METALTRAIN : Endstation WOA: Im Zug zum Festival

Von Stuttgart über Itzehoe nach Wacken: Mit dem Metaltrain sind Joel (vorne, 21) und seine Freunde  angereist.
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Von Stuttgart über Itzehoe nach Wacken: Mit dem Metaltrain sind Joel (vorne, 21) und seine Freunde angereist.

Der Metaltrain mit rund 800 Besuchern des Wacken-Open-Air ist am Itzehoer Bahnhof angekommen. Ein Zwischenfall sorgt für Verspätung.

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31. Juli 2014, 05:00 Uhr

Lauter als das Dröhnen der Diesellock und eindringlicher als das Quietschen der Bremsen war es aus dem Zug zu hören: „Wacköööön!“ Vorfreude aufs Festival und der Geruch von Bier lagen in der Luft, als rund 800 Festivalbesucher gestern Morgen mit dem Metaltrain am Itzehoer Bahnhof ankamen.

Am Dienstagabend um 20 Uhr war der Zug mit 18 Wagen in München gestartet und hatte nach 13 Stunden und sechs Zwischenstationen sein Ziel erreicht - mit mehr als 60 Minuten Verspätung, weil laut Bernd Schindler, Pressesprecher der Bundespolizei in Flensburg, unterwegs „ein paar Leute aus dem Zug entfernt werden mussten“. Weitere Zwischenfälle blieben aus. „Zu 99,9 Prozent ist immer alles friedlich“, erklärte Schindler. „Die Leute freuen sich aufs Festival“, die Stimmung sei entsprechend gut. Nett, freundlich und höflich, so kenne er die Metalheads.

Mit zwölf Kollegen waren Schindler und seine Kollegen gestern vor Ort, um die Sicherheit zu gewährleisten. Und um „alte Bekannte“ zu begrüßen: Einige junge Leute aus der Schweiz kämen immer wieder auf ihn zu, um ihm „mit dem iPhone Fotos aus dem letzten Jahr“ zu zeigen, so Schindler schmunzelnd. Neun der bisher 13 Metal-Trains hat er in Itzehoe in Empfang genommen. Dieser sei sein Letzter, bevor der Polizeibeamte im März in den Ruhestand geht. Ein Schauspiel sei es immer wieder.

Bevor der auberginefarbene, etwas in die Jahre gekommene Metaltrain einfuhr, standen Karl-Georg (19) und sein Vater Nils in der Bahnhofshalle parat, in der Hand ein Pappschild mit einem Namen. „Wir holen einen Freund aus den USA ab“, erklärte Karl-Georg. Über Twitter sei der Kontakt zustande gekommen, live hätten sie sich noch nie gesehen – deshalb auch das Schild. Sean (40) komme aus Oregon, sei Schriftsteller. Zombie-Bücher seien sein Metier. Mit dem Vater als Chauffeur ging es für beide direkt weiter nach Wacken, für Karl-Georg zum ersten Mal mit Übernachtung auf dem Campground. „Das richtige Wacken-Erlebnis“ erhoffe er sich.

Und während sie dort warteten, waren Marek (39) und Magdalena (23) auf der Suche nach dem richtigen Weg. Aus Polen waren sie zum ersten Mal nach Wacken aufgebrochen. Ob kein Zug in den Festivalort weiterfahre, wollten sie wissen – und mussten sich dann umorientieren. Hilfe fanden sie unweit des Bahnhofs: Alexander (23) und Florian (24) besetzten als „erster Ansprechpartner direkt vom Festival“ einen Infostand, wo Besucher noch bis heute Mittag alles Wissenswerte erfragen können. Direkt daneben ein Stand des Busunternehmens. „Der Ablauf ist jetzt besser organisiert“, lobte Alexander. Es seien immer genug Shuttle-Busse da, mit denen die Festivalbesucher beliebig oft zwischen Itzehoe und Wacken pendeln können.

So auch, als der Metaltrain auf Gleis 5 stoppte. Doch großes Laufen und Drängeln blieben aus: In aller Ruhe luden die Reisenden ihr oftmals recht umfangreiches Gepäck aus, schlenderten damit in Richtung Ausgang und nahmen selbst den defekten Aufzug und die gesperrten Toiletten gelassen hin. So auch Joel (21) aus Stuttgart, der mit elf Freunden in dem Zug unterwegs war. „Super!“, urteilte Stefan (50) bei der Ankunft. Alles sei perfekt organisiert gewesen. Zum ersten Mal war er mit dem Metaltrain unterwegs und zum ersten Mal auf dem Weg nach Wacken – „mit Fünfzig!“, betonte er. Einziges Manko: „Das Bier ist ausgegangen“, schilderte Alex (35). Die letzte Stunde hätten sie alle auf dem Trockenen gesessen. Doch sie nahmen es mit Humor, als sie ihre überdimensionale Kühlbox aus dem Zug hievten und den Pavillon auf die Schultern schwangen.

„Geil“ fand Adrian (20) aus Konstanz seine zweite Fahrt mit dem Partyzug, der selbstverständlich auch die richtige Musik an Bord hatte. Nun gehe es erstmal weiter nach Wacken: „Zelt aufbauen, Bändle holen und dann mal schauen.“

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