Landwirtschaft : Erdbeeren aus Kleve in aller Munde

Ralf Hadenfeldt (50) ist zufrieden mit der bisherigen Erdbeerernte.
Foto:
Ralf Hadenfeldt (50) ist zufrieden mit der bisherigen Erdbeerernte.

Familie Hadenfeldt stellte ihren landwirtschaftlichen Betrieb vor 50 Jahren um. 40 Verkaufsstellen werden regelmäßig beliefert

shz.de von
22. Juni 2014, 08:33 Uhr

Erdbeeren sind in diesen Wochen begehrte Früchte für den täglichen Nachtisch vieler Menschen. Für den Erdbeerhof Hadenfeldt in Kleve haben die roten Früchte zurzeit Hochkonjunktur. Vor 50 Jahren hat der jetzt von Gärtnermeister Ralf Hadenfeldt geführte Betrieb auf den Anbau von Erdbeeren umgestellt: Seit 1964, dem Geburtsjahr des jetzigen Firmeninhabers, sind Erdbeeren aus Kleve in aller Munde. Damals war es sein Vater Hans-Gustav Hadenfeldt, der die ersten Erdbeerpflanzen in nur wenigen Reihen in den Boden setzte.

Die Anbaufläche wurde schon in den 1980er Jahren auf 25 Hektar ausgeweitet. Zurzeit befinden sich zwölf Hektar Erdbeeren aus fünf verschiedenen Sorten im Anbau: die Frühsorten Honey und Daroyal, die mittlere Sorte Sonata und die Spätsorten Florence und Malwina. Mit ihnen werden gut 40 Verkaufsstellen beliefert. Zehn firmeneigene Verkaufsbuden entlang der Westküste von Büsum über Heide, Wesseln, Burg, Wilster und Itzehoe bis Horst bieten Tag für Tag frische Erdbeeren vom selben Tage an. Auf Hadenfeldts Erdbeeren schwören auch die Supermärkte von Frauen in Brunsbüttel, Itzehoe und Heide ebenso wie die Maron-Edekamärkte in Meldorf und Albersdorf.

Eine schlagkräftige Pflückkolonne von 20 überwiegend polnischen Arbeitskräften, von denen viele schon seit 20 und mehr Jahren jährlich zur Ernte nach Kleve kommen, wird schon frühmorgens um 4 Uhr mit zwei VW-Bussen auf die bei Huje gelegenen Erdbeerfelder gefahren. Für sie wurde ein kleines Wohncontainerdorf hinter dem Erdbeerhof angelegt mit großem Aufenthaltsraum und Grillplatz.

Bis zum Feierabend um 12 Uhr mittags ist der Tagesbedarf von 500 Stiegen mit je fünf Kilo Erdbeeren zusammengetragen. Schon um 6 Uhr verlassen die ersten Lieferfahrzeuge den Erdbeerhof „Achtern Barg“, um die Verkaufsstellen zu beliefern. Für die achtwöchige Erntezeit hat Ralf Hadenfeldt fünf Kleintransporter angemietet, deren Touren logistisch perfekt ausgearbeitet wurden. Danach stehen sie den ganzen Tag über bereit, um durch Nachlieferungen Engpässe in einzelnen Verkaufsstellen zu vermeiden. „Die Ernte eines Tages wird auch ausgeliefert“, versichert Ralf Hadenfeldt. So gibt es auf dem Hof kaum Lagerflächen und nur einen kleinen Kühlraum, um bei aktuellem Ausverkauf helfen zu können.

Wenn sich auch die Erdbeerernte auf acht Wochen im Juni und Juli beschränkt, so beschäftigen die süßen roten Früchte die Familie Hadenfeldt von Februar bis Oktober. So müssen schon im Februar die Vlies- und Folien-Verfrühungsflächen abgearbeitet und die Folien auf einer 300 Meter langen und zwölf Meter breiten Fläche mit kleinen Sandsäcken im Abstand von zwei Metern gegen Sturm und Wind gesichert werden. Auf diesen Flächen können schon im Mai die ersten frischen Erdbeeren geerntet werden. Die eigentliche Ernte begann in diesem Jahr bereits am 22. Mai – zwei Wochen früher als im Vorjahr.

„Erdbeeren sind empfindlich gegen Fruchtfolge und Schädlinge“, weiß der 50-jährige Gärtnermeister, der den Hof seiner Eltern im Jahr 1991 übernommen hat, aus langjähriger Erfahrung. So müssen die Anbaufelder spätestens nach drei Jahren aufgegeben und auf neue Pachtflächen verlagert werden, damit sich die alten Felder erholen können. „Eine ständige Rotation auf den Pachtflächen ist wichtig“, sagt Ralf Hadenfeldt.

Bei den Erdbeeren hilft nicht nur seine Frau Sandra, sondern wichtige Familienarbeitskräfte sind auch die drei 15, 17 und 20 Jahre alten Söhne Marc, Hendrik und Niklas. Auch Mutter Helga ist bei den Büroarbeiten eine wichtige Hilfe. „Die Ernte ist in diesem Jahr recht gut“, ist Ralf Hadenfeldt zufrieden. Durchschnittlich erwartet er in dieser Saison zwölf Tonnen pro Hektar, obwohl es in einer wichtigen Phase auch Frost und Hagel sowie eine Dürreperiode gegeben hat. Nach der Saison ist auch vor der Saison, ist eine alte Regel. So müssen die Anbauflächen schon im August durchgemulcht und Stroh eingefräst werden, damit der Boden und die Pflanzen die Wärme im Frühjahr besser aufnehmen kann. Schließlich werden 300 bis 400 Rundballen Stroh verteilt, damit einerseits die Erdbeeren sauber liegen und geschützt reifen können und andererseits das Pflücken erleichtert wird. Eine weitere wichtige Arbeit: alle Flächen müssen eingezäunt werden. „Dafür müssen wir jedes Jahr 1,5 Kilometer neue Zäune setzen“, erzählt Ralf Hadenfeldt.

Erdbeeren sind das hauptsächliche wirtschaftliche Standbein des Erdbeerhofs Hadenfeldt. Nach der Saison geht es weiter mit den Weihnachtsbäumen, die auf vier Hektar Eigenland gezüchtet werden. Pro Saison werden einschließlich Zukauf gut 2000 Weihnachtsbäume – ausnahmslos Nordmanntannen – abgesetzt. „Dann dauert es acht bis zwölf Jahre, bis die nächsten Bäume zwei Meter hoch und damit hiebreif sind“, erzählt Ralf Hadenfeldt. Seit vielen Jahren liefert er jedesmal die große Tanne, die in der Vorweihnachtszeit den Altarraum der St.-Bartholomäus-Kirche in Wilster ziert. Und nach einer kurzen Verschnaufpause geht es dann wieder in die Erdbeeren.


zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen