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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 01:17 Uhr

Spätherbst : Entdeckungsreise durch die Natur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Reife Früchte, bunte Blätter und Vögel, die sich winterfertig machen. Dr. Sybille Petersen zeigt ein spätherbstliche Phänomene in und um Glückstadt.

Bunte Blätter, saftige Früchte und die letzten warmen Sonnenstrahlen – auch im Spätherbst hält die Natur noch einige Überraschungen bereit. NABU-Vorsitzende Dr. Sybille Petersen zeigt, wo es in Glückstadt die kleinen und großen Geheimnisse der Natur zu entdecken gibt.

Einer ihrer persönlichen Lieblingsorte ist das Herrenfeld. Schon am Eingang des kleinen Reservats – seit Ende der 90-Jahre eine Ausgleichsfläche für den neu errichteten Deich – begrüßt den Besucher dieser Tage ein in gelb, grün und rot leuchtendes Ahorn. Schon von weitem kann er die Schreie der Enten und Gänse hören, die auf den Wiesen und Teichen des 27 Hektar großen Areals gerne Rast machen. „Das ist richtige Herbststimmung“, sagt Dr. Sybille Petersen, als sie am Beobachtungsstand, einer übermannshohen Holzwand mit kleinen Fensterluken steht.

Für Spaziergänger endet hier der Weg. Das Areal zu betreten ist verboten, wie ein Zaun deutlich anzeigt. „Nicht zuletzt wegen der Angus-Rinder, die gerne auch mal wütend werden, wenn man ihnen zu nahe kommt“, sagt Dr. Petersen. Sie sind ebenso wie die zahlreichen Wasservögel – Schwäne, Stockenten, Graureiher – vom Beobachtungspunkt aus sichtbar. Nur in der kalten Jahreszeit anzutreffen sind die Nonnengänse, die – ähnlich wie katholische Nonnen – einen schwarzen Schleier tragen, von dem sich ihr weißes Gesicht deutlich abhebt. Dieser Vogel brüte in arktischen Gebieten und komme zum Überwintern in das etwas mildere Mitteleuropa, weiß Dr. Petersen.

Die NABU-Vorsitzende empfiehlt, in den Nachmittagsstunden ins Herrenfeld zu gehen. „Dann steht die Sonne günstiger und man hat nicht so viel Gegenlicht“, erklärt sie. Wer Glück habe, könne zudem bei Einbruch der Dämmerung beobachten, wie sich die Vögel zur Nachtruhe auf dem Wasser sammeln. Zur Pflichtausrüstung gehöre natürlich ein Fernglas.

Da der NABU das Gelände pflegt und beaufsichtigt, ist Dr. Petersen der Zutritt gestattet. Und so kann sie auch im abgezäunten Bereich noch auf einige typische Erscheinungen des Herbstes aufmerksam machen. Sie weist auf die prall gefüllten Apfelbäume, die der ein oder andere auch in seinem Garten finden werde. Eine Ernte könne sich auch jetzt im Spätherbst noch lohnen. Ein Biss in die goldgelb glänzenden Früchte im Herrenfeld bestätigt das: Sie sind zuckersüß und saftig. Die Naturschützerin selbst bringt alljährlich ihre Äpfel auf einen Obsthof nach Neuendorf, wo sie zu Saft verarbeitet werden.

Im eigenen Garten finde man vielfach auch die Hagebutten, die sich im Herrenfeld rot schillernd unter den Bäumen verstecken. Die könne man gut zu Mus verarbeiten, dem sogenannten Hägenmark, sagt Dr. Petersen. Die Kerne im Inneren würden einen allerdings vor so manche Herausforderung stellen.

Direkt neben den Hagebutten stehen einige Kiefern, die voller Zapfen hängen. „Daraus kann man wunderbare Weihnachtsdekoration basteln“, weiß sie. Während die Zeit der Kastanien, Bucheckern und Eicheln, die ebenfalls gerne zum Basteln verwendet werden, bereits vorbei sei, gehe die Saison von Kiefernzapfen jetzt erst los. Zahlreiche Kiefern könnten Spaziergänger am Truppenübungsplatz in Nordoe finden.

Wer nicht die Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang bis ins Herrenfeld findet, der kann um diese Jahreszeit auch im Stadtpark noch Einiges entdecken. Besonders gefällt Dr. Sybille Petersen die Blätterpracht von Ahornbäumen und Platanen, die teilweise noch an den Ästen prangt und teilweise schon am Boden liegt und somit in der Herbstsonne von oben und unten bunt leuchtet. Während der Stadtpark von Ahornbäumen nur so voll ist, sind von den Platanen nur einige wenige Exemplare zu finden.

Die größte steht zwischen Itzehoer Straße und Eisenbahnausbesserungswerk. Von den Ahornblättern (siehe unser Foto in der Mitte) sind die Blätter der Platane kaum zu unterscheiden. „Wer genau hinschaut erkennt, dass sie etwas mehr Zacken haben, als die des Ahorn“, sagt Dr. Petersen. Wer farbige Blätter sammeln möchte, könne diese zwischen Löschpapiere legen und mit reichlich Gewicht beschweren. Die getrockneten Blätter machten sich gut in einem Album oder könnten als Schablone zum Ausmalen für Kinder dienen.

Wem selbst der Stadtpark zu weit weg ist, der könne auch mitten in der Stadt besondere Naturphänomene entdecken: So steht am Fleth – direkt gegenüber der Geschäftsstelle der Glückstädter Fortuna – ein hochgewachsener Nadelbaum, der dadurch auffällt, dass er im Gegensatz zu anderen Artgenossen langsam sein Kleid verliert. „Es handelt sich um eine Sumpfzypresse, die – genau wie die Lärche – im Winter ihre Nadeln abwirft“, so die Expertin.

Noch ist jedoch die Farbenpracht dieses Gewächses, wie auch von vielen anderen Bäumen, zu erkennen. Das warme Wetter sorgt dafür, dass sie in diesem Jahr etwas länger erhalten bleibt. Dr. Sybille Petersen: „Ich habe noch nie einen so milden Herbst erlebt.“ Man merke förmlich, dass die Natur in diesem Jahr verspätet in den Winterschlaf gehe. Ein deutliches Anzeichen: „In meinem Garten blühen im Moment die Forsythien. Das ist wirklich außergewöhnlich.“


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erstellt am 13.Nov.2014 | 12:31 Uhr

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