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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 12:24 Uhr

Itzehoe : Enkeltrick: Eine Flut von Anrufen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vermutlich hunderte Versuche, Rentnerinnen zu betrügen

Itzehoe | Es ist 10.20 Uhr, als das Telefon bei einer 82-jährigen Itzehoerin klingelt. Am Telefon: Der liebe Enkel aus Hamburg, der in Geldschwierigkeiten steckt. Die Anrufe kommen meist aus dem Ausland. In einem Hotelzimmer sitzt ein Täter und telefoniert nach Telefonbuch alle Elfriedes bis Ernas ab. Kommt dann ein ‚Ach du bist es!‘ aus dem Hörer zurück, setzt sich ein ganzes Betrugsnetzwerk in Bewegung – und die Falle schnappt zu.

Eine Anrufwelle mit der Enkel-Trick-Masche schwappte gestern über Itzehoe. Ermittler Jon Ehlert schätzt: „Man kann davon ausgehen, dass es hunderte Anrufe waren – das ist ein Massengeschäft.“

Eine genaue Zahl kann Ehlert nicht nennen. Die Dunkelziffer sei hoch, weil gerade alte Menschen lieber eine verlorene Geldsumme in Kauf nähmen, als zuzugeben, auf die Masche reingefallen zu sein. Die Furcht, in der Folge ins Altersheim zu müssen und die Eigenständigkeit zu verlieren, sei unter den Betroffenen groß, so Ehlert. Doch er betont: „Wir brauchen besonders Hinweise von Personen, die reingefallen sind.“

Schämen müssten sich Betroffene nicht. Zeigt sich ein Angerufener weich, gäben die Täter so schnell keine Ruhe. Auf einen Anruf folge der nächste. Der Druck werde dabei stetig erhöht. Der Klassiker sei: „Ich sitze gerade beim Notar und muss sofort eine Anzahlung leisten“, sagt Ehlert. In einem Fall sei es gestern um 25  000 Euro gegangen, um 8000 Euro in einem anderen Fall.

Die Täter arbeiten nicht allein. Sie sind in einem Netzwerk organisiert. Während das vermeintliche Enkelkind seine Notlage schildert, werde vor Ort bereits ein Abholteam in die Gegend gelotst. Meist rufe der „Verwandte“ in dieser Zeit in kurzen Zeitabständen mehrmals an, bis er oder sie die Rentnerin dazu überreden kann, zur Bank zu gehen – und das nicht nur, um Vertrauen aufzubauen, weiß der Ermittler. Denn ist die Leitung nur einmal besetzt, hören die Anrufe meist sofort auf. Die Täter prüfen, ob das Opfer sich in der Familie rückversichert oder gar die Polizei informiert. „Der Idealfall ist, sofort bei der Polizei anzurufen, und zwar mit dem Handy und nicht mit dem Festnetztelefon“, so der Polizeibeamte.

Die 81-jährige ließ sich nicht reinlegen. Ihre Enkel seien in der Schule, konterte sie. Er solle sich jemand anderen suchen, um an Geld zu kommen. Auch bei einer 80-Jährigen aus der Aaron-Rieder-Straße blieben die Trickbetrüger ohne Erfolg. Vermutlich hatten die Betrüger auch sonst kein Glück. Seien die Täter erst erfolgreich, hörten die Anrufe meist auf. Für den Moment ist der Polizeibeamte deshalb beruhigt. Nach einem Tag sei der Spuk meist vorbei. Nur selten übernachte der vermeintliche Enkel im Hotel, um am nächsten Tag in der gleichen Region anzurufen.

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erstellt am 21.Mär.2015 | 07:00 Uhr

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