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Missbrauchsprozess : „Er nannte es seine Schweinereien“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Erst musste sie duschen, dann wurde sie missbraucht. Mehrfach soll ein 35-Jähriger seine 15-jährige Stieftochter vergewaltigt haben. Jetzt steht er vor Gericht.

Über zwei Jahre währte das Martyrium der 15-jährigen Schülerin. Der mutmaßliche Täter ist ihr Stiefvater. Er muss sich seit gestern vor dem Itzehoer Landgericht unter Vorsitz von Strafrichter Eberhard Hülsing verantworten. Vier kräftige Wärter führen den 35-Jährigen in Handschellen vor, zwei sitzen in Griffweite, tragen Handschuhe. Direkt anfassen will den Mann offenbar niemand.

Immer wieder zog die Familie um: Itzehoe, Lägerdorf, Gokels, Aukrug, Hennstedt, wieder Lägerdorf. Alle mussten nackt auf einem Matratzenlager schlafen. Während die Mutter (35) daneben lag, machte sich der Mann über ihre Tochter her. Die Mutter schaute weg. Sie wirkt verbraucht, hat rote Haare. Der Stiefvater ist ein schlanker, schlaff wirkender vollbärtiger Mann mit langen zotteligen Haaren. Das Opfer, ein tapferes, hübsches Mädchen, wirkt erwachsener und reifer als ihre Mutter. Sie ging aufs Gymnasium, doch der Angeklagte verbat ihr immer wieder den Schulbesuch. Es gab Wochen, da ließ er sie nur einen Tag zur Schule. Während die Mutter mit ihrer Schwiegermutter putzen ging, oder in der Pflege tätig war, machte sich zuhause der Angeklagte über die Tochter her.

Was die 15-Jährige vor Gericht schilderte, klingt unfassbar. „In Lägerdorf war es immer nur abends, in Aukrug morgens und abends.“ Zwei Meter seitlich von ihr starrt der Stiefvater desinteressiert ins Leere. „Er nannte es immer seine Schweinereien“, fährt sie fort. Wenn es zum Zähne putzen ging, wusste sie was kommt. „Jeden Abend musste ich mich unter die Dusche stellen, damit ich sauber für ihn bin“, berichtet das Mädchen. Die Mutter wusste davon, sah ihre Tochter mit ihrem Lebensgefährten duschen. Täglich musste das Mädchen den Stiefvater „massieren“.

„Jeder weiß was passiert, aber keiner sagt was“, bringt Richter Hülsing die Sache bei der Vernehmung des Bruders des Angeklagten auf den Punkt. Der 24-Jährige lebte von März 2010 bis Januar 2014 bei der Großfamilie. Drei Kinder brachte die 35-Jährige mit, zwei weitere bekam sie mit dem Angeklagten. Mit dem Bruder des Angeklagten hatte das Mädchen eine Beziehung, weshalb der Richter ihn vorab belehrte: „Ihre Sache lassen wir draußen vor, dafür haben wir ein extra Strafverfahren.“ Der 24-Jährige bestätigt die groteske Schlafsituation und die bekannten Taten. Von ihm wurde das Mädchen schwanger, sein Bruder sorgte für eine Totgeburt, boxte der 15-Jährigen täglich in den Bauch, nachdem er die Schwangerschaft bemerkt hatte. Er packt den toten Embryo in eine Kühltasche. Das Mädchen bittet die Mutter um Hilfe. Sie lässt ihr Kind im Stich, spricht vor Gericht von Prügel durch ihren Mann.

Einer Klassenkameradin hatte sie sich zuvor offenbart. Hülsing fragt nach der letzten Tat. „Am Abend bevor ich zur Polizei gegangen bin“, antwortet die 15-Jährige. Das war im Januar 2014. Am Ende ihrer Aussage blickt Sie ihren Peiniger an, sagt: „Ich finde, dass die Strafe, die er bekommen wird, viel zu mild ist. Bis heute sieht er es ja nicht ein. Er sagt nichts dazu.“ Dann weint sie wieder. Der Angeklagte sagt kein Wort. Der Prozess wird am 2. Oktober fortgesetzt.

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erstellt am 23.Sep.2014 | 04:56 Uhr

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