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Gedenk-Tafel : Erinnerung an eine große Darstellerin

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine Stele erinnert vor dem theater itzehoe an die Schauspielerin Sabine Sinjen. Deren Familie ist begeistert vom Itzehoer Engagement.

von
erstellt am 19.Aug.2014 | 05:00 Uhr

Der Tag war mit Bedacht gewählt – genau wie der Ort: Gestern wäre Sabine Sinjen 72 Jahre alt geworden. Und gestern wurde vor dem theater itzehoe eine Stele zur Erinnerung an die Schauspielerin enthüllt. „Sabine Sinjen ist ein Kind dieser Stadt – auch wenn sie nur kurze Zeit hier gelebt hat“, betonte Theaterdirektorin Ulrike Schanko. „Und sie ist ein Kind des Theaters.“ Auch wenn beim Nennen ihres Namens wohl zuerst Filmtitel wie „Die Frühreifen“ , „Stefanie“, „Griseldis“, „Es“ oder „Mädchen in Uniform“ in den Sinn kämen.

Die gebürtige Itzehoerin drehte an der Seite von Romy Schneider, Lilli Palmer oder Marcel Marceau, arbeitete mit Regisseuren wie Ulrich Schamoni. Sie machte international von sich reden – und doch galt ihre Sehnsucht der Bühne. Statt für eine Karriere in Frankreich oder gar Hollywood entschied sich die „deutsche Romy Schneider“ für die Arbeit auf die Bühne, erst am Hamburger Thalia Theater, dann in Berlin.

Die Suche nach Wahrheit habe sie umtrieben, beschrieb Ulrike Schanko, der Wirklichkeit und der Seele des Menschen habe sie auf den Grund gehen wollen – ohne Schnitte, ohne Effekte. Und als leidenschaftliche Bühnenschauspielerin habe Sabine Sinjen auch ein großes Bewusstsein für Sprache gehabt. Die deutsche Sprache habe ihr ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Und sie habe sich nicht geschont. Egal, ob sie mit renommierten Regisseuren wie Boy Gobert oder Peter Zadek oder mit unbekannteren gearbeitet habe – „immer hat sie sich intensiv auf ihre Rollen vorberieten, hat sich in den Proben verausgabt“.

Wer mit solcher Leidenschaft seinen Beruf ausübe, werde von Krankheit doppelt hart getroffen. 1986 verlor Sabine Sinjen bei einer Tumoroperation ihr rechtes Auge. „Wie soll man mit einem halben Gesicht spielen?“, habe sie gefragt – aber den Kampf aufgenommen. Die Augenklappe verdeckte der üppige Pony. Denn: „Ein Leben ohne zu spielen, das ist für mich unvorstellbar.“

Im März 1994 stand sie zum letzten Mal auf der Bühne, am 18. Mai 1995 starb sie mit 52 Jahren in Berlin. „Aus dem Teenager-Star war eine der Großen des Charakterfachs geworden“, sagte Schanko. „Und weil ihr Herz der Bühne gehörte und sie eine große Darstellerpersönlichkeit war, ist die Gedenkstele für Sabine Sinjen hier am Theater ihrer Geburtsstadt genau am richtigen Ort.“

Das findet auch Bürgervorsteher Heinz Köhnke. Um so ein besonders Ereignis begehen zu können, brauche es die gute Idee, die Genehmigung und die finanziellen Mittel. Köhnke dankte allen Beteiligten – von Jutta Ohl und Marianne Wnuck vom Mädchen- und Frauenverein Donna Doria, die mit Martin Wnuck die Idee voran brachten, über den Ausschuss für städtisches Leben, der dem Plan zustimmte, Ulrike Schanko, die das Aufstellen vor dem Theater genehmigte, bis zu Tino Kolbe. Von dessen Firma Kolbe Natursteinwerk wurde die Stele angefertigt und aufgestellt. Aus gutem Grund: Sabine Sinjens Mutter war eine geborene Kolbe, die Schauspielerin seine Großcousine.

Viele wirkten an der Idee mit, machte Jutta Ohl deutlich: Von Julia Thomsen, Sabine Sinjens Schwester aus Tutzing, über Christa-Eva Stracke, der Leiterin des Sinjen-Fanclubs aus Unna, Hans-Peter Kruse aus München, der das Foto für die Gedenktafel geliefert hat, bis zur Itzehoerin Carmen Sellmer, die leidenschaftliche Sinjen-Sammlerin ist.

Ihm sei gar nicht bewusst gewesen, wie viele Menschen noch an seine Mutter denken, sagte Sabine Sinjens Sohn Dr. Simon Huber. „Es hat mich total gefreut. Ich bin begeistert von dem Engagement.“ Er habe eigentlich keinen Bezug mehr zu Itzehoe – umso schöner sei es, „bei so einem Ereignis einen Teil der Familie wieder zu treffen“.

Das fanden auch Hans-Peter Sinjen und Katrin Nissen. „Sabines Opa und unser Opa waren Brüder“, erklärte Hans-Peter Sinjen. Die Itzehoer Würdigung finde er „ganz toll“. Die Familie habe Simon zuletzt gesehen, als er sechs Jahre alt war. Deshalb freute sich auch Katrin Nissen sehr, ihn nun wieder zu treffen. „Einmalig“ sei es, was auf die Beine gestellt wurde, sagte sie. „Total nett.“ Und hoffentlich der Anstoß für viele weitere Familientreffen – das erste wurde bereits geplant.

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