zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

16. August 2017 | 22:04 Uhr

in Südafrika : Engagierte Hilfe im Township

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Itzehoer Gorm Lutz (20) ist für ein Jahr in einem Armenviertel bei Kapstadt aktiv: Arbeit mit Jugendlichen auch für ihn sehr wertvoll.

Ein Armenviertel in Kapstadt: Hier bietet Gorm Lutz in einem Gemeindezentrum Schülern der Umgebung nachmittags ein Freizeitprogramm an, um sie von der Straße zu holen. Seit einem Jahr engagiert sich der 20-Jährige aus Itzehoe als Freiwilliger in Südafrika.

„Ist das eigentlich schon Schwellen- oder immer noch Entwicklungsland?“ Beinahe nichts habe er über Afrika gewusst, sagt Gorm Lutz. Aber der Hunger habe ihn gepackt „nach dem Schatz, den kein Wissen zu vermitteln mag, dem Erlebten“. Die Chance bot sich im Weltwärts-Dienst, einem entwicklungspolitischen Freiwilligenprogramm der Bundesregierung, das junge Menschen über Nicht-Profit-Organisationen oder gemeinnützige Einrichtungen in Entwicklungsländer entsendet. Vom Zentrum für Mission und Ökumene aus Hamburg kam die Zusage und seit dem Spätsommer 2013 ist Lutz über die Organisation VoluNation in Lavender Hill, einem ehemaligen Township vor Kapstadt. Er arbeitet für ein Community-Center, das sich für eine engere Gemeinschaft und bessere Lebensumstände im Viertel einsetzt. Es kämpfe gegen die Armut, die hohe Arbeitslosigkeit, die vielen Krankheiten wie AIDS und Tuberkulose und besonders gegen die Gang-Kriege und die damit verbundene Drogen- und Waffenkriminalität, berichtet der Itzehoer.

Das Zentrum sei „eine Art Plattform für das Geben und Nehmen im gemeinschaftlichen Zusammenleben eines Viertels“ mit Gruppen zum Beispiel für Eltern, Arbeitslose, Homosexuelle oder chronisch Erkrankte. Schwerpunkt sei die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen inklusive Kindergarten und zahlreichen Programmen für ältere Heranwachsende. Auf den Straßen sind Jugendtrainer unterwegs, und auch Lutz arbeitet im Jugendbereich im Jugendbereich, im Nachmittagsprogramm, zusammen mit einer weiteren deutschen Freiwilligen und einer Frau aus dem Viertel. Die „Aftercare“ setzt ein, wenn die Kinder aus der Schule kommen, rund 35 Jungen und Mädchen zwischen 8 und 15 Jahren.

Geboten werden ein kleines Essen, Hilfe bei den Hausaufgaben, künstlerische Aktivitäten und Freiraum für Toben, Reden und Spaß haben, so Lutz. „Ganz besonders diese ‚Freeplay-Time‘ ist für viele der wichtigste Teil des Tages, denn bei schwierigen Familienverhältnissen und einem verschwindend geringen Einkommen ist es oft nicht so leicht, einfach nur Kind zu sein und seinen Gedanken und Ideen freien Lauf zu lassen.“ Oft fehle eine Bezugsperson, „wir sind manchmal Mentoren, Aufpasser, Therapeuten und Elternersatz zur gleichen Zeit“. Nicht selten wünsche er sich ärztliche oder psychologische Hilfe für einige der Kinder.

„Die Resonanz und das Ergebnis sind auf jeden Fall motivierend“, sagt der 20-Jährige. Für manche sei er nicht mehr „böser Aufpasser“, sondern Freund oder Vorbild. Auch wenn einige in wenigen Jahren wohl nach verfeindeten Gangstern Ausschau halten, sei er doch sicher, dass bei anderen der Samen gelegt sei für eine gute Entwicklung. Auch für ihn werde die Erfahrung wohl ein Leben lang präsent sein, meint Lutz: „So viel ich ihnen auch gegeben haben mag, ich denke, die Liste meiner Erkenntnisse und Lektionen ist mindestens genauso lang.“ Auch seine Sicht auf seine Heimat habe sich verändert: Er sei zufriedener mit dem deutschen System, manche Schwierigkeiten würden zu hoch bewertet.

Auch von Südafrika und dem Kontinent habe er ein neues Bild bekommen, sagt Lutz und gesteht „eine riesige Wissenslücke, eine große Blase voller Vorurteile, entstanden aus großer Angst heraus“. Er habe die Probleme gesehen, doch viele Zweifel seien gewichen. „Denn ich konnte sehen, wie einfach es ist, zu helfen. Wie einfach es ist, etwas Gutes zu tun und was es alles auslösen kann.“ Dazu, sagt der Itzehoer überzeugt, brauche es nicht immer einen solch großen Schritt wie seinen: „Es fängt in den kleinsten Dingen an.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 28.Aug.2014 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen