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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 03:12 Uhr

Konzert : Erinnerungen und viele Hits

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Drei Stunden lang unterhält Achim Reichel das Publikum im theater itzehoe mit Geschichten und Songs.

von
erstellt am 19.Sep.2013 | 17:30 Uhr

„Ich hab’ mein halbes Wohnzimmer mitgebracht.“ So wurde es ein gemütlicher Erzählabend mit Achim Reichel im theater itzehoe, der mit vielen Geschichten aus seinem Künstlerleben aufwartete. Hamburger Jung durch und durch, 1944 in Wentorf geboren und in St. Pauli zur Schule gegangen, schilderte der Musiker nicht nur die Anfänge und warnte gleich: „Stellt euch auf drei Stunden ein, man sitzt hier ja ganz bequem in Itzehoe.“

Reichel berichtete von den 60-er Jahren, in denen er als Rock’n-Roll-Fan bei schlechtem Empfang Radio Luxemburg hörte und die Lieder auf einem Tonbandgerät mitschnitt. Einen Plattenspieler tauschte er für seine erste Gitarre ein, obwohl er gar nicht spielen konnte und brachte sich drei Akkorde selbst bei. „Darauf beruhen die meisten Lieder, könnte ich euch stundenlang vorführen.“ Der junge Achim nutzte das Röhrenradio seiner Mutter als Verstärker für die erste E-Gitarre, und der jetzt 69-Jährige schwelgte in Erinnerungen an seine Star-Club-Zeit auf der Großen Freiheit.

Dann der Aufstieg mit den Rattles, eine England-Tour, bei der die Band mit dem meist weiblichen Publikum streckenweise überfordert war, und eine eigene Platte, die bei ihrer Rückkehr in den Clubs gespielt wurde. Erster Fernsehauftritt im Beatclub bei Uschi Nerke. Die Rattles als Vorgruppe der Beatles, und dann der Grundwehrdienst beim Bund. „Da hieß es erstmal Haare ab, die hat der Frisör dann in einem Magazin für 2 Mark pro Büschel verkauft“, sinnierte Reichel. Dazwischen erklangen immer wieder Lieder aus der damaligen Zeit: „Mary Ann“, „Come On And Sing“ und ein verrocktes „Rolling Home“.

Dann erfand Achim Reichel etwas ganz Neues und produzierte die „Grüne Reise“. „Die Scheibe kam in einem englischen Musikmagazin auf Platz 12 – bei den schlechtesten Alben.“ Nachdem Reichel geschichtlich mit der dritten Band baden gegangen war, holte er sich in der Jetzt-Zeit zwei Spitzenmusiker auf die Bühne. Der Holländer Barry Sarluis begleitete Reichel auf Akkordeon und Keyboard, während Larry Mathews aus Irland Fiddle und Bodhran spielte. Dann ging es Song auf Song. Mit den Volxliedern machte Achim Reichel alte Lyrik von Theodor Fontane, Johann Wolfgang von Goethe und Ringelnatz singbar. Spätestens bei seinem „geklauten Ringelnatz“, dem Song „Kuddeldaddeldu“, hatte er das Itzehoer Publikum dabei, denn einige Konzertbesucher fanden die Textpassagen mit den Erzählungen des Künstlers zu lang.

Der „Spieler“, „Fliegende Pferde“, „Sofie – mein Henkersmädel“, „Steaks und Bier und Zigaretten“, die großen Hits, die mit Reichel verbunden werden, versöhnten ob der interessanten, aber langen Lebensgeschichte. Blumenkränze flogen bei „Aloha Heja He“ auf die Bühne, und bei den Zugaben „Kreuzworträtsel“ und „Leben leben“ hielt es keinen mehr auf den Sitzen.

Die Prognose zu Beginn stimmte auch: Drei Stunden Achim Reichel, und es hätte noch weiter gehen können.

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