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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 22:08 Uhr

Feuerwehr Itzehoe : Ende einer Ära

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Abschied nach 21 Jahren: Zum Jahreswechsel übergibt Peter Happe die Leitung der Freiwillige Feuerwehr Itzehoe an Mark Bollhardt.

von
erstellt am 29.Dez.2015 | 19:36 Uhr

Ob er sich freut, dass Schluss ist? Die Antwort ist ein echter Peter Happe: „Nöö!!“ Offen, ehrlich, spontan und gerade heraus, so hat er 21 Jahre lang die Freiwillige Feuerwehr Itzehoe geleitet. Zum Jahreswechsel übergibt der 65-Jährige den Posten des Wehrführers an Mark Bollhardt (48).

Nach dem neuen Brandschutzgesetz hätte Happe bis zum Alter von 67 Jahren noch weitermachen können. Aber jetzt passte der Wechsel: Als Assistenten wurden Bollhardt und sein 2. Stellvertreter Ralf Köhn (54) in den vergangenen drei Jahren aufgebaut, „nun haben sie beide Ja gesagt“, so Happe. „Ein Volltreffer.“ Köhn wollte wegen seiner Tätigkeit im Kundendienst als Techniker im Brandschutz nie Wehrführer werden, Bollhardt kann die Aufgabe mit dem Beruf als Fuhrpark-Leiter der Stadtwerke Steinburg kombinieren. Für sechs Jahre ist er gewählt, der Job sei interessant, sagt der künftige Feuerwehr-Chef. Zwischendurch sei er trotzdem skeptisch geworden angesichts des Ärgers, der damit verbunden sein könne.

Es war „ein Haufen“, wie Happe sagt. Aber: „Das verblasst schneller als die positiven Sachen.“ Oder es dreht sich ins Positive. Zum Beispiel die immer wiederkehrenden Diskussionen mit der Politik über geplante Anschaffungen: Die Feuerwehr spürte echtes Misstrauen, das gipfelte darin, dass ein Büro einen Feuerwehr-Bedarfsplan entwickelte. Und siehe da: „Es sind Sachen dabei herausgekommen, das hätten wir uns im Traum nicht einfallen lassen, das einzufordern“, sagt Happe.

Ausstattung, Fahrzeuge, die neue Wache in Wellenkamp, deren Bau er bis zur Einweihung im kommenden Jahr begleitet, schließlich die geplante neue Hauptwache – es wird viel investiert für die Wehr. Auf dem Weg dahin wurde es aber in der Vergangenheit auch schon einmal laut, gibt Happe zu. „Das ist meiner Spontaneität geschuldet.“ In vernünftigen Gesprächen hinterher seien dann die negativen zu positiven Erlebnissen geworden.

Mark Bollhardt weiß schon jetzt: „Da muss ich noch ruhiger werden. Ich kann meinen Mund auch nicht halten.“ Als beruhigende Kraft weiter an seiner Seite hat er Happes bisherigen Stellvertreter Achim Netzow: Die ehrenamtlichen Politiker seien eben nicht die Fachleute, sagt der 53-jährige Kirchenkreis-Mitarbeiter, betont aber auch: Nirgendwo würden Beschaffungen kritischer beleuchtet als im Vorstand der Wehr. Diese kennt die Kassenlage der Stadt, wird aber weiter nach Happes Vorbild selbstbewusst für ihre Belange eintreten, wie Ralf Köhn betont: „Wir sind die Guten. Wir sind die freiwilligen Feuerwehrleute.“

Modern und einsatztaktisch gut aufgestellt solle die Truppe sein, so wie es bislang auch Happes Ziel gewesen sei, sagt Bollhardt: „Ich übernehme die Wehr in einem sehr guten Zustand.“ Das zieht auch neue Brandschützer an, die Zahl der Mitglieder ist von deutlich unter 100 vor acht Jahren auf 120 gestiegen. Diesen positiven Trend – entgegen der Entwicklung auf Landes- und Bundesebene – gelte es zu erhalten, sagt Netzow. Das größte Projekt wird die Planung der neuen Wache an der Kastanienallee: Bollhardt hofft auf einen Baubeginn im Jahr 2017. Doch auch in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres ist mit Ball, Jahresversammlung und Happes Verabschiedung viel los, doch die Kollegen werden helfen: Das Führungstrio ist seit Jahrzehnten dabei, kennt und schätzt sich – „das ist der Grundstein, das wird klappen“. Die Arbeit ist aufgeteilt worden und außerdem: „Peter ist ja nicht weg.“

Zwar wartet die Ehrenabteilung schon auf Happe als Vorsitzenden, doch zunächst geht er in die Reserve, will sich zudem bei der Einsatz-Dokumentation einbringen. Vorstandsämter in Kreis und Land wird er nach und nach abgeben, das Aufräumen läuft längst: „Die Ordner werden langsam leerer.“ Wichtiges kommt in einen neuen Ordner. Was nur vorsichtshalber aufbewahrt wurde, wie die dicken Anweisungen zur Vogelgrippe, landet im Schredder.

Die Erinnerungen bleiben. „Die schlimmste Entscheidung, die ich überhaupt treffen musste“, war es, im Dezember 2006 die Versuche aufzugeben, den verunglückten Taucher Kai Böge im Meldorfer Hafen zu retten. Doch selbst daraus zieht der scheidende Wehrführer etwas Positives – zum Beispiel die sehr gute Versorgung für die Hinterbliebenen. Auf der anderen Seite stehen „die vielen, vielen Einsätze, wo man Leib und Leben retten konnte“. Kinder aus einem brennenden Haus zu holen, habe nichts mit Heldentum zu tun. Aber es ist die entscheidende Bestätigung: „Alles richtig gemacht. Nichts war umsonst.“


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