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Regionalentwicklung : Es muss nicht immer Reetdach sein

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Halbzeit beim Forschungsprojekt Regiobranding: Die Akteure legen in Wilster erste Zwischenergebnisse für eine Zukunft der Elbmarschen vor.

Sie sind prägend für die Elbmarschen und auch in der Wilstermarsch beherrschen sie oft das Bild zwischen Wasserläufen und grünen Weiden: stattliche Reetdachhäuser aus den Blütezeiten in der Landwirtschaft. Und sie sind greifbarer und sichtbarer Bestandteil eines tiefgreifenden Wandels in der Region. Das jedenfalls wurde neben vielen anderen Aspekten beim Regiobranding deutlich. Das vom Bundesbildungsministerium geförderte Forschungsprojekt befasst sich mit den Besonderheiten der Kulturlandschaft Elbmarschen und insbesondere mit dem Möglichkeiten und Chancen einer künftigen Entwicklung. Das durch Wissenschaftler der Leibniz-Universität Hannover und der Universitäten Greifswald und Hamburg begleitete Projekt geht jetzt in die nächste Runde.

Bei einem Regionalforum waren Teilnehmern und Akteuren aus der Region bereits erste Ergebnisse vorgestellt worden. So hatte eine repräsentative Haushaltsbefragung ergeben, dass Marschbewohner besonders glückliche Menschen sind. Bei der Auswertung der Fragebögen war Professor Dr. Daniel Schiller jedenfalls zu der Erkenntnis gekommen, dass die Werte sogar noch über dem so genannten Glücksatlas liegen, in dem die Schleswig-Holsteiner ohnehin schon an der Spitze stehen. „Und zwar in allen Altersgruppen.“ Die größten Befürchtungen der Menschen in der Marsch: Leerstände, steigende Kosten, erneuerbare Energien. Bemerkenswert: Obwohl sie in von Sturmfluten bedrohten Gebieten leben, fürchten sich nur 18 Prozent vor Naturkatastrophen. Und jeder Zweite wäre sogar bereit, für den Erhalt der Kulturlandschaft einen Extra-Bonus zu zahlen. Interessant auch: Während gesunde Umgebung, Naherholung und regionale Produkte bei den Befragten als Ausdruck von Lebensqualität gelten, werden Bildungsangebote und Immobilienpreise als weniger wichtig eingestuft.

Immer wieder tauchte bei den Erhebungen das Thema Landwirtschaft auf. In 20 Jahren, so die Untersuchung, werde sich die Zahl der Betriebe noch einmal halbiert haben. Zurück bleibt häufig eine überdimensionierte Bausubstanz.

„Wir sollten die Häuser nicht aufgeben, bloß weil einem jetzt nichts dazu einfällt“, mahnt die Wewelsflether Architektin Christine Scheer und hat dabei vor allem die historischen Gebäude im Blick. Steinburgs Denkmalspflegerin Beate von Malottky fasst die bisherigen Ergebnisse so zusammen: „Neben einer Wiederaufnahme des Reetdachprogramms, sollten auch Hartdächer auf historischen Bauernhäusern und Scheunen gefördert werden, um die bis zu über 400 Jahre alten Hausgerüste für zukünftige Nutzung zu sichern.“ Thematisiert wurde dabei aber auch das restriktive Außenbereichsrecht, das kaum andere Nutzungen zu lasse. Auch das steht auf der Agenda des Forschungsprojekts. Einen Hoffnungsschimmer verbreitet immerhin Ines Lüder von der Uni Hannover: „Die Siedlungsstruktur ist auch eine Ressource, mit der man neue Bewohner anziehen kann.“

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erstellt am 23.Feb.2017 | 11:40 Uhr

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