Erntehelfer am anderen Ende der Welt

Zwölf Meter breit (v.l.): Jan Stuertz und Hauke Hinrichs vor einem der riesigen Mähdrescher der Belair-Farm. Foto: SH:Z
Zwölf Meter breit (v.l.): Jan Stuertz und Hauke Hinrichs vor einem der riesigen Mähdrescher der Belair-Farm. Foto: SH:Z

Stefan Hinrichs (20) arbeitet mit zwei Freunden auf einer Farm in Australien / Dithmarscher sind beeindruckt von den riesigen Dimensionen

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26. November 2011, 06:53 Uhr

Schmedeswurth | Kängurus, der berühmte Ayers Rock, die Ureinwohner - Australien ist ein Kontinent voller Farben, Kultur und Abenteuer. Eines davon erlebt gerade Hauke Hinrichs aus Schmedeswurth. Der 20-Jährige ist mit seinen Freunden Florian Kolster (20) aus Kattrepel und Jan Stuertz (22) aus Wöhrden für ein dreimonatiges Praktikum als Erntehelfer ans andere Ende der Welt geflogen. Die drei jungen Männer sind auf der "Belair"-Farm in Esperance im Einsatz.

Während Jan Stuertz bereits die Höhere Landbauschule absolviert hat, hat Florian Kolster gerade die Prüfung zum Straßenbauer bestanden und Hauke Hinrichs seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen. Die Drei waren sich einig, dass sie gemeinsam "etwas Großes" erleben wollen. "Und genau das haben wir jetzt. Wir konnten uns die Dimensionen hier überhaupt nicht vorstellen", erzählt Hinrichs. Die "Belair"-Farm bewirtschaftet eine Fläche von 11 500 Hektar, also 115 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Dithmarschen hat eine Größe von 1 404Quadratkilometern.

"Mit drei Mähdreschern und einer Arbeitsbreite von jeweils zwölf Metern werden die Kornfelder abgeerntet. Eine Bahn mit dem Mähdrescher ist 4,5 Kilometer lang und geerntet wird mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 13 Kilometern pro Stunde", erklärt Hinrichs. "Hier ist einfach alles riesig - selbst die Entfernungen.". Die nächste Einkaufsmöglichkeit sei 100 Kilometer entfernt.

Und auch zum Mittagessen geht es nicht mal eben zurück zum Hof, die Mahlzeiten gibt es auf dem Feld. "Um sechs Uhr beginnt das Monteurteam, die Maschinen startklar zu machen. Um 7.30 Uhr setzen sich die Fahrer auf die Trecker und Mähdrescher und dann geht es los. Je nach Wetterlage wird zehn bis 16 Stunden gearbeitet. An einem guten 14-Stunden-Tag werden so etwa 250 bis 350 Hektar gedroschen", beschreibt der 20-Jährige einen Tagesablauf. An einem dieser Mähdrescher hat Hinrichs ein Stück Heimat befestigt: die Dithmarschen-Flagge.

Für ihn kam nie ein anderer Beruf als Landwirt in Frage. "Unseren Hof in Schmedeswurth gibt es schon seit 1770 und seitdem ist er auch im Familienbesitz. Das Thema Landwirtschaft beschäftigt mich schon seit ich mit meinen Beinen den Hof erkunden konnte." Im Juli schloss er seine Lehre als Landwirt erfolgreich ab. "Jetzt mache ich für ein Jahr verschiedene Praktika, um andere Höfe und deren Arbeitsweise kennen zu lernen." Zwei Monate war er bereits auf einem Kartoffelzuchtbetrieb in Holland. "Zu sehen, wie aus einem Samen oder einer Pflanze mit viel Arbeit und Mühe ein fertiges Produkt wird, ist einfach unglaublich. Und gerade hier in Australien ist es ein tolles Gefühl mit diesem Team Aufgaben zu meistern, die im ersten Moment wie ein aussichtloser Haufen Arbeit erscheinen."

Hinrichs sieht seine Praktika als Vorbereitung für die weiterführende Landwirtschaftsschule, die er nach den Sommerferien 2012 beginnen will. Am 23. Dezember startet sein Flieger gen Heimat. Nach den Feiertagen steht das dritte Praktikum an. Ganz so weit reisen muss Hinrichs dann nicht - es geht auf einen Gemüsehof in Nordrhein-West falen.

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