Natur und Umwelt : Es summt und brummt nicht mehr

Der Fotovergleich mit der Insekten-App bestätigt es: In diesen Blüten fliegt gerade eine dunkle Erdhummel umher.  Fotos: Johannsen
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Der Fotovergleich mit der Insekten-App bestätigt es: In diesen Blüten fliegt gerade eine dunkle Erdhummel umher. Fotos: Johannsen

NABU veranstaltet in Itzehoe erstmalig eine Insektenzähl-Aktion. Tiere können über eine Smartphone-App erfasst werden.

shz.de von
08. Juni 2018, 06:15 Uhr

Es duftet überall – weiße, rosa- und dunkellila-farbene Blüten wachsen im Garten von Inge Gramer. Der Sommer zeigt sich aktuell von seiner schönsten Seite, aber etwas ist doch anders. „Es summt und brummt einfach nicht mehr so stark wie früher“, bemerkt Gramer, zweite Vorsitzende der Itzehoer Ortsgruppe vom Naturschutzbunds Deutschland (NABU), als sie den Blick durch ihren Garten schweifen lässt. Die Stille an den blühenden Pflanzen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. „Es kann ein starker Rückgang an Insektenarten über die letzten Jahre hinweg festgestellt werden“, erklärt Gramer.

Um die Insekten in den Fokus zu rücken, veranstaltet der NABU in diesem Jahr zum ersten Mal eine Insekten-Zählaktion. „Wir wollen feststellen, wie schlimm das Insektensterben wirklich fortgeschritten ist“, sagt Gramer. Damit die Zählungen möglichst unkompliziert ablaufen und gleichzeitig auch noch Spaß machen, hat der NABU eine App fürs Smartphone entwickelt. „Da sind die häufigsten Arten mit Bildern aufgeführt und man kann, wenn man sich unsicher ist, auch Insekten vergleichen“, beschreibt Gramer. Auch die Beobachtungsliste kann direkt mit dem Handy ausgefüllt und an den NABU geschickt werden. Das ist insbesondere für die jüngere Generation sehr ansprechend. „Einfacher geht es nicht“, findet Gramer.

Die Insektenzählung läuft ähnlich ab wie die Zählaktion der Vögel, die der NABU regelmäßig durchführt. „Es soll immer die Höchstanzahl der gleichzeitig gesehenen Insekten eingetragen werden“, erklärt Gramer. Denn sehe man gleich zu Beginn des Beobachtungszeitraums eine Hummel und eine halbe Stunde später noch eine, könnte es sich beide Male um dieselbe handeln. Somit wird dann nur eine Hummel gemeldet.

Die Aktion findet in zwei Zeiträumen im Sommer statt. Der erste Zeitraum geht noch bis Sonntag, die zweite Zählung läuft vom 3. bis 12. August. Wer noch mitzählen möchte, kann einfach die App „Insektenwelt“ herunterladen und loslegen. „Wir zählen alles, was sechs Beine hat“, sagt Gramer, die selbst noch in ihrem Itzehoer Garten zählen will. Für eine Stunde sollen die Zähler ihr Umfeld in einem Umkreis von etwa zehn Metern beobachten. „Man kann auch unter Steine schauen, gucken was an Bäumen und Büschen oder im Gras krabbelt.“

Für Gramer ist der Insektensommer eine gute Aktion, um auf die Insekten aufmerksam zu machen. „Wir haben in Deutschland etwa 33 000 Insektenarten, die fast alle lebensnotwendig für uns sind“, erklärt sie. Denn die Insekten „bestäuben etwa 90 Prozent aller Pflanzen und das sorgt dafür, dass zum Beispiel unser Obst und Gemüse gedeiht.“

Zwar seien es hauptsächlich die Käfer, die Gramer in ihrem Garten heute weniger als noch vor einigen Jahren sieht, denn es sind doch einige Bienen und Hummeln unterwegs, „wir müssen uns aber immer bewusst sein, wie arm unsere Natur und auch wir ohne Insekten wären“, appelliert sie.

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