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Bildungspolitik : Eltern und Gemeinden machen mobil

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schulweg in Richtung Itzehoe ist für die Krempermarsch eine Zumutung. ÖPNV-Zweckverband sind die Hände gebunden. Und der Schulträger macht sich rar.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2014 | 07:16 Uhr

Eltern und Bürgermeister in der Krempermarsch schlagen Alarm: Weil der Schulweg künftig nicht mehr nach Krempe, sondern nach Itzehoe führt, drohen vielen Kindern kilometerlange Fußmärsche zur nächsten Bushaltestelle. Abgesehen von der zeitlichen Belastung: Vor allem die Landesstraße 120 ist mangels Rad- und Fußweg höchst gefährlich – und außerdem in einem katastrophalen Zustand. Bahrenfleths Bürgermeister Harm Früchtenicht hält derart lange Schulwege auch wegen des heutigen Straßenverkehrs für unverantwortlich: „Früher sind wir auch viele Kilometer zu unserer Schule gelaufen. Aber die beiden Autofahrer, die uns da begegneten, kannten uns ja.“

Gemeinsam mit den Nachbarbürgermeistern Peter Mohr (Borsfleth), Jürgen Schröder (Neuenbrook) und Sven Baumann (Kremperheide) traf Früchtenicht sich jetzt zur Krisensitzung mit den Vertretern des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr Rainer Naudiet (Vorsteher) sowie Martin Scholz und Malte Gerlach (ÖPNV-Kompetenzzentrum). Eigentlich zuständig für den Schülertransport nach Itzehoe ist aber die Kreisstadt als Schulträger. Aus Itzehoe ließ sich bei dem Treffen im Neuenkirchener Gemeindehaus aber ebenso wenig jemand blicken, wie vom Schulamt des Kreises. „Das ist schon sehr enttäuschend“, meinte Früchtenicht. Umso mehr Eltern waren gekommen.

Zuvor hatte Harm Früchtenicht die zur Diskussion stehenden Strecken noch mit einem Kleinbus abgefahren und dabei auch gleich einen Verbesserungsvorschlag präsentiert: Statt einer Endstation in Neuenkirchen könnte der Bus einen Schlenker über Klein Wisch und den so genannten Peter-Brandt-Weg machen. Möglich sei auch ein Abstecher nach Neuenbrook-West. „Das wäre eine Mehrstrecke von 1200 Metern“, rechnete er vor.

Die Vertreter des ÖPNV-Zweckverbandes zeigten sich aufgeschlossen, verwiesen aber zugleich auf die Zuständigkeiten. So müsse der Schulträger, also je nach Schule die Stadt Itzehoe oder der Kreis Steinburg, den Schülertransport sicherstellen. Und dort orientiere man sich an der Schülerbeförderungssatzung, die wiederum der Kreistag verabschiedet habe. Ansonsten gelte beim Zweckverband die Philosophie, dass man die starken Linien gut bedienen wolle. Mit anderen Worten: links und rechts davon wird die Anbindung eben immer schlechter.

Mit dem Früchtenicht-Schlenker mochte sich ÖPNV-Experte Martin Scholz auch nicht recht anfreunden. Jeder noch so kleine Umweg „haut uns alle Fahrpläne kaputt“, machte er deutlich, dass an den Einsatzzeiten der Busse auch wegen vieler Anschlussfahrten kaum gerüttelt werden könne. Insbesondere bei der Linie 9 seien zudem alle Möglichkeiten schon ausgereizt. Auch sei die vorgeschlagene Strecke für die mit Kindern bis zu 22 Tonen schweren Busse kaum zu befahren. Scholz präsentierte dem Bürgermeister dann noch eine eigene Rechnung: nicht 1200, sondern 1700 Meter Umweg gebe es. Dort soll jetzt noch einmal nachgemessen werden.

Ansonsten kamen die Verbandsvertreter nicht mit leeren Händen. Weil die Busverbindung nach Krempe in der bisherigen Form nicht mehr gebraucht werde, so Scholz, gebe es kostenneutrale Spielräume, die für eine bessere Anbindung von Neuenkirchen genutzt werden sollen. Rainer Naudiet versprach zudem: „Der Verband hilft gern. Am Ende geht es aber immer ums Geld.“ Er befürchtet ohnehin, dass die Krempermarsch mit ihren Problem bald nicht mehr allein steht: „Es wird weitere Schulschließungen geben. Vielleicht nicht die Grundschulen. Aber am Ende bleiben drei oder vier Gemeinschaftsschulen übrig.“

Allein in der Gemeinde Bahrenfleth geht es aktuell um 37 Schulkinder ab der 5. Klasse. Hinzu kommen Kinder aus Nachbargemeinden. Früchtenicht: „Es geht aber hier nicht um die Masse, sondern um jedes einzelne Kind.“ Und nicht nur um die Kinder. Der Bürgermeister und Amtsvorsteher verweist auf eine immer älter werdende Bevölkerung. „Sollen Oma und Opa dann dreieinhalb Kilometer zur nächsten Bushaltestelle laufen?“

Wenn es nur um die Entfernung geht, sind zumindest die Schulkinder fein raus, die in der dunklen Jahreszeit – je nach Alter – mehr als zwei oder vier Kilometer von der Haltestelle entfernt leben. Dann muss die Schule im Zweifel ein Taxi schicken. Es sei denn, auch dort wird mit unterschiedlichen Maßbändern gemessen. Früchtenicht und seine Mitstreiter wollen bei dem Thema am Ball bleiben: „Es kann doch auch nicht sein, dass den Letzten die Hunde beißen.“

 

 

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