen“, stellt Ingmar Engel heraus. Die Übungsaufgaben, die angeboten werden, sind vielschichtig. Sie orientieren sich an dem, was im Notfall auf beziehungsweise unter dem Wasser beherrscht werden muss. Schließlich geht es bei allen Wanderfahrten darum, unbeschadet, und das in trockener Kleidung, ans Ufer zurückzukehren.

Und dennoch: Kenterungen sind nicht auszuschließen: „Sie passieren auch Geübten“, weiß Ingmar Engel aus eigener Erfahrung. Um dann nicht, insbesondere in tiefen Gewässern, in Panik zu geraten, sei es wichtig zu wissen, wie man sich im Ernstfall verhalten muss. Geübt werden deshalb neben der einfachen Paddelstütze auf dem Wasser, mit der das Boot im Zuge kippeligen Verhaltens in Balance gehalten wird, auch das Aussteigen unter Wasser und das wieder Einsteigen ins Boot – und zwar vom Wasser aus. Aus langjähriger Erfahrung weiß Ingmar Engel: „Vor dem Ausstieg unter Wasser befallen selbst Erwachsene Ängste. Insofern ist es gut, wenn sie zu uns kommen.“

Krönender Abschluss einer jeden Übung ist die Beherrschung der sogenannten Kenter- oder Eskimorolle. Wer die technischen Abläufe mit viel Training automatisiert hat, kann sein Boot, bei fachgerechtem Einsatz von Oberkörper und Paddel unter Wasser, wieder aufrichten ohne es zu verlassen. Passiert das Gegenteil, dann ist der Betroffene notgedrungen gehalten, über das Boot eines Paddelkameraden in das eigene zu klettern. Gelingen wird das, wenn das gekenterte und wieder aufgerichtete Boot von einem Partner mit Körperkraft und Paddel fixiert wird. Auch das wurde geprobt – erfolgreich. Mit Blick auf ein übendes Paar sagte Benedikt Grimm: „Beide Partner sind gehalten, sich gegenseitig zu unterstützen. Das machen sie insbesondere, um zusätzliche Gefahren zu vermeiden. Wenn nicht, würden sie selbst kentern.“
Anhand der Übungen wurde deutlich, dass es nicht ratsam ist, eine Paddeltour allein zu unternehmen. Ingmar Engel: „Allein kann man sich in der Regel kaum behelfen.“

Für die Jugendlichen in der Kanu-Gruppe Wilster ist die Beteiligung am Kentertraining dann erforderlich, wenn sie an der Jugendsommertour ihres Vereins teilnehmen wollen. Denn dann geht es für sie auf Gewässer, die meist breiter und tiefer sind als Wilster Au oder Stör. Gefahren werde auf Elbe, Aller, Weser, Mecklenburger Seenplatte oder in der Dänischen Südsee. Zwar habe es während solcher Ausflüge nur wenige Kenterungen gegeben, doch mit Gefahren, so Ingmar Engel und Benedikt Grimm, müsse immer gerechnet werden. Sie entstehen aus Unachtsamkeit oder Unerfahrenheit ebenso wie auf Gewässern mit Strömungen oder bei Wind und Wellen sowie in den Fällen, in denen vorher falsches Bootsmaterial ausgesucht worden ist. Kentern könne aber auch derjenige, der mit seinem Wasserfahrzeug gegen Felsen oder andere feste Gegenstände kommt, die unter der Wasseroberfläche unsichtbar liegen.

Außenstehende, die die Atmosphäre im Hallenbad miterlebt haben, werden überrascht gewesen sein von der Ruhe, mit der Übungsleiter und Übende miteinander umgegangen sind. Für Ingmar Engel ist wichtig, dass die Kritik immer konstruktiv ist und dass bestehende Ängste durch einfühlsames Zutun der Trainer abgebaut werden: „Bestehen sie, müssen wir uns überlegen, wie sie beseitigt werden können – notfalls durch gutes Zureden und vorbereitende Übungen, die sich oberhalb der Wasseroberfläche abspielen.“ Letztlich laufe aber alles auf die Unterwasserarbeit hinaus. Ingmar Engel: „Wer unter Wasser Aussteigen kann, der hat beim Befahren eines Großgewässers auf jeden Fall ein besseres Gefühl.“ Das nächste Kentertraining veranstaltet die Kanugruppe Wilster Sonnabend, 4. Februar von 12 bis 14 Uhr.

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