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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 04:25 Uhr

Viele neue Fotos : Entlarvende Ausstellung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fotos, Zeitungsartikel und Filmbeiträge sollen Erwartungen und Realität vom Leben auf der Südseite Brunsbüttels nachzeichnen.

Zum fünften Mal seit 2003 lädt die Initiative Brunsbüttel-Süd (IBS) im April des kommenden Jahres zu einer Fotoausstellung in die Sporthalle des südlichen Stadtteils Brunsbüttel ein. Die Vorbereitungen hierfür laufen bereits auf Hochtouren. „Nichts ist langweiliger als stetige Wiederholungen, daher werden wir nicht nur neue Fotos ausstellen, sondern auch einige Änderungen an der Gestaltung der Veranstaltung vornehmen“, betont IBS-Vorsitzender Axel Wendt, der gemeinsam mit 15 Helfern die Veranstaltung konzeptioniert und vorbereitet.

„Ein Stadtteil im Wandel der Zeit“, steht als Leitgedanke hinter der Ausstellung, in deren Rahmen nicht nur lebendige Eindrücke aus der damaligen Zeit vermittelt, sondern die gesamte Entwicklung des Stadtteils mit einem kritischen Blick betrachtet, hinterfragt und diskutiert werden soll. „Unsere Recherchen gehen bis in die 60er Jahre zurück. Wir haben neben Fotos auch Zeitungsartikel und Filmbeiträge zusammengetragen, die unter anderen die damals getätigten Aussagen zur Stadtentwicklung dokumentieren. Diese werden wir in den direkten Vergleich zum heutigen Ist-Zustand stellen“, erläutert Axel Wendt.

Um den Besuchern den unmittelbaren Vergleich vor Augen führen zu können, wurden hierfür unter anderen zahlreiche Lichtbildwerke aus den Jahren um 1965 mit dem exakt selben Blickwinkel noch einmal neu aufgenommen. „Es waren teilweise bis zu 50 Aufnahmen nötig, um den genauen Blickwinkel herzustellen, aber Jan Sievers hat wirklich eine perfekte Arbeit abgeliefert“, zeigt sich Axel Wendt beeindruckt und gleichermaßen zuversichtlich, dass diese Aufnahmen viel Diskussionsstoff liefern werden. Insgesamt ist die rund 70 Mitglieder zählende IBS im Besitz von rund 50  000 Fotos, die alle sowohl das Leben auf der Südseite dokumentieren als auch die Entwicklung des umstrittenen, südlichen Teils der Schleusenstadt beschreiben.

Insbesondere Anfang der 1970er Jahre waren hier die Erwartungen bezüglich der Weiterentwicklung groß. Im Gefolge der großen Industrieansiedlung sollten über 10  000 neue Arbeitsplätze in der Schleusenstadt geschaffen werden. Mit Zulieferbetriebe sprach man gar von bis zu 20  000 neuen Stellen, die rund um Brunsbüttel entstehen sollten. In den politischen Gremien der damals 12  500 Einwohner zählenden Stadt wurde im Zuge der Industrieansiedelung mit einer Bevölkerungsverdopplung gerechnet. „Ich denke die Ausstellung wird sehr eindrucksvoll offenlegen, welche der zahlreichen Versprechungen sich erfüllt haben“, sagt Axel Wendt.

Die Idee für das Ausstellungsthema kam dem Verein bereits 2012 im Zuge der Veröffentlichung des von der Stadt Brunsbüttel in Auftrag gegebenen Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) in den Sinn. Anders als die Planer des Konzepts, hält die IBS daran fest, dass sich Wohnen und Industrie miteinander vereinbaren lassen und die „Gemengelage Süd“ alles andere als ein Auslaufmodell ist.

Die vor rund fünf Jahren veröffentliche Abfassung, die auf der Internetseite der Stadt immer noch öffentlich zugänglich ist, als auch die in dem Zusammenhang getätigten Aussagen des Bürgermeisters und einiger Kommunalpolitiker sorgen auch heute noch für Verärgerung unter vielen, der 1025 im südlichen Stadtteil lebenden Bürger. „Es gibt auch heute noch Menschen, die den Wunschvorstellungen und Versprechungen von damals hinterherrennen“, sagt Wendt. Sie fühlen sich in ihrer Meinung durch das ISEK bestätigt. Der Wunsch des IBS-Vorsitzenden ist es, dass gerade die Verfechter des ISEK die Ausstellung besuchen und ihre Einstellung dabei kritisch hinterfragen.

Doch nicht nur die Entwicklung des Stadtteils soll den Besuchern vor Augen geführt werden. Ein weiteres Ziel ist es, den Gästen den Blick für die Schönheiten und das Potenzial zu öffnen, die Brunsbüttel-Süd gerade als Wohngebiet zu bieten hat.

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