Flüchtlingsunterkunft : Erstaufnahme für Asylbewerber geplant

Torsten Wendt (43 ) Steinburger  Landrat
Torsten Wendt (43 ) Steinburger Landrat

Landrat Torsten Wendt will dem Land einen Standort für eine Erstaufnahme für Asylbewerber im Kreis Steinburg vorschlagen – aus dem Hauptausschuss kam ein positives Signal.

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31. Juli 2015, 17:27 Uhr

Die Tagesordnung im öffentlichen Teil war abgearbeitet. Einige Mitglieder des Hauptausschusses dachten möglicherweise schon an die kurze Pause. Doch der Paukenschlag folgte unter „Mitteilungen und Anfrage“. Landrat Torsten Wendt berichtete, dass er dem Land Vorschläge für ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge im Kreis Steinburg unterbreiten möchte. Den Hauptausschuss bat Wendt um ein Stimmungsbild, damit die Verwaltung mit der Suche nach einem geeigneten Standort beginnen könne.

Grundsätzlich zeigten sich die Kreispolitiker mit dem Vorhaben einverstanden. Ausschussvorsitzende Marion Gaudlitz mahnte, auch die Folgewirkung einer solchen Unterkunft zu bedenken. Aber genau das sei mit ein Grund, erklärten Wendt und Ordnungsamtsleiter Dieter Pape. „Das Land sucht händeringend nach Standorten. Die Verbleibezeit im Erstaufnahmelager ist bereits auf zwei Wochen geschrumpft, weil sonst der Ansturm gar nicht bewältigt werden könnte – eigentlich waren rund drei Monate veranschlagt“, erklärte Pape. Und Wendt ergänzte: „Jetzt besteht die Gefahr, dass Privatleute auf die Idee kommen, dem Land Unterkünfte anzubieten. Und dann haben wir keinen Einfluss mehr.“ Auch deshalb wolle man tätig werden.

Ein weiterer wichtiger Grund, wie der Landrat ausführte, sei der Platz für die Flüchtlinge. „Bis Ende des Jahres kriegen die Ämter und Gemeinden das hin, dann wird es eng.“ Das liege auch daran, dass die Aufnahmequote für den Kreis von 4,9 auf 5,2 Prozent erhöht wurde. Den Kreisen, die über eine Erstaufnahme verfügen, wird die Zahl der dort untergebrachten Asylbewerber angerechnet; dementsprechend müssen die Flüchtlinge auf die anderen Kreise verteilt werden. „Das heißt aber auch, wenn es bei uns eine Erstaufnahme gibt, sinkt die Zahl derer, die wir noch auf unsere Kommunen verteilen müssen“, so Pape. Damit sinken auch die Kosten. Denn eine Erstaufnahme wird komplett vom Land finanziert und verwaltet.

Pape: „Das Land wird ohnehin aktiv. Jetzt ist nur die Frage, ob der Kreis auch aktiv wird, um wenigstens ein bisschen Einfluss zu nehmen.“ Laut Wendt seien Vertreter aus Kiel bereits im Kreis Steinburg unterwegs gewesen. Welche Standorte sie sich konkret angesehen hätten, wusste der Landrat nicht. „Der Druck ist groß und das Land entwickelt unabgestimmte Aktivitäten.“

Für Wendt und Pape liegen die Vorteile auf der Hand. Eine Erstaufnahme senkt den Kostendruck und die Anzahl der aufzunehmenden Asylbewerber für Kreis und Kommunen. Zudem würden sich dort die Verweilzeiten möglicherweise wieder erhöhen, so dass dort bereits Sprachunterricht möglich wäre – „das ist in zwei Wochen nicht machbar“, so Pape. Und mit dem Angebot fester Unterkünfte, sinke auch die Notwendigkeit, Asylbewerber in Zelten unterzubringen. Denn, da waren sich alle einig, das sei nicht hinnehmbar. Mit „Blick auf den Kalender“ empfahl Willi Göttsche (FDP) schnell tätig zu werden. Auch Gerlinde Böttcher-Naudiet (SPD) meinte: „Es ist auf jeden Fall besser zu agieren als zu reagieren. Im Notfall müssten wir auch über Containerlösungen nachdenken, sonst bleiben ja eigentlich nur die ehemaligen Kasernen.“ Und Siegfried Hansen (Piraten) gab dem Landrat mit auf den Weg: „Wenn wir uns erinnern, wie viele Flüchtlinge wir nach dem Zweiten Weltkrieg in einem völlig zerbomten Land aufgenommen haben, dann sollten wir dieses Problem doch heute meistern – ich bin da sehr zuversichtlich.“

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