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Wirtschaft : Erfolg weltweit – ganz automatisch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

MUK ist ein „Hidden Champion“ – ein versteckter Schatz. Das Kiebitzreiher Unternehmen produziert Sondermaschinen nach Kundenwunsch.

Ein Gewerbegebiet, wie es mit der Zeit in vielen größeren Gemeinden am Ortsrand entstanden ist. Einfamilienhäuser auf der einen, Lackiercenter, Kfz-Werkstatt und andere Betriebe auf der anderen Seite. Am Sandkamp in Kiebitzreihe haben sich zahlreiche Betriebe niedergelassen – auch die Maschinenbau und Konstruktion GmbH, kurz MUK. Eine große, helle Front, eine Zufahrt auf das Firmengelände – was hinter der Fassade passiert, bleibt im Verborgenen.

Dabei ist gerade das, was bei MUK Elmshorn, wie sich der 1980 gegründete Betrieb trotz der Lage in Kiebitzreihe nennt, in den Werkhallen und Büros geschieht, äußerst interessant. Denn die rund 50 Mitarbeiter stehen im weltweiten Wettbewerb – und das in einem außerordentlich spezialisierten Markt, der ständigen Veränderungen unterworfen ist. Am Sandkamp werden Spezial- und Sondermaschinen konstruiert und gebaut. Die Kunden kommen aus Deutschland, Dänemark und der Schweiz, aber auch aus Japan, Australien und die USA – und heißen unter anderem Lever Fabergé, Kraft Foods, Nestlé, Osram und Airbus.

Neben Anlagen für die Palettiertechnik fertigt das Unternehmen auch Maschinen speziell nach Kundenwunsch an, die zum Teil auch später Unikate bleiben. „Gerade bei den Sondermaschinen ist unglaubliche Flexibilität gefragt“, erklärt Wolf Dietrich, einer von drei MUK-Geschäftsführern. Jede Woche, jeden Monat könne eine neue Anlage in der Halle stehen. Kaum etwas läuft nach immer dem selben Schema ab.

In der einen Woche beschäftigen sich die Mitarbeiter beispielsweise mit der Fertigung eines Prüfstands, auf dem die Hydraulikklappen für den Airbus A350 getestet werden. Wenige Tage später entwickeln die Ingenieure und Arbeiter einen Robotergreifer, der sowohl Zuckerpakete von einem Kilogramm als auch 50-Kilo-Säcke palettieren kann. Gerade befindet sich eine Anlage im Bau, die Paletten auch entpacken kann – „das hat es bisher so noch nicht gegeben“, sagt Dietrich.

Aber auch Maschinen zur Unterwasser-Entschärfung von Streubomben und eine Säge, die mit 20 000 Hüben im Ultrafrequenzbereich arbeitet, kommen aus Kiebitzreihe. Mit ihr können auch feinste Glasfaser oder Kohlefasergewebe exakt geschnitten werden, was unter anderem für Rotorblätter von Windenergieanlagen notwendig ist.

„Wir müssen in der Entwicklung ganz vorn mitmischen, und das in einem ganz engen Segment“, beschreibt Wilf Dietrich. Denn während früher nur ein Hersteller für die Fertigung einer bestimmte Maschine in Frage kam, habe man heute durch das Internet gleich vier oder fünf fast gleichwertige Mitbewerber.

Eine Nische hat MUK allerdings für sich besetzt: Die Firma stellt Röntgenprüfsysteme für Aluminiumfelgen her. „Das ist unsere Brot-und-Butter-Maschine.“ 60 Prozent aller Alufelgen weltweit werden in MUK-Anlagen überprüft. Und auch im Bereich Wellpappe ist die Maschinenbau und Konstruktion GmbH sehr aktiv. Auch, weil die Verpackungen heute immer ausgefallener werden und von gewöhnlichen Maschinen nicht mehr verarbeitet werden können.

Diese Vielseitigkeit hat dem Unternehmen aus Kiebitzreihe auch durch die jüngste Wirtschaftskrise geholfen. Während einige Kunden Einbußen von bis zu 90 Prozent erlitten hätten, habe es andere Aufträge gegeben, mit denen weiter Umsätze gemacht werden konnten – sechs bis zehn Millionen Euro im Jahr. Wobei die Bilanzen stark schwanken können, wie Wolf Dietrich unterstreicht. Jedes Projekt kann erneut ein großer Coup werden – oder ein Fiasko.

„Sie können mit einem vergeigten Projekt die Firma aufs Spiel setzen“, sagt der MUK-Geschäftsführer und erklärt damit auch ein Stück weit, warum das Unternehmen auf ein eher seltenes Beteiligungsprinzip setzt. Getragen wird die Firma von acht Haupt- und 28 stillen Gesellschaftern, von denen alle im Betrieb tätig sind. Das sorgt für besondere Motivation, weil alle direkt für „ihre Firma“ arbeiten. „Niemand würde das aufs Spiel setzen. Und alle setzen ihr volle Engagement für das Unternehmen ein.“ Scheidet ein Gesellschafter aus, werden die Anteile anderen Mitarbeitern angeboten – allerdings immer nur zum Nennwert. „Das verhindert, dass das Kapital in falsche Hände gerät“, erklärt Wolf Dietrich.

Die Zukunft hat der MUK-Geschäftsführer auch schon recht deutlich vor Augen. Besonders im Bereich der Robotertechnik werde sich einiges tun. Dabei gehe es immer mehr dahin, dass diese nicht mehr von Ingenieuren programmiert, sondern direkt von den Anwendern angelernt würden. Ein weites Betätigungsfeld, bei dem viel Engagement und kreative Iden gefragt sind – also genau richtig für MUK Elmshorn.

 

>Infos im Internet unter www.muk-elmshorn.de

 

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erstellt am 12.Sep.2014 | 12:30 Uhr

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