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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 19:58 Uhr

Ergreifende Musik am Palmsonntag

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kantorei und Orchester St. Laurentii beeindrucken das Publikum in der Kirche mit Haydns „Stabat mater“

Auf den Palmsonntag, den Beginn der Karwoche, platziert St. Laurentii-Kantorin Dörthe Landmesser die Aufführung von Haydns „Stabat mater“. Am Palmsonntag gedenkt die christliche Gemeinde des Einzugs Jesu in Jerusalem. Dieser Sonntag leitet innerhalb der Passionszeit als so genannte „Stille Woche“ das Gedenken an die Leiden Jesu ein. Nach dem Höhepunkt der Stille, dem Karfreitag, folgt das Osterfest als Zeichen der Erlösung. In diesem frühen Werk geistlicher Musik Haydns kommt dieser Aspekt der Gleichzeitigkeit von Leiden und Erlösung besonders ausdrucksstark zum Tragen.

Das „Stabat mater“ gehört zu den uralten Sequenzen geistlicher Musik, die sich, angelehnt an das Johannes-Evangelium, dem sterbenden Jesus am Kreuz widmen. Seinen Titel erhält es von den lateinischen Eingangsversen, die die schmerzerfüllte und tränenüberströmte Mutter unter dem Kreuz beschreiben. Dieses Motiv wird in der Kunst vielfach aufgegriffen und mit verschiedenen Akzenten dargestellt. Allein in der Musik gibt es mehr als 600 Vertonungen, von denen in jüngerer Vergangenheit in Itzehoe und Umgebung die Werke von Rossini, Poulenc, Rheinberger und Willscher zu hören waren.

In diese Reihe ordnet sich die Haydn-Aufführung in St. Laurentii als eine hiesige Premiere ein. Dörthe Landmesser lässt Kantorei und Orchester dabei nicht nur die Qual des Sterbenden und den Leidensschmerz der Mutter hervorheben, sondern sie betont auch, vor allem in den rhythmisch leicht hin- und herschwingenden Passagen, die Lebenskraft, die aus der Hoffnung erwachsen kann.

Die Aspekte des Leidens spielen eher im ersten Teil eine Rolle und verteilen sich auf die Arien von Tenor (Stephan Zelck), Alt (Juliane Sandberger), Sopran (Frederike Schorling) und Bass (Rainer Mesecke). Insgesamt gelingen hier dem Solistenquartett Momente von klangschöner Innigkeit.

Im zweiten Teil spricht das christliche Ich die Heilige Mutter direkt an. Aus deren Schmerz im Angesicht ihres zu Tode gequälten Sohnes erwächst jene Hoffnung auf Erlösung, um die der Beter bittet. Musikalisch kulminiert das in der langen und schönen Koloratur des Tenors auf „gratia“ (Gnade) und in der eindringlichen Bitte des vierstimmigen Chores um den Eingang in das Paradies.

Dieser Schlusschor ergreift, weil die Kantorei, gut unterstützt vom Orchester (Konzertmeister: Ralf Kröger), mit aller Kraft, aber trotzdem auch in einer Haltung der Demut diese Bitte um die Gnade des Paradieses vorbringt. Nach Momenten der Stille, passend zur Karwoche, spendiert das Publikum in der relativ gut besuchten Kirche sehr viel Applaus.

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