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Verkehrskonzept : „Es geht mir um die Magie der Stadt“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bauamtsleiter will Durchgangsverkehr aus Heider Zentrum verbannen. Fußgänger und Radfahrer sollen sich sicherer fühlen.

In Indien und Afrika als Stadtentwickler gearbeitet und jetzt Bauamtsleiter in Heide, einer Stadt, in der scheinbar fast alles funktioniert. Gibt es hier überhaupt noch etwas zu entwickeln? Und ob, meint Georg Jahnsen (40), der seit anderthalb Jahren im Rathaus arbeitet und eine Vision hat: Er möchte die Innenstadt wirtschaftlich stärken und zu einem öffentlichen Raum entwickeln, in der sich die Menschen wieder mehr begegnen und nicht nur aus dem Auto heraus im Vorbeifahren grüßen.

„Es geht mir um die Magie der Stadt“, sagt Jahnsen und erzählt davon, wie Bürger vom „alten Heide“ schwärmen, für mehr kleine Läden plädieren, sich eine Innenstadt ohne die vielen Autos wünschen. Was nicht einfach ist, ging es in den vergangenen Jahrzehnten doch meistens darum, die Stadt autogerechter zu gestalten. „Die Stadtstrukturen wurden auf die Bedürfnisse einer Maschine ausgerichtet“, stellt der Bauamtsleiter fest, der sich bereits Gedanken darüber gemacht hat, wo und wie der Verkehr reduziert werden könnte. „Es geht um die Altstadt“, erklärt Jahnsen, der in Zukunft verhindern will, dass zum Beispiel die Hafenstraße/Neue Anlage von Berufspendlern als Durchgangsverkehr genutzt wird. Ein erster Schritt ist bereits getan. Auch wenn es nur um eine kleine Querverbindung geht, so wurde die Straße Lüttenheid (Museumsinsel) vor kurzem für den Verkehr gesperrt.

Ein Lösung für die gesamte Stadt wird es aber erst geben, wenn das Verkehrsgutachten für Heide und Umgebung vorliegt. Die Beratungsfirma soll dies bis Ende 2015 vorlegen. Bürgermeister Ulf Stecher will Details und die Formen der Bürgerbeteiligung in der kommenden Woche vorstellen.

Ziel ist es, den gesamten Durchgangsverkehr zu untersuchen und neue Straßenführungen zu schaffen. Ein Beispiel: Warum muss der Durchgangsverkehr (samt Schwerlaster) immer noch über die B 203 und somit an der Markt-Nordseite vorbei fahren, somit mitten durch die Innenstadt? „Das ist doch unsere gute Stube, wir müssen sie schützen und die Straßen umwidmen“, sagt Jahnsen, der den Durchgangsverkehr in Zukunft stärker über den Stadtring führen will. Auf der anderen Seite sollen diejenigen, die nach Heide wollen, ohne Mühe die Innenstadt erreichen und dort auch einen Parkplatz finden. Der Marktplatz mit seinen 550 Stellplätzen allein reicht aber nicht, da die Fläche durch den Wochenmarkt und die vielen anderen Veranstaltungen nur eingeschränkt zur Verfügung steht.

Deshalb schauen Verwaltung und Politik schon seit Jahrzehnten auf die Flächen, die sich hinter den Häuserreihen am Markt befinden. „Die müssen wir irgendwie zentral steuern, wir brauchen ein zentrales Parksystem“, meint der Bauamtsleiter, der insgesamt 2000 Parkplätze in der Heider Innenstadt zählt. Da zahlreiche Flächen in Privatbesitz sind, regt Jahnsen einen runden Tisch an, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Spricht der Bauamtsleiter über die Verbesserung der Parkplatz-Situation, denkt er vor allem an die auswärtigen Autofahrer. Die Heider selbst sollen seiner Meinung nach dagegen aufs Fahrrad steigen oder zu Fuß gehen. „Heide ist eine Stadt der kurzen Wege“, sagt Jahnsen, der Heide zur Fahrradstadt machen und auch die fußläufigen Bereiche stärken möchte. Dies durchaus zum Vorteil der Geschäftswelt. Denn: „Je stärker man aufs Auto angewiesen ist, desto stärker leidet die Wirtschaft.“

Als erste Maßnahme soll es in Heide deshalb keine kombinierten Fuß- und Radwege mehr geben. Damit kann die Sicherheit der Fußgänger auf den Gehwegen erhöht werden, zumal gerade ältere Menschen Angst vor den Radlern haben. Gleichzeitig werden Straßen einen 1,30 bis 1,50 Meter breiten Schutzstreifen für Radfahrer erhalten. Für erste Markierungen hat der Bauausschuss bereits 10 000 Euro bewilligt. Jahnsen: „Ich denke, dass wir diese Position jetzt jedes Jahr haben werden und wir so kontinuierlich weitermachen können.“

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erstellt am 21.Sep.2014 | 16:00 Uhr

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