zur Navigation springen

Stromautobahn Nordlink : Erste Fußstapfen für Strom-Drehscheibe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Bauarbeiten für eine gigantische Konverterstationen und ein neues Umspannwerk liegen voll im Plan.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 05:00 Uhr

Ohne Sicherheitsschuhe, Schutzhelm und eine kurze Unterweisung geht gar nichts: Jeder, der eine der zur Zeit größten Baustellen in der Region betreten will, muss sich dem Prozedere unterziehen. „Unser Ziel ist eine Unfallzahl von Null“, gibt Mathias Fischer, Sprecher von Netzbetreiber Tennet, die Richtung vor. Dabei gibt es mitten im Grünland südwestlich von Wilster nach Beschreibung von Projektleiter Jan Kocksch bislang doch erst einige „Footprints“ zu sehen.

Bei näherer Betrachtung sind diese Fußspuren allerdings gigantisch. Tennet baut hier die Konverterstationen, wo ab 2019 aus Wasserkraft in Norwegen gewonnener Strom ankommen soll. Ein „Konverter-Footprint“ misst 160 mal 200 Meter und wird später eine Bauhöhe von maximal 22 Metern erreichen. Nach dem ersten Spatenstich im vergangenen September geht es hier im Eiltempo voran. Lastzüge und Bagger, zumeist des regionalen Bauunternehmers Sönke Krey, kurven herum, Eisenbieger bereiten die Fundamente vor. Allein die Konverter ruhen auf 2000 Pfählen, die bis zu 20 Meter tief in den Marschboden versenkt wurden und den technischen Anlagen einen sicheren Stand ermöglichen sollen. Die Rammarbeiten hallten wochenlang über weite Teile der Marsch. Immerhin muss das Fundament später die kaum vorstellbare Last von 265  000 Tonnen tragen.

Noch kann man die späteren Dimensionen zur erahnen. Aktuell werden die ebenfalls schon recht großen Betonfertigteile für das Betriebsgebäude errichtet, in dem später die Schaltschränke stehen werden. Nordlink, so schwärmt Mathias Fischer, sei europaweit das wohl spannendste Projekt dieser Art. 1,5 bis zwei Milliarden Euro werden in das Gesamtvorhaben investiert.

Entsprechend ist es auch für Jan Kocksch eine berufliche Herausforderung, obwohl der Ingenieur für Elektrotechnik einen ausgesprochen entspannten Eindruck macht. „Hier arbeiten nur Profis“, freut er sich über einen bislang reibungslosen Ablauf der Arbeiten. Diese Profis werden vorwiegend von Generalunternehmer ABB, dem weltweit größten Transformatorenhersteller und Marktführer für Hochspannungsprodukte und Lösungen im Bereich von Umspannwerken, in die Wilstermarsch geschickt. Voraussichtlich im Oktober will Tennet hier Richtfest feiern. Wenig später sollen die Stahlkonstruktionen für die Konverterhallen stehen, in denen dann durch Wasserkraft im hohen Norden erzeugter Gleichstrom in Wechselstrom verwandelt wird. Gleich nebenan ragen schon erste Fundamentpunkte für die Transformatoren aus dem Boden, mit deren Hilfe die für das Netz passende Spannung geschaffen wird. Endgültig fertig gestellt werden sein soll der Konverter Wilster dann 2020. Parallel wird übrigens an dem Gegenstück in Norwegen gebaut.

Ebenfalls parallel laufen die Arbeiten für ein neues Umspannwerk, das auf der anderen Straßenseite entsteht. „Was man dort sieht, ist erst einmal ein Provisorium“, erläutert der Projektleiter dieses Vorhabens, Björn Beyer. Auf einer Gesamtfläche von rund 150  000 Quadratmetern wird hier das vorhandene und fast 40 Jahre alte Umspannwerk durch ein sehr viel größeres ersetzt. Es wird die Brücke zwischen Nord- und Südlink bilden. Zum Vergleich: Die ja nicht gerade kleinen Konverter-Gebäude werden auf einer Baufläche von insgesamt 37  000 Quadratmetern errichtet.

Einige ebenfalls vorhandene Strommasten werden an anderer Stelle neu errichtet, sonst ändert sich im Umfeld wenig. Auch künftig kommt hier der Strom aus der Konverterstation Büttel an. Auf der anderen Seite fließt die elektrische Energie nach Audorf. Auch Windstrom aus der Wilstermarsch wird hier eingespeist. Schon jetzt wird aber auch der Anschluss der benachbarten Konverterstation vorbereitet. Beyer: „So, dass wir am Ende eigentlich nur noch das Kabel anschließen müssen.“

Immer wieder weisen die Tennet-Mitarbeiter auf landschaftspflegerische Begleitmaßnahmen hin: Die Anlagen sollen in einigen Jahren hinter reichlich Grün verschwunden sein. Mitarbeiter einer Gartenbaufirma konnten schon jetzt beim Einsatz beobachtet werden. Für die Konverter-Gebäude ist sogar ein spezieller grüner Farbton vorgeschrieben, damit diese trotz ihrer Größe möglichst wenig in der Marsch auffallen. Auch zusätzliche Strommasten oder Freileitungen werde es nicht geben. Für Südlink laufen alle Stromleitungen in Richtung Süddeutschland unter der Erde. Allerdings steht noch ein weiteres Konverter-Gebäude aus. Über den genauen Standort ist noch nicht entschieden. Eine Möglichkeit wäre in Nachbarschaft zu den jetzt im Bau befindlichen Gebäuden.

Laut Tennet-Sprecher und Projektleitern ist der Bau der großen Strom-Drehscheibe vor den Toren von Wilster voll im Plan. Auch der tückische Marschboden ist einkalkuliert. Vorsorglich bekommen alle Stromleitungen eine Schlaufe. Bewegt sich dann das Erdreich, ziehen die Leitungen sich glatt, reißen aber nicht. Und dank Wasserkraft aus Norwegen gehen auch bei Flaute künftig in Bayern nicht die Lichter aus.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen