Gedenktage : „Es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern“

Für die Arbeitsgemeinschaft Mahnen legten Kirsten Lutz und Karsten Hansen einen Kranz nieder.
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Für die Arbeitsgemeinschaft Mahnen legten Kirsten Lutz und Karsten Hansen einen Kranz nieder.

Die Arbeitsgemeinschaft Mahnen veranstaltete in Itzehoe drei Tage zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – den Abschluss bildeten Reden und Kranzniederlegungen am Mahnmal.

shz.de von
29. Januar 2018, 05:07 Uhr

„Neben dem Erinnern gehört zum Mahnen auch immer die Gegenwart“, sagte Martin Kayenburg gestern Nachmittag an den Malzmüllerwiesen. Und in dieser Gegenwart waren rund 50 Menschen an das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus gekommen, die sich Seite an Seite gegen das Vergessen standen. Der ehemalige Landtagspräsident Kayenburg warnte, dass „wir uns unserer geschichtlichen Verantwortung immer wieder stellen müssen“. Ebenso wichtig sei es aber, auf die aktuellen Fehlentwicklungen hinzuweisen. „Den Populisten bei uns und anderswo rufe ich zu: Einfache Antworten sind meistens mehr als gefährlich. Wir brauchen keine Mauern, weder staatliche noch in den Köpfen. Wir stehen für Offenheit an den Grenzen wie im Geiste.“

Zuvor hatte Michael Legband zur Veranstaltung, die den Abschluss dreier Gedenktage bildeten, die Versammelten begrüßt. Der Autor und Enkel des Itzehoers Julius Legband zitierte dessen „Gewissensaufrufe“, mit denen dieser zum Widerstand gegen den „Mörder Hitler“ mobilisierte. Regine König sprach einführende Worte für den Kirchengemeinderat der Innenstadtgemeinde und erinnerte sich: „Worte wie Jude oder Euthanasie durften wir nicht ansprechen. Umso mehr freue ich mich, dass Sie hier sind und nicht vergessen haben.“

Martin Kayenburg appellierte in seiner Rede „Warum das Mahnen wichtig ist“: „Den einfachen Parolen müssen wir engagiertes Mitmachen entgegensetzen. Ich will nur daran erinnern: Die Weimarer Republik ist nicht an zu vielen Nationalsozialisten gescheitert, sondern an zu wenig Demokraten.“ Er freue sich auch, dass die Stolpersteine in der Stadt an die einstigen Mitbürger erinnerten, die den Terror des Nationalsozialismus nicht überlebten oder nur knapp entkommen konnten. „Und es rührt an, wenn beispielsweise am 9. November vereinzelt Blumen bei dem einen oder anderen dieser Stolpersteine niedergelegt werden. Damals hat sich niemand schützend vor die jüdischen Mitbürger gestellt. Jetzt ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit uns ihrer Namen zu erinnern.“

Das Itzehoer Mahnmal sei bereits 1946 erreichtet worden und damit eines der ersten – „vielleicht sogar erste“ – in Deutschland. Eigentlich sei die kleine Anlage fast so etwas wie eine inoffizielle, zentrale Gedenkstätte des Landes. Und er freue sich, dass auch in den nächsten Jahren durch die Arbeitsgemeinschaft Mahnen dem Gedenktag eine wichtige Bedeutung zukommen soll.

Ein wenig mehr Bedeutung würde sich Kayenburg auch für das Gedenken an den Vater von Karsten Hansen wünschen. Der Itzehoer gehörte zu den Attentätern um Graf Staufenberg und wurde nach dem gescheiterten Anschlag auf Adolf Hitler hingerichtet. „Es wäre schön, wenn die Stadt Itzehoe ein Fleckchen finden würde, dass mit dem Namensschild Ihres Herrn Vaters bedacht werden könnte“, sagte Kayenburg an Hansen gewandt.

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