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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 12:34 Uhr

Energie wird zum Luxusgut

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Immer mehr Stromkunden zahlen nicht: Stadtwerke Heide müssen jährlich 100 000 Euro als nicht eintreibbar abschreiben

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 16:22 Uhr

Mit der Energiewende steigen die Strompreise kontinuierlich an. Eine Situation, die Professor Dr. Hans-Jürgen Block ein Dorn im Auge ist. Diese Folgen sind aus seiner Sicht noch nicht in der Politik angekommen. An den Entscheidungen aus Berlin kann der Vorsitzende des „Schleswig-Holstein Energieeffizienz-Zentrum e.V.“ (SHeff-Z) in Neumünster nicht drehen. Er will jedoch die Menschen im Land zum Nachdenken über ihren Stromverbrauch motivieren und so zu einer Verhaltensänderung beitragen. Dafür nutzt Block zusammen mit der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) die landesweite Aktion „stromabwärts“, die ab Anfang des kommenden Jahres startet. Das Ziel ist, dass jeder Teilnehmer innerhalb eines Jahres zehn Prozent weniger Strom verbraucht und damit gleichzeitig 200 Kilogramm CO2 einspart. „Damit kann jeder das Jahr 2014 zum persönlichen Stromsparjahr machen“, sagte Block beim offiziellen Startschuss in Heide. Schirmherr der Aktion ist Klimaforscher Professor Dr. Mojib Latif vom Geomar.


Immer mehr können sich Strom nicht leisten


Mit im Boot sind 15 kommunale Stadtwerke – darunter auch der Energieversorger der Dithmarscher Kreisstadt. „Die herausragende Aufgabe Energiewende verbunden mit einem aktiven Klimaschutz kann nur dann bewältigt werden, wenn zukünftig die Bereiche Energieeinsparung und Effizienz-Steigerung weiter an Bedeutung gewinnen“, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Vergo. Die Kunden zum Einsparen von Strom zu bewegen, hört sich paradox an. Macht für die Stadtwerke aber Sinn. Denn immer mehr Menschen könnten die Stromkosten nicht mehr bezahlen, so Vergo. Rund eine Million Euro Außenstände schieben die Heider Stadtwerke kontinuierlich vor sich her. Schlimmer noch: Über 100 000 Euro würden jährlich verloren gehen, macht Vergo die Konsequenzen deutlich: Das Geld lässt sich nicht mehr eintreiben. „Das ist eine beängstigende Entwicklung.“

Eine Erfahrung, die auch Margrit Hintz, stellvertretende Geschäftsführerin der landesweiten Verbraucherzentrale, gesammelt hat. Viele Verbraucher würden sich angesichts der steigenden Strompreise hilflos fühlen. Seit der Liberalisierung sei dies ein Thema. Mit der Einführung des Erneuerbare Energien Gesetzes, das die privaten Verbraucher immer stärker belastet, seien die Stromkosten noch stärker präsentiert, so Margrit Hintz.

Die Teilnahme an der Aktion ist ganz einfach. Auf der Internetseite www.stromabwaerts.de wird am 1. Januar der Stand der Stromzähler eingetragen. Große Investitionen sind nicht notwendig. Über einfache auf der Seite erläuterte Maßnahmen wie eine komplette Umstellung auf LED-Leuchten und statt Stand-by lieber alle elektrischen Geräte auszuschalten, soll der Verbrauch purzeln. Interessenten, die damit nicht zurechtkommen, helfen die Stadtwerke. „Wir werden unsere Kunden immer wieder informieren, damit die Aktion nicht in Vergessenheit gerät“, kündigt Stadtwerkechef Vergo an.

Block hofft, auch in Dithmarschen viele Haushalte für diese Aktion zu motivieren. Als Anreiz erhalten die ersten hundert Teilnehmer den „Basis-Check“ der Verbraucherzentrale – eine Energieberatung im eigenen Haus. Und am Jahresende werden drei Gewinner ermittelt, die eine siebentägige Kreuzfahrt auf dem Rhein, eine Rafting-Tour oder ein Elektrofahrrad erhalten.

>Mehr Informationen über Energie-Effizienz auf unserer immer dienstags erscheinenden Seite „SHeff-Z“.


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