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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 11:15 Uhr

Bahn : Erinnerungen an die Lehre

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ehemalige Auszubildende treffen sich nach 40 Jahren wieder

Sie wirken auf dem Foto leicht rebellisch und haben fast alle lange Haare: Lehrlinge des Jahrganges 1974 beim Staatsunternehmen Deutsche Bahn in Glückstadt. Sie waren damals 16 und 17 Jahr alt und wollten Maschinenschlosser, Elektriker oder Dreher in der damaligen Ausbesserungswerkstätte werden.

„Nicht nur als Lokführer oder Berufsfeuerwehrmann musste man vorher einen technischen Beruf erlernen“, sagte Uwe Mühlenbruch, warum er die Lehre bei der Bahn begann. Die Ausbildung im Glückstädter Ausbesserungswerk hätte damals einen sehr guten Ruf gehabt, und Arbeit bei der Bahn bedeutete gleichzeitig auch sicherer Job.

Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert. Deshalb arbeiten heute auch nur noch sechs der damals 25 Lehrlinge bei der Deutschen Bahn. Zwei sind bereits verstorben. Alle anderen arbeiten in anderen Berufen. „Ich bin bei der Kernenergie gelandet“, erzählt Uwe Mühlenbruch.

Zusammen mit Uwe Kraus und Gerd Wiese hatte der Maschinenbautechniker das Ehemaligen-Treffen organisiert. Was nicht ganz einfach war. „Bernd Hansen haben wir über das DB-Intranet in Kiel aufgespürt“, erzählte Uwe Kraus. Am Ende waren es 18 Teilnehmer, die sich jetzt nach 40 Jahren zum ersten Mal wieder an der Stätte des früheren Lebens trafen. Mit gemischten Gefühlen. Das seinerzeit in Glückstadt hoch angesehene Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn AG gibt es schon lange nicht mehr. Eingezäunt sind Hallen und Gebäude zu Bauruinen verkommen. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie weit man das AW hat runterkommen lassen“, schüttelte Uwe Mühlenbruch den Kopf. Weil eine Betriebsbesichtigung nicht mehr in Frage kam, blieb es bei einem Erinnerungsfoto vor dem Werkstor. Das eigentliche Treffen fand privat in der Garage von Uwe Mühlenbruch statt. Und dort gab es viel zu erzählen.

„Unser Berufsschullehrer in allen Fächern war Hans Klei aus Glückstadt, und den 28-wöchigen Grundlehrgang haben wir noch in der alten Lehrwerkstatt absolviert“, erinnerte sich Gerd Wiese. Ein Lehrmeister sei der Wehrführer der damaligen Bahnfeuerwehr Günter Ernst gewesen.

Das spätere neue moderne Vorzeigelehrwerkstatt im rückwärtigen Geländeteil gab es damals noch nicht. „Heute ist das Ende der achtziger Jahre gebaute Gebäude schon wieder Vergangenheit und ich habe gehört, dass der Komplex mit den eingeschlagenen Fensterscheiben und aufgebrochenen Türen Obdachlosen als Quartier dienen soll“, berichtete einer der Teilnehmer.

Obwohl der Ausbildungsverlauf in der Regel dreieinhalb Jahre dauerte, beendeten Uwe Mühlenbruch und die meisten seines Jahrganges ihre Lehre vorzeitig und wurden von der Deutschen Bahn als Facharbeiter übernommen. Rückblickend waren sich alle Ehemaligen einig: Ihr Lehrgeselle Otto Gröbe war streng, aber gerecht. Trotzdem hätten sie so manchen jugendlichen Blödsinn vorgehabt. „Einmal hat Bernd Hansen eine leere Milchtüte mit einem Sauerstoff-Azetylen-Gemisch gefüllt und ins Schmiedefeuer geworden. Das hat dann richtig gerumst“, verriet ein Teilnehmer. Bei allen Ehemaligen ebenfalls unvergessen waren die für DB-Insider legendären Bildungsfahrten, wobei sich diese natürlich nicht nur auf die berufliche Weiterbildung der damals jungen Lehrlinge beschränkte.

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