Problemlöser in Itzehoe : „Es gibt immer etwas zu verbessern“

Drei Monate zu Gast in Itzehoe (v.l.): Jacob Hakola, Colin Potschko und David Shaw mit Dozent Jürgen Mallon (2.v.l.) in der Produktionshalle der Firma Borba.
Drei Monate zu Gast in Itzehoe (v.l.): Jacob Hakola, Colin Potschko und David Shaw mit Dozent Jürgen Mallon (2.v.l.) in der Produktionshalle der Firma Borba.

Ein internationales Studentenprojekt findet bei der Itzehoer Dreh- und Fräs-Spezialisten Borba statt.

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24. Juni 2018, 08:00 Uhr

In drei Monaten ein komplexes Problem in einem bisher unbekannten Wirtschaftsunternehmen lösen – und das in einem international besetzten Team, das nur zu diesem Zweck gebildet wurde. Dieser nicht ganz einfachen Aufgabe haben sich die Studenten Jacob Hakola aus Finnland, David Shaw aus Schottland, Matthew Cukier aus den USA und Colin Potschko von der Fachhochschule Kiel beim Itzehoer Feinwerk-Spezialisten Borba an der Störfischerstraße mit Erfolg gestellt.

„European Project Semester“ (EPS) heißt das Programm, das die vier angehenden Ingenieure nach Itzehoe führte. Zahlreiche Hochschulen in ganz Europa nehmen daran teil. „Zunächst wird in Kooperation mit Unternehmen eine Aufgabe festgelegt“, erklärt Jürgen Mallon, Dozent am Institut für Produktionstechnik der FH Kiel, der das Itzehoer Projekt fachlich begleitet hat. „Diese werden dann öffentlich ausgeschrieben und Studenten können sich darauf bewerben.“ Die Teilnehmer bereiten sich dann in Vorbereitungskursen auf die Aufgabe vor, bevor die eigentliche Projektarbeit im Unternehmen beginnt.

In Itzehoe beschäftigen sich die Studenten mit der Optimierung eines bestimmten Bereichs der Produktion von Borba. „Es ging uns um die Reduktion von Durchlaufzeiten“, sagt Betriebsleiter Markus Stocker. „Wir wussten, dass wir da Luft nach oben hatten“, erklärt Prokuristin Emina von Borstel. Aber bei vollen Auftragsbüchern im laufenden Betrieb sei es sehr aufwendig, einige der rund 70 Mitarbeitern für eine grundlegende Analyse freizustellen. „Der Blick von außen kann außerdem nie schaden. Es gibt immer etwas zu verbessern.“

Konkret untersuchten die vier Studenten unter anderem die Nutzung von bestimmten Maschinen in der Produktion sowie auch deren Platzierung in der Werkhalle. Auch die genutzte Software zur Steuerung der Herstellung nahmen die angehenden Ingenieure unter die Lupe. Heraus kamen konkrete Vorschläge zur Verbesserung, berichtet Colin Potschko. „Einen davon haben wir bereits bei der Produktion von Antriebselementen für Maschinen der Lebensmittelindustrie einem Praxistest unterzogen und die errechnete Zeitersparnis erreicht“, sagt Stocker. Bei den anderen Vorschlägen will Stocker die Umsetzung prüfen.

Aber auch unter einem anderen Gesichtspunkt sei die Kooperation des Unternehmens mit Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen interessant, sagt Emina von Borstel. Borba kämpfe wie viele andere Unternehmen mit dem Fachkräftemangel. Nicht nur fähige Ingenieure, auch qualifizierte Facharbeiter sind händeringend gesucht. „Das ist inzwischen ein begrenzender Faktor für unser Wachstum“, sagt von Borstel. „Als Mittelständler tun wir uns schwer, mit Großunternehmen auf dem Arbeitsmarkt zu konkurrieren“, sagt Stocker. Wahrgenommen zu werden und persönliche Kontakte zu jungen Menschen zu knüpfen – auch international wie im Fall des nun abgeschlossenen Projekts – liegt daher im Interesse von Borba.

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