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Museumsschiff Peking : „Es ist wie ein ganz normaler Auftrag“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Interview spricht der Chef der Peters-Werft in Wewelsfleth, Mark Dethlefs, über die Sanierung des historischen Frachtseglers „Peking“.

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Die spektakuläre Rückholaktion der mehr als 100 Jahren alten Viermastbark „Peking“ war vergangene Woche nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung dürfte die Wiederbelebung des historischen Frachtenseglers sein. Bevor die „Peking“ zum Schmuckstück des geplanten Hamburger Hafenmuseums wird, wird sie auf der Wewelsflether Peters-Werft von Grund auf saniert und wieder instandgesetzt. Auch für Mark Dethlefs, geschäftsführender Gesellschafter des Traditionsunternehmens, ist es ein ungewöhnlicher Auftrag. Wir sprachen mit dem Werftchef über die besonderen Herausforderungen.

Herr Dethlefs, wie haben Sie es eigentlich geschafft, den attraktiven Auftrag gegen so renommierte Mitbewerber wie Blohm + Voss nach Wewelsfleth zu holen?
Die Peters-Werft hat in der öffentlichen Ausschreibung mit einem guten Renovierungskonzept und einem marktkonformen Preis überzeugt.

Sie haben sich die „Peking“ für eine Bestandsaufnahme vorher ja auch in New York angesehen. Wie war da Ihr erster Eindruck?
Wenn dieses Schiff keine so große historische Bedeutung hätte, wäre es eher ein Fall für die Verschrottung gewesen.

Die „Peking“ ist dann per Dockschiff über den Atlantik in die alte Heimat zurückgebracht worden. Haben Sie da ein bisschen mitgezittert, ob das Schiff auch wirklich heil in der Werft ankommt?
Wohl eher nicht, da die Verantwortung für den Transport bei dem Auftraggeber und der Reederei lag.

Die Peters-Werft kann auf viele Jahrzehnte Erfahrung im Schiffsbau zurückblicken. Hat es in der Firmengeschichte schon einmal ein vergleichbares Projekt gegeben?
Wir haben in der 145-jährigen Geschichte der Peters-Werft schon zahllose, umfangreiche und auch anspruchsvolle Refits und Reparaturen erfolgreich abgearbeitet. Richtig ist allerdings, dass wir meines Wissens nach noch nie ein Schiff, das in der späteren Nutzung als ein reines Museumsschiff dienen soll, also fahruntüchtig ist, so aufwendig instandsetzen sollen.

Gibt es neben der „Peking“ eigentlich noch genug Platz und Kapazitäten für andere Projekte?
Gibt es, und wir werden auch in dem Zeitraum, in dem die „Peking“ an der Werft liegt, weiterhin unseren Kunden die umfangreichen Leistungen der Werft anbieten können.

Wo liegt für Sie denn die besondere Herausforderung bei der Wiederherstellung eines mehr als 100 Jahre alten Frachtseglers?
Im Wesentlichen wird es der fachgerechte Umgang mit der ausgesprochen maroden Struktur des Schiffes sein.

Werden für die Sanierungsarbeiten auch noch Handwerkskünste gebraucht, die im modernen Schiffbau nicht mehr vorkommen? Und haben Sie die entsprechenden Mitarbeiter dafür oder müssen Sie noch Spezialisten für bestimmte Arbeiten anfordern?
Wir werden selbstverständlich mit einer Vielzahl von Sublieferanten den Auftrag abarbeiten. Das ist aber nichts Besonderes für uns und unsere Branche, sondern stellt schon über Jahrzehnte die Regel dar.

Wie sieht es mit dem benötigten Material aus? Kommen – zum Beispiel – spezielle Hölzer zum Einsatz?
Die Materialien, die wir im Wesentlichen für diesen Auftrag verbauen, werden Stahl und Holz sein. Also nichts, was wir nicht kennen und hier auch auf der Werft schon immer verarbeitet haben.

Gibt es eigentlich noch alte Unterlagen, die bei den Sanierungsarbeiten hilfreich sein können? Und woher haben Sie die?
Die Stiftung Hamburg Maritim, unser Auftraggeber, stellt uns die für den Auftrag benötigten Unterlagen zur Verfügung.

Ob alte Häuser, alte Autos oder alte Schiffe: Bei historischen Objekten muss man immer mit unliebsamen Überraschungen rechnen. Wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, dass bei den Sanierungsarbeiten zuvor nicht bedachte Probleme auftauchen?
Diese Möglichkeit besteht ja bei jedem Auftrag. Wir sind aber auch auf solche Fälle gut vorbereitet.

Das Gros der Ausrüstungsgegenstände der „Peking“ ist ja offenbar nicht mehr vorhanden. Wird es hier Nachbauten geben, die ebenfalls in Wewelsfleth entstehen?
Das befindet sich nach einer eingehenden Bestandsaufnahme mit unserem Auftraggeber noch in der Klärung.

Wie gestaltet sich bei alldem die Zusammenarbeit mit der Stiftung Hamburg Maritim und dem Freundeskreis der „Peking“, deren Mitglieder ja auch gerne selbst mit Hand anlegen wollen?
Die Zusammenarbeit mit unserem Auftraggeber und weiteren Beteiligten am Refit der „Peking“ gestaltet sich zur Zeit gut und ist getragen von dem gleichen Ziel: Ein gutes Produkt vertragskonform an den späteren Nutzer zu liefern.

Ihr Mit-Geschäftsführer Peter Sierk sagte bei der Ankunft der „Peking“ in Brunsbüttel, dass er vor der Aufgabe als Werft sehr großen Respekt habe. Geht man ein solches Projekt eigentlich sehr viel anders als normale Schiffsreparaturen an?
Nein, in der Regel ist das ein ganz normaler Auftrag. Gewiss mit einem doch etwas speziellen Hintergrund – auf allen Ebenen.

Schon die ersten Tage haben gezeigt, dass es in der Region ein gewaltiges Interesse der Menschen an der Peking gibt. Viele andere Projekte wurden in der Werft ja eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgearbeitet. Wird man für die Peking gelegentlich auch Besuchergruppen über das Wertgelände führen?
Das werden wir seit Bekanntwerden, dass der Auftrag zu unserer Werft nach Wewelsfleth kommt, fast täglich gefragt. Sagen wir es einmal so: Werftbesichtigungen waren und sind auf der Peters Werft seit Jahrzehnten ein gebräuchliches Mittel unserer Öffentlichkeitsarbeit. So werden wir das auch in den nächsten Jahren handhaben. Spezielle Besichtigungen auf der „Peking“ wird es aber in der Instandsetzungsphase aus verständlichen Gründen nicht geben.

In drei Jahren, so die Planung, soll die „Peking“ ihre letzte Reise antreten, um das Schmuckstück im neuen Hamburger Hafenmuseum zu werden. Bedauern Sie es, dass das nicht aus eigener Kraft, also unter Segeln, möglich sein wird? Oder wäre eine Wiederherstellung der kompletten Fahrtüchtigkeit zu unrealistisch gewesen?
Unrealistisch ist das passende Wort. Ich glaube, dass dafür keine ausreichenden finanziellen Mittel bereitgestellt worden wären. Vergleichen Sie das doch einmal mit der Instandsetzung der „Gorch Fock“ in den zurückliegenden Jahren. Ein Schiff, das regelmäßig gewartet und instandgesetzt wurde und dann stellen Sie sich einmal den Aufwand und die Kosten vor, für ein Schiff, das mehrere Jahrzehnte nur noch als Museum diente.

Letztlich wird die „Peking“ auch ein Aushängeschild für die Peters Werft sein. Ich vermute, dass Sie das auch ein bisschen stolz macht?
Wir wollen uns nicht schon heute, wo wir uns in der Phase befinden, dass die „Peking“ gerade einmal bei uns angekommen ist, mit Attributen schmücken, die wir uns erst einmal in den nächsten 30 Monaten hart werden erarbeiten müssen. Wie gesagt, wir wollen, wie bei allen unseren Aufträgen, unseren Kunden zufriedenstellen und dann kommt alles Weitere von ganz alleine.

>  Internet: www.peters-werft.de



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