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Jubiläum auf dem Friedhof : Erste Bestattung vor 200 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

An der Brunnenstraße fand 1817 die erste Beerdigung statt – ein buntes Programm soll den Wandel der Begräbniskultur zeigen.

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erstellt am 20.Jun.2017 | 05:00 Uhr

Nach 4400 Toten war Schluss. Auf dem Holzkamp war einfach kein Platz mehr. Die 4000 bis 5000 Einwohner zählende Stadt brauchte einen neuen Friedhof – und fand ihn auf freiem Feld mit einem rund zehn Hektar großen Gelände des Adeligen Klosters. Ein Schiffer namens Grave war der Erste, der am 24. Juni 1817 auf dem heutigen Friedhof Brunnenstraße beerdigt wurde. 200 Jahre später beginnt Sonntag, 25. Juni, eine Jubiläumswoche.

Angesichts des runden Jahrestags sei es angemessen, die Entwicklung näher zu betrachten, sagt Pastor Christian Krause, Geschäftsführer des Friedhofswerks des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf. Denn: „Der Friedhof stellt einen Teil der Geschichte Itzehoes dar und der Geschichte der Kirche sowie ihres Handelns an Verstorbenen.“ Bis 1762 hätten Beerdigungen auf dem Kirchhof südlich der St.  Laurentii-
Kirche und in den Grüften unter dem Kirchenschiff stattgefunden, sagt Ingo Lafrentz. Es folgte der Holzkamp, dann ging es weit vor die Stadt. „Die Gründung hatte hygienische Gründe“, sagt der Itzehoer Historiker. Aus Platzmangel seien die Toten auf dem Holzkamp teils nur zwei Handbreit tief bestattet worden. Heute sind laut Krause mindestens 90 Zentimeter Erdreich über dem Sarg vorgeschrieben.

Er habe ein skurriles Hobby, sagt Lafrenzt: das Sammeln ungewöhnlicher Todesanzeigen. So kam er zur Friedhofsgeschichte, und dabei stieß er vergangenes Jahr auf das Jubiläum an der Brunnenstraße. In monatelanger Arbeit hat er eine Ausstellung in der Kapelle vorbereitet, die auch den „humorigen Aspekt in dem ernsten Thema beleuchtet“, wie Krause sagt. Der Friedhof Brunnenstraße ist ebenso Thema wie der 1956 eingeweihte Waldfriedhof, „berühmte Leute für Itzehoer Verhältnisse“ (Lafrentz), aber auch die Angst vor Scheintod und der digitale Nachlass.

„Der Friedhof ist die Stätte, auf der die Verstorbenen zur Ruhe gebettet werden“ – so steht es in der Präambel der Satzung. „Früher war das Erdbegräbnis die ganz selbstverständliche Form der Beisetzung“, sagt Krause. „Das hat sich ganz besonders in den letzten 15 Jahren stark individualisiert.“ Auch auf dem Friedhof Brunnenstraße mit seinen 10  000 Grabstätten betrage der Anteil der Urnenbestattungen jetzt 70 Prozent. Baumgräber sind beliebt, der Wunsch nach anonymer Bestattung ist nicht selten. Ändern lasse sich das im Nachhinein nicht ohne Weiteres, sagt Krause. „Die Entscheidung für eine bestimmte Grabstätte hat Konsequenzen. Es gibt aber genug andere pflegefreie Möglichkeiten.“

Der Trend zur Individualisierung ist überall zu spüren – so wird auch die 1971 gebaute Kapelle seltener genutzt. Eine Begräbniskultur werde es immer geben, sagt Krause. Nur sei schwer zu sagen, wohin sie sich entwickeln werde. Daran, wie sie früher war, soll die Jubiläumswoche erinnern. Und auch in Führungen zeigen, wie die Friedhofsverwaltung auf die Veränderungen reagiert: In Bereichen, die nicht mehr mit Gräbern belegt werden, besinne man sich zurück auf den historischen Kern. Der Park-Charakter wird betont, und das erfolgreich, wie Ingo Lafrentz findet: „Der Friedhof ist jetzt richtig schön geworden.“

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