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Dank Wind, Sonne und Bio-Masse : Energie-Exporteur auch ohne Atom

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Netz AG erwartet bis 2020 im Kreis Steinburg einen Anstieg der Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energie von derzeit 320 auf dann 900 Megawatt. Auch Landrat Torsten Wendt will beim Energiesparen ganz vorne dabei sein.

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 12:15 Uhr

Während die Energiewende das Kernkraftwerk Brokdorf zu einem Auslaufmodell macht, setzen immer mehr Steinburger auf erneuerbare Energien. Schon heute könnte der Kreis Steinburg sich beim Strom auch ohne Kernenergie selbst versorgen – zumindest an stürmischen Sonnentagen. Laut Schleswig-Holstein Netz AG waren zuletzt kreisweit mehr als 1700 Kraftwerksanlagen aller Größenordnungen in Betrieb. Die angeschlossene Leistung der regenerativen Erzeugungsanlagen von Windrädern über Photovoltaik bis hin zu Biogas- und Deponiegas-Blockheizkraftwerken liege bei rund 320 Megawatt.

Netz AG-Vorstand Matthias Boxberger nennt Prognosen, nach denen schon in sechs bis sieben Jahren etwa 900 Megawatt Leistung installiert sind. Steinburg würde damit sogar zum großen Energie-Exporteur.

„Der Kreis zeichnet sich durch sein großes Ausbaupotential beim grünen Strom aus“, sagte Boxberger jüngst auch auf einer für die Steinburger Bürgermeister angebotenen Informationsveranstaltung der Netz AG in Schenefeld.

Nach Darstellung von Matthias Boxberger gebe es auch keinerlei Probleme, die neuen Strommengen ins Netz einzuspeisen. Ein Problem seien nach wie vor hingegen die großen Strom-Autobahnen. Alles hänge letztlich vom „Sprung über die Elbe“ ab, weist Boxberger auf die geplante Trasse von Wilster aus in Richtung Süddeutschland hin. Für Steinburg ist die regenerative Energie inzwischen auch zu einem großen Wirtschaftsfaktor geworden. Boxberger rechnet vor, dass die Netz AG zuletzt rund 50 Millionen Euro an Steinburger Stromerzeuger ausgezahlt habe. „Da bleibt viel Geld auch in der Region.“

Darüber freut sich letztlich auch Landrat Torsten Wendt. Er sieht seinen Kreis ohnehin in einer Art Vorbildfunktion. Erst kürzlich war mit Eon Hanse eine Vereinbarung über das Projekt „Energieeffizienter Kreis“ geschlossen worden. Im Kreishaus sitzt inzwischen eine Mitarbeiterin, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. Am Ende will Steinburg in Sachen Energieeffizienz bundesweit ganz oben auf dem Treppchen stehen. Auch bei der Einführung von Elektrofahrzeugen will Steinburg vorneweg marschieren, kündigte Landrat Wendt als weitere Zielsetzung an.

Wendt und Boxberger sehen die Zukunft auch in Steinburg im zunehmenden Ausbau dezentraler Energieversorgung. Hier liegt auch jetzt schon der Investitionsschwerpunkt der Netz AG. Boxberger erläuterte, dass vor allem in ländlichen Regionen immer mehr Erzeugungsanlagen auf der Basis regenerativer Energie entstehen. Dadurch verlagere sich die Aufgabe der regionalen Strommnetze von der Energieverteilung in Richtung Energie-Aufnahme. Das schlage sich schließlich auch in den Investitionen für Neu- und Ausbau vorhandener Umspannwerke und Stromnetze nieder.

Auf der Liste der Netz AG stehen 2,5 Millionen Euro für ein neues Umspannwerk in Oldenborstel, 270 000 Euro für die Verlegung von Erdkabeln und zwei neue Ortsnetzstationen im Bereich Dammfleth, 325 000 Euro für Erdkabel und fünf Netzstationen im Raum Brokdorf, 120 000 Euro für die Verkabelung und eine Ortsnetzstation in Stördorf, weitere 240 000 Euro für die Umlegung von Stromkabeln in Elskop und Agethorst. Insgesamt werden laut Netz AG im Kreisgebiet rund 17 Kilometer Freileitungen abgebaut. Der begonnene Rückbau soll auch 2014 fortgesetzt werden.

Daneben investiert die Netz AG auch in Neubau und Sanierung von Erdgasanlagen. Für 100 000 Euro gibt es eine neue Gasdruckregelstation in Horst, für 40 000 Euro wird eine Hochdruckleitung in Ottenbüttel umgelegt und 50 000 Euro fließen in Erdgasleitungen in Poyenberg. Unterm Strich investiert die Netz AG allein im Kreis Steinburg damit mehr als elf Millionen Euro.

Bleibt am Ende die Frage, wie der Normal-Haushalt mit explodierenden Stromkosten umgehen soll. Matthias Boxberger empfiehlt Verbrauchern, die „Stromrechnungen nicht mit Ärger, sondern mit Verstand zu lesen“. Dabei sollte man in aller Ruhe einmal zehn Minuten investieren, um sich in die Abrechnung zu vertiefen und dabei auch das eigene Verhalten zu hinterfragen. Elektrogeräte im Standby-Betrieb, nutzlos angeschlossene Ladegeräte oder auch Designerleuchten böten erstes Einsparpotential. Ganz am Ende könnte dann auch ein Energie-Coach nützliche Hinweise liefern.


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