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BUchpreis : Erschreckend aktuelle Lyrik op Platt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Carl-Töpfer-Stftung kürt Gedichte des Brunsbüttelers Emil Hecker (1897-1989) gegen den Krieg zum Plattdeutschen Buch des Jahres.

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erstellt am 01.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Sie strahlen um die Wette. Telse Hecker und Roland Ladage haben auch allen Grund dazu. Denn sie sind frisch gebackene Buch-Preisträger: Die Hamburger Carl-Töpfer-Stiftung hat den von ihnen zusammengestellten und von der Volkshochschule Brunsbüttel beim Quickborn-Verlag herausgegebenen niederdeutschen Lyrik-Band „Douaumont – Plattdeutsche Gedichte über die Sinnlosigkeit des Krieges“ als Plattdeutsches Buch des Jahres 2014 prämiert. Nächsten Sonnabend ist die feierliche Preisverleihung im Hamburger Ohnsorg-Theater. Ein Ort, der für Schenkelklopfer bekannt ist, angesichts der zumeist munteren niederdeutschen Stücke, die dort zur Aufführung kommen. Doch damit hat der Lyrikband des Brunsbütteler Autos Emil Hecker (1897-1989) rein gar nichts gemeinsam. Denn Hecker verarbeitet in seinen Gedichten das Grauen des Stellungskrieges am Beispiel der Schlacht von Verdun am französischen Fort Douaumont. Zu Papier brachte Hecker, der in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs ein Bein verlor und deshalb in der Heimat nicht die ersehnte medizinische Laufbahn einschlagen konnte, seine Zeilen aber erst 50 Jahre später.

Doch auch dies sei ein aktueller Zeitpunkt gewesen, erinnert Roland Ladage. Der Leiter des Brunsbütteler Heimatmuseums verweist auf den Vietnamkrieg, dem in der zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts etliche weitere mit Waffen ausgetragene Konflikte folgten. In den 70ern dann versuchte Hecker vergeblich, seine plattdeutsche Anti-Kriegslyrik zu veröffentlichen. Ehefrau Telse startete kurzerhand eigene Publikationen, vervielfältigte die Texte per Matrize, lochte und band die Seiten, bevor „Douaumont“ im Freundeskreis verteilt wurde. Erst eine Lesung am Volkstrauertag vor zwei Jahren im Heimatmuseum der Schleusenstadt ließ die Idee einer Buchpublikation erneut keimen. Der Quickborn-Verlag, bei dem Autor Hecker etliche seiner Schriften veröffentlicht hatte, zeigte sich angetan. Am 16. September diesen Jahres war es so weit: Das Buch konnte erscheinen – 100 Jahre nach Kriegsbeginn.

Der Inhalt, den Roland Ladage vom Plattdüütschen ins Hochdeutsche übertragen hat, hat noch immer Aussagekraft. Oder, wie es in der Begründung der Preisverleihung heißt: „Die aus fünf Mitgliedern bestehende Jury hält das Buch für ein sprachmächtiges und anrührendes Zeugnis von erschreckender Aktualität.“

Dass die ausgewählten 20 Gedichte auch hochdeutsch zu lesen sind, ist Ladage zu verdanken. Selbst kein Plattsnacker, wollte er die Texte vor allem jungen Leuten und Besuchern des Heimatmuseums zugänglich machen. So arbeitete er sich in Emil Heckers Lyrik ein. „Es gab so manchen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen“, erzählt Telse Hecker von den vielen Gesprächsrunden. Neben den Arbeiten am Buch ging es auch um die Finanzierung, es mussten Sponsoren gefunden werden. Der Historische Arbeitskreis Brunsbüttel übernahm den Löwenanteil.

Emil Hecker wollte aufrütteln: „Ick mutt di wohrschuun, Minsch – ich muss Dich warnen, Mensch.“ Dies war aber nur eine Seite des Mannes, der seinen Lebensunterhalt mit einer Versicherungsagentur verdiente. Hörspiele, Theaterstücke, Bücher – die Reihe seiner Publikationen ist lang. Und als Radiosprecher war er lange Jahre die Stimme der Sendung „Von Binnenland un Woterkant“. Im Heimatmuseum ist er neben Boy Lornsen im „Dichterzimmer“ verewigt.

 


>Emil Hecker: „Douaumont“, Quickborn-Verlag, ISBN 978-3-87651-388-1

 

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