zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 11:51 Uhr

Ende einer Ära im Schulzentrum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach 43 Jahren geht Schulsekretärin Magdalene Martens in den Ruhestand

Taktvoll und loyal, korrekt und wendig, außerordentlich tatkräftig, ausdauernd und flexibel im Umgang. Unterm Strich eine geachtete und anerkannte Persönlichkeit. Diese Eigenschaften von Magdalene Martens dürften wohl ganze Generationen von Lehrern und auch Schülern unterschreiben können. Das Lob stammt aus der Feder von Gerhard Sakowski, der ihr bei dessen Abschied als Rektor im Jahre 1984 ein Zeugnis schrieb. Da war Magdalene Martens schon zwölf Jahre lang seine rechte Hand im Schulsekretariat. 31 Jahre später geht die heute 65-Jährige selbst in den Ruhestand. Leicht fällt ihr das nicht, wie im Gespräch mit unserer Zeitung immer wieder durchklingt. Immerhin geht nicht nur für die Gemeinschaftsschule, sondern auch für sie persönlich eine Ära zu Ende.

Eigentlich, so blickt Magdalene Martens auf eine lange berufliche Laufbahn zurück, wollte sie Sozialarbeiterin werden. „Aber dann hätte ich erst wieder studieren müssen.“ Immerhin: Ihre ersten beruflichen Sporen verdiente sie sich im Jugendamt bei der Kreisverwaltung in Itzehoe. „Diese Zeit hat mich schon ein bisschen geprägt.“ Ganz weg von Sozialarbeit bewegte sie sich dann nicht, als sie sich 1972 für die Position der Schulsekretärin in der damaligen Hauptschule in Wilster bewarb. Das Vorstellungsgespräch fand kurioserweise beim Stadtbaumeister statt. „Ich war damals gerade mal fünf Jahre älter als der älteste Schüler“, erinnert sie sich. Und Schüler gab es nicht wenige. Die Klassenstärke lag zeitweise bei 40 Jungen und Mädchen, in Spitzenjahren unterrichtete die Hauptschule 560 Schüler. Wie unterscheiden sich die Schüler damals und heute? Magdalene Martens denkt einen Augenblick nach – und kann dann eigentlich gar keine so großen Unterschiede ausmachen. „Meckern tun sie während ihrer Schulzeit ja alle. Aber hinterher fanden sie es dann doch gut.“ Insgesamt sei es früher aber ein bisschen ruhiger zugegangen. Beste Kontakte pflegte sie Zeit ihres Berufsleben zu den Lehrkräften. Kein Wunder: Ehemann Hans-Peter war selbst Lehrer an der Hauptschule. Das Ehepaar ist mit vielen Pädagogen befreundet. Einen bemerkenswerten Unterschied im Lehrkörper gibt es allerdings: Als Magdalene Martens startete, saßen im Lehrerzimmer nur zwei Frauen. Die Schulen heute sind zumeist fest in weiblicher Hand. „Deshalb freue ich mich auch ein bisschen, dass ich zum Ende mit Marlis Krumm-Voeltz noch einmal eine Frau als Chefin bekommen habe.“

Gewandelt hat sich in all den Jahren natürlich auch ihr Berufsbild. Zu Beginn war die Wilsteranerin noch stark in die Unterrichtsvorbereitungen eingebunden, viel als Schreibkraft gefordert. Und den Spiritus-Geruch von den zu tausenden mit dem Matritzendrucker produzierten Papieren und Unterrichtsmaterialien hat sie noch immer in der Nase. Immer war sie auch ein bisschen der Kummerkasten – für Lehrer und für Schüler. Obwohl sich auch das in den 43 Jahren bei den heute stark veränderten Schulstrukturen gewandelt habe. Geblieben ist bis heute aber ihre Mittlerfunktion zwischen den Kollegen und der Schulleitung. Lediglich die Einführung digitaler Arbeitsgeräte im Schulsekretariat, so bekennt sie, sei ihr ein bisschen schwer gefallen. „Das wollte ich nicht so gerne, musste aber. Man musste dann eben mit den Neuerungen mitwachsen.

Bis zuletzt ist sie natürlich erste Anlaufstelle, wenn die Kinder und Jugendlichen ein Anliegen haben. Da wird zwischendurch auch mal ein Pflaster über eine Schramme geklebt. „Irgendjemand muss da ja helfen.“ Und auf ihre Schüler lässt sie ohnehin nichts kommen. „Die haben alle so unterschiedliche Begabungen. Die meisten sind sehr liebenswert.“ Sie fügt lächelnd hinzu: „Manchmal sind sie auch so doof wie wir alle.“

43 Jahre lang ging Magdalene Martens in der Schule ein und aus. Kommenden Freitag hat sie mit Beginn der Weihnachtsferien ihren letzten Arbeitstag. „Das fällt schon schwer. Die Schule war ja immer Bestandteil meines Lebens. Und das wandelt sich jetzt total.“

Ganz los lassen muss sie vom Thema Schule auch noch nicht. Mit ihrem Ehemann engagiert sie sich in der Flüchtlingshilfe, er gibt den Neuankömmlingen Unterricht. Und eines ihrer beiden Kinder ist Lehrerin geworden. Nach den Ferien wird sie ohnehin noch einige Male in die Schule kommen – um ihre Nachfolgerin einzuarbeiten. Die Wewelsfletherin Eva Adebahr hat die heiß begehrte Stelle bekommen. Die 42-Jährige, zuletzt Assistentin der Geschäftsleitung beim Itzehoer High Tech-Unternehmen Vishay, war aus fast 70 Bewerbungen ausgewählt worden. Magdalene Martens will sich ansonsten mehr um ihre Kinder und Enkel kümmern. Öfter als bisher wird man sie wohl auch beim Laufen rund um Kasenort sehen. Und im April geht es mit ehemaligen Klassenkameraden nach Rom. Da wird dann sicher auch von alten Schulzeiten erzählt.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen