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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 03:22 Uhr

Erntezeit auf dem Kohlfeld

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Maschine für Rosenkohl kommt zum Einsatz / Erzeuger beklagen schwache Preise für Gemüse

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2014 | 12:40 Uhr

Gelenkt wird mit dem Fuß: Schiebt Simon Busch die bewegliche Schneidvorrichtung unter seinem Sitz etwas nach links oder rechts, folgt die neun Tonnen schwere Rosenkohl-Pflückmaschine automatisch der Bewegung. Es ist der erste Ernteeinsatz für das neue Großgerät, dass sich die Familie Busch speziell für den Rosenkohl, dessen Erntezeit jetzt beginnt, angeschafft hat.

Der riesige Apparat rollt ganz langsam über das Kohlfeld. Immer drei Pflanzenreihen werden gleichzeitig abgeerntet. Die Ernte läuft fast komplett automatisch. „Die neue Maschine ist eine große Arbeitserleichterung für uns“, erklärt Simon Busch. Der Dreißigjährige bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Vater Albert 35 Hektar Gemüseland. Hauptprodukte des Betriebs sind Blumen- und Rosenkohl. Der neue Rosenkohlpflücker verfügt über einen besonders bodenschonenden Raupenantrieb. Breite Eisenketten verteilen das tonnenschwere Gewicht gleichmäßiger als herkömmliche Reifen. Die Erde wird weniger stark verdichtet und muss nicht in einem zusätzlichen Arbeitsschritt wieder gelockert werden, und die Maschine sinkt nicht auf dem Feld ein. Albert Busch: „Wir sind dadurch vom Wetter unabhängiger und können auch bei nassem Boden ernten.“

25 bis 30 Tonnen Rosenkohl können drei Männer mit der Maschine pro Tag ernten. Früher wäre dafür sehr viel mehr Personal notwendig gewesen. Heute ist es für die Erzeuger wichtig, schnell auf die Wünsche ihrer Abnehmer reagieren zu können und trotzdem kostengünstig zu produzieren.

Es ist keine einfache Saison für die Gemüseerzeuger. Sorgen machen den Landwirten im Moment vor allem die Absatzmöglichkeiten für ihre Produkte. Die Preise am Markt schwanken sehr stark und sind teilweise nicht mal annährend kostendeckend. „Wir haben in diesem Jahr bisher keine gute Vermarktungssaison“, stellt auch Karsten Witt fest. Der Einkäufer bei Godeland, einer genossenschaftlich organisierten Vermarktungsgesellschaft von Landwirten aus Steinburg und Dithmarschen, sieht dafür vor allem zwei Gründe: „Beim Kohl hat das gute Wetter dazu geführt, dass unheimlich viel Ware am Markt verfügbar war. Das hat die Preise einbrechen lassen.“ Ein weiterer Grund ist der russische Importstopp für Gemüse. „Die Auswirkungen sind da vor allem psychologisch“, so Witt. Ein Problem, mit dem Landwirte in vielen Bereichen zu kämpfen haben. „Die Welt ist einfach klein geworden. Wenn irgendwo etwas passiert, was die Weltmarktpreise beeinflussen könnte, strahlt das häufig auf regionale Märkte aus, obwohl die eigentlich gar nicht direkt betroffen sind“, erklärt Peter Mau-Hansen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands.

Schwierige Zeiten für Gemüsebauern. Zwar gibt es laut Karsten Witt zwischenzeitlich auch Phasen mit höheren Preisen, aber zumeist nur dann, wenn ein bestimmtes Gemüse gerade bei den Bauern nicht verfügbar ist. Albert und Simon Busch setzen als Strategie gegen allzu sprunghafte Preisschwankungen im Großhandel auch auf Direktvermarktung. Im eigenen Hofladen werden etwa 15 Prozent der Erzeugnisse verkauft. Die Preise sind dort stabiler und die Margen etwas höher, weil der Zwischenhandel entfällt. „Das gleicht als zweites Standbein ein wenig aus“, sagt Albert Busch. „Aber insgesamt ist das Preisniveau im Moment viel zu weit unten.“

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