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Explosion in Itzehoe : Ermittlungen: Gasleitung fehlt im Kataster

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Details zur Explosionskatastrophe in der Schützenstraße in Itzehoe bekannt: Bei der Umstellung auf das digitale Kataster wurde 1977 eine Gasleitung in der Straße nicht eingezeichnet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt

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erstellt am 14.Aug.2014 | 05:00 Uhr

Itzehoe | Der Auslöser war Gas – das stand nach der Explosionskatastrophe vom 10. März in der Schützenstraße schnell fest. Aber wo kam es her? Wie konnte es zu der Explosion kommen, bei der vier Menschen getötet und 15 verletzt wurden? Diese Fragen standen seither unbeantwortet im Raum.

Jetzt sind neue Details bekannt geworden. Demnach war eine Gasleitung in der Straße nicht in die neuen Karten der Stadt eingezeichnet worden, als in den 1970-er Jahren das Straßenkataster von der Papier- auf die digitale Fassung umgestellt worden war. Das bestätigte Staatsanwalt Uwe Dreeßen gestern auf Nachfrage. „Ob das allerdings die unmittelbare Ursache für die Explosion ist, lässt sich noch nicht sagen.“ Die genauen Zusammenhänge stünden noch nicht fest. So wisse er beispielsweise nicht, ob die Gasleitung nicht schon vor dem Unglück freigelegt worden war.

Zwar sei eine Leitung im Keller des explodierten Hauses an der Muffe abgerissen gewesen, wodurch Gas ausströmen konnte, das sich entzündete. „Aber warum die Gasleitung gerissen ist, ob Beschädigungen von außen dazu geführt haben, müssen die weiteren Ermittlungen erst noch ergeben“, betonte Dreeßen. Das gilt auch für die Frage, „wer letztlich verantwortlich ist“. Zunächst richte sich der Verdacht gegen den Baggerfahrer, der mit seinen Kollegen am Unglückstag Kanalarbeiten in der Straße ausführte und selbst schwer verletzt wurde. Gegen ihn werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt. Knackpunkt ist dabei die Frage, ob er sich sorgfaltswidrig verhalten hat. Ob sich dieser Verdacht bestätigt und wie lange sich die Ermittlungen noch hinziehen werden, lasse sich jedoch noch nicht abschätzen.

Dreeßen erklärte auf Nachfrage, dass es sich bei den Details, die der NDR gestern verbreitete, nicht um neue Erkenntnisse handele: „Das war mit dem Gutachten der Polizei bekannt.“ Seit das Gutachten abgegeben wurde, sei der Fall bei der Polizei vom Tisch. „Von unserer Seite aus wurde nichts Neues nachgeschoben“, sagte Polizeisprecherin Merle Neufeld gegenüber dem sh:z.

Anfang Mai hatten die Sachverständigen des Kieler Landeskriminalamtes das „abschließende Gutachten“ vorgelegt. Damals wurde in einer Mitteilung der Polizei „eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände“ als Ursache genannt. Eine hundertprozentig sichere Aussage dazu, „ob der Zustand er Leitungen oder die Bauarbeiten die Hauptursache für den Gasaustritt gesetzt haben, ist auch nach eingehender Untersuchung der Beweismittel nicht möglich“. Die Spezialisten hatten unter anderem den Gas-Hausanschluss freigelegt, Absperreinrichtungen, Zähler und Regler abgebaut und untersucht. Bereits vorher hatte nach Druckproben festgestanden, dass die Gasleitung bis zum Unglückshaus kein Leck hatte. Nach Informationen des NDR fanden die Ermittler jedoch Kratzspuren an der Gasleitung.

Die Stadtverwaltung habe selbst erst durch die Medienberichte von den Erkenntnissen erfahren, teilte sie in einer Presseerklärung mit. Offiziell sei die Stadt von der Staatsanwaltschaft darüber jedoch noch nicht informiert worden. „Daher kann die Stadt Itzehoe auch im Hinblick auf das noch laufende Verfahren keine weitere Stellungnahme in dieser Angelegenheit abgeben.“

Es sei ohnehin sehr schwierig, alles zu rekonstruieren, erklärte Sprecher Frank-Dieter Simon auf Nachfrage. Die Digitalisierung des Katasters habe 1977 stattgefunden – es sei niemand mehr im Rathaus im Dienst, der damals dabei war. Heute befänden sich die Unterlagen jedenfalls bei den Stadtwerken.

Auch diese wollten sich gestern nicht zu den „angeblich neuen Erkenntnissen“ äußern, „da es sich um ein noch laufendes Ermittlungsverfahren handelt und sich unser Unternehmen an den Spekulationen zur Unglücksursache nicht beteiligen möchte“.
 

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