Der Cheyenne Club in Itzehoe schließt : Es hat sich ausgetanzt

Musik hören, tanzen, trinken: Schon im alten Cheyenne Club an der Brückenstraße haben Itzehoer ihre Nächte verbracht, wie das Foto aus dem Jahr 1992 zeigt.
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Musik hören, tanzen, trinken: Schon im alten Cheyenne Club an der Brückenstraße haben Itzehoer ihre Nächte verbracht, wie das Foto aus dem Jahr 1992 zeigt.

Nach 53 Jahren in Familienbesitz schließt der Cheyenne Club in wenigen Wochen endgültig seine Türen.

shz.de von
06. Januar 2018, 05:00 Uhr

Itzehoe | Musik hören, tanzen, trinken und jemanden kennenlernen – Generationen von Itzehoern haben seit 1964 hier ihre Nächte verbracht, in der Diskothek, die seit mittlerweile 53 Jahren im Familienbesitz ist, einzigartig in Deutschland. Nun soll Schluss sein. Mit dem 31. März schließt die Diskothek Cheyenne Club am Delftor, meist nur „Der Club“ genannt, direkt vor Ostern – endgültig, allerdings nicht freiwillig. „Wir wurden durch verschiedenste Entwicklungen dazu gezwungen“, sagt Club-Gründer Jürgen Conring (73).

Gemeinsam mit seinem Sohn Björn (36), der seit 2011 Geschäftsführer ist, sitzt er in seinem Laden und blickt in die Runde, mittlerweile aber nicht mehr melancholisch. „Ich habe mich damit abgefunden“, sagt er realistisch.

Den Anfang vom Ende machte im Jahr 2011 die Verkleinerung der damaligen Gesamtfläche um rund ein Drittel, in die danach eine Spielhalle eingezogen war. „Das sah zunächst gut und gelungen aus, weil wir die Kosten drastisch senken und so weiterhin überleben konnten“, erzählt Björn Conring. Dann allerdings mussten sie laut Stadtverwaltung und Bauamt für den verbliebenen Teil der Disco ein neues Brandschutzkonzept nach neuen Gesetzen umsetzen und dafür ein Ingenieur- und Prüfbüro beauftragen. „Da kamen Rechnungen von Zehntausenden von Euro auf uns zu“, sagt Jürgen Conring. Und das ging weiter, wie er beklagt.

Es mussten bauliche Aufträge umgesetzt werden mit zehn Baugenehmigungen über dreieinhalb Jahre und Gesamtkosten von 280.000 Euro – netto. „Das hat uns aus der Bahn geworfen, denn so viel Geld bekommt man auch mit super laufendem Geschäft nicht wieder herein“, so Björn Conring.

Alles, was sie in den Laden hätten investieren wollen, ist durch weitere kostenintensive Prüfungen (Tüv, Brandmeldeanlage, Notbeleuchtung/Notstrom, Blitzableiter, Rauchabzüge und Elektrik) auf der Strecke geblieben, weil nach einer Millioneninvestition in ihr zweites Geschäft, das „Stör Bowling“ an der Brückenstraße, kein Geld mehr da war.

Im vergangenen Jahr kam dann auch noch das Kreisbauamt mit einer Brandverhütungsschau. „Sie haben vieles bemängelt, was wir zuvor bereits gemacht hatten und was schon genehmigt war, und ganz neue Auflagen erteilt“, so Jürgen Conring.

Gleichzeitig mit einem allgemeinen Abschwung in der Innenstadt kam ein wirtschaftlicher Abschwung durch Veränderungen im Ausgehverhalten der Jugendlichen. Der Abzug der Bundeswehr, das Rauchverbot, das Internet und die Prinovis-Pleite taten ihr Übriges für weitere Löcher in der Club-Kasse. Auch Versuche mit besonderen Veranstaltungen und eingeschränkten Öffnungszeiten (wir berichteten) fruchteten nicht.

Auch in späteren Jahren am Delftor warteten viele Gäste regelmäßig auf den Einlass.
Foto: Hinz
Auch in späteren Jahren am Delftor warteten viele Gäste regelmäßig auf den Einlass.

Auf einen Schlag war ein massiver Abschwung vor allem am Freitag – eigentlich der Haupttag – zu spüren, als die Polizei nach dem Weinfest 2015 bei einer Großrazzia im Club mit 30 Polizisten und Zivilbeamten den Laden eineinhalb Stunden lang stillgelegt hatte. Den folgenden Prozess gegen den Bußgeldbescheid gewann der Club zwar, es folgten aber Kontrollen, auch vor dem Laden. „Ich habe mittlerweile acht große Aktenordner voller Vorgänge. Wir haben alles erfüllt, die Behörden sind mit vielem reingefallen, was sie dann zurücknehmen mussten“, so Jürgen Conring. Das habe aber ohne rechtliche Bewertung dazu beigetragen, den Laden kaputt zu machen.“

Da er die Räumlichkeiten gepachtet hat, sieht er keine Möglichkeit für weitere Einsparungen. Und hätte er das alles 2011 schon gewusst, dann hätte er schon da zugemacht, sagt Jürgen Conring heute desillusioniert. „Ich habe viel Erspartes und von meiner Rente reingesteckt. Die Stadt war gnadenlos mit ihren Forderungen ohne einen einzigen Kompromiss.“

Die Eigentümerin, die Hamburger Pergamon Verwaltungsgesellschaft, der ein großer Teil des Alsen-Geländes gehört, habe auf seine Anfrage hin auch nicht weiter investieren wollen. „Ich habe das abgehakt, denn es hat genervt. Ich habe mittlerweile auch gesundheitliche Probleme.“

Und woanders in Itzehoe etwas zu erwerben und neu aufzumachen, sieht sein Sohn Björn Conring nicht als Alternative – „denn dafür fehlt mir das Kapital“, sagt er.

Nachdem der Club die Nachricht bereits im sozialen Netzwerk verbreitet hat, reagierten auch schon einige Nutzer. Neben einigen schadenfrohen Kommentaren war der überwiegende Teil traurig, bestürzt und fand es vor allem „schade“. Bis zum Ende am 31. März soll es jetzt noch ein Abschieds-Programm geben, bei dem auch freitags wieder geöffnet ist. Dann gehen im Club tatsächlich für immer die Lichter aus.

Die Conrings wollen sich nun auf ihr Hauptgeschäft, das „Stör Bowling + Billiard“ konzentrieren. Ein bisschen Cheyenne Club steckt aber auch da noch drin: Es befindet sich in dem Gebäude, in dem Jürgen Conring 1964 den alten Club eröffnete, bevor der 1993 an seinen jetzigen Standort umgezogen ist.

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