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Bundestagswahlen : Entspannter Abschied als Abgeordneter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rolf Koschorrek scheidet nach acht Jahren aus. Der Bad Bramstedter Zahnarzt war von seinen eigenen CDU-Parteifreunden nicht mehr aufgestellt worden. Persönlich zieht er eine positive Bilanz.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Mangelnde Präsenz im Wahlkreis, Tanz auf zu vielen anderen Hochzeiten: Zum Teil hinter vorgehaltener Hand hielten die eigenen Parteifreunde am Ende mit Kritik an Dr. Rolf Koschorrek nicht hinterm Berg. Acht Jahre lang hatte der Zahnarzt aus Bad Bramstedt seine Partei und den Wahlkreis Steinburg/Dithmarschen-Süd/Segeberg-West in Berlin vertreten. Auch wenn ihm die eigenen Leute letztlich einen Bewerber vor die Nase setzten: Der 57-Jährige nimmt das ganz entspannt, scheidet ohne Groll und zieht persönlich eine positive Bilanz. „Es war eine schöne Zeit“, bedauert er den Wechsel aus der Zahnarztpraxis in die große Politik nicht. „Ich habe in Berlin schnell meinen Claim abstecken können und bin mit dem besten Ergebnis in den Fraktionsvorstand gewählt worden.“

Und bei seinem politischen Schwerpunkt, der Gesundheitspolitik, habe er in diesen Jahren deutliche „Duftmarken setzen können“. Dass in dem Bundestagswahlkampf etwaige Finanzdefizite im Gesundheitswesen erstmals seit Jahrzehnten kein Thema gewesen seien, führt Koschorrek auch ein bisschen auf sein Wirken zurück. Die Aufhebung der Altersgrenze für niedergelassene Ärzte und eine bessere Finanzausstattung der Krankenhäuser („auch in Itzehoe“) sei zum Teil auch sein Verdienst. Sicher, so räumt er ein, hätte er gerne noch mehr geschafft. Zum Beispiel eine einheitliche Krankenhausfinanzierung, um den Betreibern endlich Planungs- und Investitionssicherheit zu geben.

Rolf Koschorrek nimmt zudem in Anspruch, vieles eher im Stillen und über eine gute Vernetzung erreicht zu haben. Die Zusammenarbeit mit der CDU-Landesgruppe sei super gewesen. Mehrgenerationenhäuser, Forschungsstandort Itzehoe und die neue Störbrücke der A 23 heftet er auch auf seine Fahnen. „Das alles wurde offenbar mehr vom Wahlkreis als von der Partei honoriert“, lässt der scheidende Abgeordnete doch leise Enttäuschung durchklingen. Sicher habe er nicht jede Einladung zu einem Grünkohlessen annehmen können und wollen. „Ich bin ja auch nicht für die Betreuung der Parteimitglieder gewählt worden, sondern um Politik für Deutschland zu machen.“ Und für eine Dauerpräsenz im Wahlkreis habe er die Arbeit in Berlin nicht hinten anstellen wollen. Natürlich hätte er auch gerne weitergemacht. „Aber die Steinburger wollten einen eigenen Kandidaten, und den haben sie auch bekommen.“

Was viele in seinem Wahlkreis zudem nicht mitbekommen hätten: Über längere Zeit sei er gesundheitlich sehr angeschlagen gewesen. Und: Nach gleich drei Anschlägen auf seine Person habe er sich schon gefragt: „Ist es das wert?“ 2010 war das Carport an seinem Privathaus in Flammen aufgegangen, 2012 wurde in Berlin gleich zweimal sein Auto demoliert.

Aus der Politik will sich Rolf Koschorrek aber nicht ganz verabschieden. Seinen Lebensmittelpunkt hat er ohnehin schon nach Berlin verlegt, sein Haus in Bad Bramstedt vor eineinhalb Jahren verkauft. Ein nahtloser Wechsel in die Rente scheidet aus. Als ehemaliger Abgeordneter bekommt er zwar bis zu acht Monate Übergangsgeld, reguläre Rente aber erst mit 65. „Vielleicht eine Aufgabe als Beauftragter oder Koordinator irgendwo im Gesundheitsbereich. Ich bin ja gut vernetzt.“ Er fügt hinzu: „Ich werde schon was finden, um meine Miete bezahlen zu können.“ Eine Rückkehr an den Zahnarztstuhl werde es aber nicht geben: „Wer will schon, dass ich nach sieben Jahren Pause an ihm übe.“

Gute Ratschläge an seinen Nachfolger im Wahlkreis und in der eigenen Partei hat Koschorrek nicht. Zu Mark Helfrich habe es keinerlei Kontakte gegeben. „Es ist ein Null-Verhältnis. Es hat sich einfach nicht ergeben.“ Aber auch das sieht der 57-Jährige sichtlich entspannt – genauso wie seine berufliche Zukunft.

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