zur Navigation springen

Berufsnachwuchs : Ergo-Praxis setzt Fachkraft aus Spanien ein

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rüdiger Klimas Weg gegen den Nachwuchsmangel auf dem therapeutischen Sektor. Brunsbütteler wirbt erfolgreich um qualifizierte Mitarbeiterin in Südeuropa.

Alle sprechen von dem Bemühen, den Arbeitsmarkt innerhalb der EU zusammenzuführen – in der Praxis aber gibt es immer noch Widerstände und Hindernisse. Diese Erfahrung musste auch Rüdiger Klima aus Brunsbüttel machen. Der 48-jährige Ergotherapeut betreibt gemeinsam mit seiner Frau Gabriele eine Praxis im Westküstenklinikum in Brunsbüttel, sowie zwei weitere ergotherapeutische Praxen in Marne und Itzehoe mit zusammen 26 meist weiblichen Therapeuten, darunter ausgebildete Logopäden, Ergotherapeuten und eine Psychologin. Ein großer Teil von ihnen ist schon seit zehn und mehr Jahren in der Praxis Klima tätig.

In der Vergangenheit haben Rüdiger und Gabriele Klima gute Erfahrungen mit Berufsanfängern gemacht, die mit dem Grundwissen der dreijährigen Fachschulausbildung in den drei Praxen erste praktische Erfahrungen sammelten und dabei auf die Erfordernisse vor Ort ausgerichtet wurden. „Früher hatten wir auf eine Stellenausschreibung bis zu 80 Bewerbungen“, erinnert sich Rüdiger Klima. Jetzt bricht der eigene Nachwuchs weg, weil Schulen wie in Itzehoe die Unterrichtung von Ergotherapeuten eingestellt haben. Unterrichtet wird nur noch in Flensburg, Neumünster und Lübeck. Zudem hat Rüdiger Klima die Erfahrung gemacht, dass sich junge Nachwuchskräfte zwar für ein Praktikum an der Westküste melden, sie diese Stelle dann aber lediglich als Sprungbrett für eine feste Anstellung in Hamburg nutzen. Jetzt meint er, in der Anwerbung einer spanischen Fachkraft die Lösung des Problems gefunden zu haben.

Über den spanischen Berufsverband in Madrid wurde die vakante Stelle in Brunsbüttel im Internet für spanische Bewerber geschaltet. „Als wir über das Wochenende über 80 Bewerbungen hatten, haben wir die Internet-Anzeige gestoppt“, zeigte sich Rüdiger Klima begeistert über den Erfolg. Mit der Bewerberin Amaya Fernandez aus Madrid, die als Tochter einer deutschen Mutter deren Sprache beherrscht, hat sich Rüdiger Klima zwischenzeitlich via Skype unterhalten. Am Wochenende kam die 33-Jährige erstmals nach Brunsbüttel, um bei einer einwöchigen Hospitation die örtliche Praxis kennenzulernen. Die junge Frau mit deutschem und spanischem Pass verfügt über eine fünfjährige Berufserfahrung sowie ein hohes Maß an fachlichen Kenntnissen. „Alles, was wir hier brauchen“, freut sich Rüdiger Klima auf die neue Mitarbeiterin. Auch das Praxisteam hatte sich vorab uneingeschränkt für die Einstellung einer spanischen Kollegin ausgesprochen.

Sie alle wissen, dass der Markt deutscher Ergotherapeuten so gut wie leergefegt ist. „Es gibt immer wieder Meldungen über Leute, die vom Arbeitsamt an uns verwiesen wurden, aber letztlich ist von diesen niemand hier aufgetaucht“, zeigt Rüdiger Klima das Problem auf. Umso weniger kann er Verständnis dafür aufbringen, dass der Beruf des Ergotherapeuten noch nicht zu den anerkannten „Engpassberufen“ zählt – obwohl gerade an der Westküste dieser Engpass immer wieder deutlich wird.

Eine weitere Hürde für die Beschäftigung der spanischen Mitarbeiterin ist die Anerkennung des dortigen Berufsabschlusses durch das Landesamt für Gesundheitsberufe. Dazu müssen die spanischen Zertifikate ins Deutsche umgeschrieben, geprüft und genehmigt werden. Dabei ist bekannt, dass die Ausbildung in Spanien umfassender als in Deutschland ist, weil dort seit Jahrzehnten ein universitärer Abschluss verlangt wird. „Da hinken wir in Deutschland hinterher“, stellt Klima fest. Weil die Anerkennung noch aussteht und damit auch die Kassenzulassung fehlt, kann Amaya Fernandez zunächst nur bei Privatpatienten eingesetzt werden – ein Problem, dass sich hoffentlich bald lösen lassen wird.

Die junge Spanierin hat sich bewusst um eine Stelle in Deutschland beworben, obwohl sie in Madrid nicht arbeitslos war. „Der Verdienst ist dort aber sehr schlecht“, so Amaya Fernandez. Außerdem ist es schier unmöglich, eine Vollzeitstelle zu bekommen. „Ich habe über die Woche in vier verschiedenen Praxen nur stundenweise gearbeitet, um über die Runden zu kommen“, erzählt die 33-Jährige.


zur Startseite

von
erstellt am 16.Okt.2013 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen