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Integration in Steinburg : Engagierte Helfer ohne Bleiberecht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Weil ihr Aufenthaltsstatus ungeklärt ist, unterstützen zwei armenische Asylbewerber derzeit die Kellinghusener Friedhofsgärtner.

In einer ökologischen Nische auf dem parkartig angelegten Nordfriedhof entsteht ein Insektenhotel. Aschot Mkrtschgan und Samvel Virabyan bereiten den Standort vor. Nach einigen kräftigen Spatenstichen wuchten sie die zweibeinige Holzkonstruktion an ihren Platz. Die beiden Männer tragen die gleiche Arbeitsbekleidung wie ihre Kollegen und erledigen zugeteilte Aufgaben ebenso gewissenhaft. Der Unterschied: Als Asylbewerber dürfen sie nur mit gemeinnützigen zusätzlichen Beschäftigungen betraut werden. „Sie machen das, was das Stammpersonal sonst nicht in diesem Umfang oder zu diesem Zeitpunkt hätte leisten können“, erklärt Peter Lipp von der Friedhofsverwaltung.

Mit der Beschäftigung von Flüchtlingen gehe die Kirche mit einem guten Beispiel voran, unterstreicht Kurt Nießner. „Wir sind die ersten, die Asylbewerber im öffentlichen Raum einstellen“, so der Vorsitzende des Bauausschusses im Kirchengemeinderat. Als dort die Entscheidung gefallen war, ging alles ganz schnell. Peter Lipp setzte sich mit Janine Stutz von der Amtsverwaltung in Verbindung. Als dritter im Bunde kam Adrian Unger hinzu. Der Integrationsbeauftragte im Amts Kellinghusen wusste sofort, wer für den Job infrage kommen würde. „Die beiden hatten schon häufiger nach einer Beschäftigung gefragt.“

Aufgefallen waren Mktschgan und Virabyan ihm außerdem durch ihre Hilfsbereitschaft bei allen anfallenden Arbeiten Flüchtlingsbereich. „Die Männer wollen nicht, dass ihnen zuhause die Decke auf den Kopf fällt“, sagt Unger. Als Armenier zählen sie zu den Asylbewerbern mit wenig Aussicht auf ein Bleiberecht und dürfen daher auch nicht an Sprachkursen teilnehmen. „Armenien gehört nicht zu den Kernländern mit guter Bleibeperspektive“, erklärt Unger. Aufgrund des Herkunftslandes werden sie auch nicht vom Jobcenter in die Arbeitswelt integriert.

„Unabhängig von ihrer Perspektive wollen wir diese Menschen aber trotzdem in der Gesellschaft beschäftigen“, unterstreicht der Leitende Verwaltungsbeamte Jürgen Rebien. Besonders Aschot Mkrtschgan hat durch die Mitgliedschaft seiner Ehefrau im Chor „Pro Gospel“ schon Berührungspunkte mit der Kirche. Sehnlicher Wunsch des voll ausgebildeten evangelischen Pastors ist, in der Nordfriedhof-Kapelle Gottesdienste für die rund zehn armenischen Familien im Amtsbereich abhalten zu dürfen. „Vielleicht wird daraus etwas“, sagt Kirchengemeinderatschef Günter König.

Gemeinsam mit dem gelernten Schuster Samvel Virabyam, der in Deutschland seine Ehefrau verlor, bestellt Mkrtschgan vorerst einmal die kirchengemeindlichen Gottesäcker. Peter Lipp weiß auf Anhieb eine ganze Reihe von Aufgaben aufzuzählen. Von der Erfassung von erhaltungswürdiger Gräbern, deren Wiederherstellung und Begrünung, über die Pflege von Kriegsdenkmälern, deren Unterhaltung ansonsten nicht mehr möglich wäre, bis hin zur Nutzung von vorhandenen Felssteinen zur Herstellung von ökologischen Bauwerken auf naturnahen Friedhofsflächen reichen die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Zur Vorbereitung darauf erhielten die Männer einige Unterrichtsstunden bei Lipp. Neben der Einweisung in die Handhabung unterschiedlicher Geräte lernten Mkrtschgan und Virabyam Pflanzen und Gehölze sowie deren Pflege kennen. „Jetzt ist eine Grundqualifizierung für Hilfstätigkeiten im Bereich und der Unterhaltung unserer Friedhöfe vorhanden“, sagt Lipp. Während ihrer Einstellungszeit von zunächst sechs Monaten dürfen die neuen Hilfskräfte maximal 19 Stunden wöchentlich arbeiten. Mit dem Entgelt von 80 Cent pro Stunde können sie keine großen Sprünge machen. Aber diese Mehraufwandsentschädigung sei vom Gesetzgeber auch nur als kleines Taschengeld gedacht, so Rebien.

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