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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 06:13 Uhr

Vortrag : Erfüllt altern im eigenen Umfeld

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für ein „Erfülltes Leben im Alter“ braucht es einen Bürger-Profi-Mix, der die Betreuung leistet, meint Professor Dr. Dr. Klaus Dörner. Sein Vortrag in der Itzehoer St. Laurentii-Kirche stößt auf viel Anklang.

„Der Wunsch nach familiärer Zugehörigkeit ist bei fast allen Menschen vorhanden. Aber das können keine Profis leisten.“ Eine zentrale Rolle spielt daher aus Sicht von Professor Dr. Dr. Klaus Dörner der „dritte Sozialraum der Nachbarschaft“. Auf Einladung mehrerer regionaler Veranstalter sprach er in der gut besuchten St. Laurentii-Kirche über „Erfülltes Leben im Alter“. Dörner ist 80 Jahre alt, leistete als Psychiater Pionierarbeit für die Integration psychisch Kranker außerhalb von Kliniken und ist Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Im Ruhestand ab 1996 habe er versucht zu ruhen – und sei gescheitert. Da habe er sich auf die Suche nach „ambulanten Alternativen zum klassischen Altwerden begeben“, schilderte Dörner. Humorvoll beschrieb er Strategien auf unterschiedlichen Ebenen, die den Verbleib in der Wohnung oder im Viertel in sozialer Eingebundenheit bis zum Tod ermöglichen. Doch die Demenz nehme epidemisch zu: „Wir wachsen in eine Gesellschaft hinein mit dem größten Hilfebedarf der Menschheit.“ Genügend soziale Helfer werde es nicht geben: „Auch die stinknormalen Bürger werden künftig gefragt sein, um der Lage Herr zu werden“, betonte der Professor.

Ein Bürger-Profi-Mix sei das Gebot der Stunde. Bei Umfragen wünschten sich viele, arbeiten zu können, so lange sie lebten, aber ohne Zeitdruck. Deshalb sei Entschleunigung zu fordern. Sterben wollten die Menschen am liebsten zu Hause oder in ihrer Dorfgemeinschaft. Technisch sei das kein Problem, so der Professor. Doch für das Leben in der Gemeinschaft würden neue Bürgerhelfer gebraucht. Da die Familie künftig oft nicht mehr handlungsfähig sein werde, warb Dörner für das Prinzip der Wahlverwandtschaften – dabei aber dürfe man nicht zu viel und nicht zu wenig tun. Wichtige Ansprechpartner beim Bürger-Profi-Mix seien Bürgermeister, Pastor, Lehrer und auch der Hausarzt. Dörner hatte eine Reihe von Vorschlägen, wie einen gemeinsamen Mittagstisch, ambulante Wohngruppen oder einfach Zeit zu Gesprächen.

Zuhörer bewerteten seine Aussagen als sehr zukunftsorientiert, aber nicht alles werde zu verwirklichen sein, auch nicht bei Erreichen einer höheren Pflegestufe. „Professor Dörner gab ganz wichtige Impulse für die Stadt und das Umland“, meinte Emanuel Gaenslen, Leiter der Glückstädter Werkstätten. Er hoffe auf eine Begegnung mit den Kirchen und den kommunalen Verwaltungen.

„Hochspannend war es auf alle Fälle“, sagte Meike Moritz aus Edendorf. Es sei im Prinzip ein Hinführen auf die Urgemeinde. Diakonie und Gemeinde sollten mehr Hand in Hand gehen. Der Nachbarschaftsgedanke und das Wir-Gefühl hätten es ihr angetan: „Wenn so etwas aufgeweckt wird in unserer Gemeinde, bin ich dabei.“

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erstellt am 14.Feb.2014 | 11:45 Uhr

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