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Mobilität der Zukunft : Elektro-Autos: Kein Boom in Sicht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bisher nur wenige E-Fahrzeuge und Ladestationen in Steinburg / Händler erwarten vorerst keine Trendwende durch Kaufprämie

von
erstellt am 01.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Sektkorken knallten keine in Itzehoes Autohäusern, als diese Woche bekannt wurde, dass die Bundesregierung die Einführung einer Kaufprämie für Elektrofahrzeuge ab dem kommenden Monat beschlossen hat. Zwar wird die Prämie als Schritt in die richtige Richtung gelobt, aber der Marktanteil der E-Autos ist bisher unbedeutend: Gerade einmal 35 der 94  000 Autos im Kreis fahren aktuell ausschließlich mit Strom. Etwas verbreiteter sind Hybrid-Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor. Doch auch ihr Anteil liegt im Promillebereich. Zwar haben die Hersteller inzwischen eine Vielzahl von Modellen auf den Markt gebracht, aber bis die E-Autos auf Steinburger Straßen weit verbreitet sind, wird noch einige Zeit vergehen, so der Tenor unter den Autoexperten. Einen ähnlichen Effekt wie bei die Abwrackprämie 2009 erwartet in Itzehoe wohl niemand.

Das Interesse der Kunden sei zwar durchaus vorhanden, aber Nachteile bei der Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge hätten bisher noch viele Käufer abgeschreckt, sagt Thomas Düde, Elektroexperte im Verkaufsteam beim VW- und Audi-Händler Eskildsen. Die Einführung der Prämie werde aber sicher wieder mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Elektromobilität lenken.

„Der Preis ist da nicht das wichtigste Argument“, erklärt Michael Höhn, Niederlassungsleiter des Nissan-Händlers C. Thomsen in Itzehoe. „Sie brauchen bestimmte Voraussetzungen, um ein heutiges Elektro-Auto optimal nutzen zu können. Eine Ladestation zuhause und ein Streckenprofil, das zu den Reichweite-Eigenschaften des E-Autos passt, sollten vorhanden sein.“ Bisher seien Elektrofahrzeuge an Privatleute daher eher als Zweit- oder sogar Drittfahrzeuge verkauft worden, berichtet Thomas Schrenk, Verkaufsleiter im Itzehoer BMW-Autohaus May und Olde.

Schrenk erwartet allerdings einen Schub bei der Nachfrage „auf überschaubarem Niveau“. Die Prämie sei ja bereits länger im Gespräch gewesen. „Einige Kunden haben da sicher abgewartet.“ Mehr zusätzliche Verkäufe erwartet er aber eher durch die Markteinführung einer neuen Generation von leistungsfähigeren Akkus bei BMW im Sommer. „Das ist vermutlich wichtiger als der Preis.“ Ohnehin sei aus seiner Sicht die ebenfalls ab Mai geplante Prämie für Hybrid-Modelle bedeutender. „Das ist für mich die optimale Brückentechnologie für die nächsten Jahre.“ Denn für den massenhaften Absatz von reinen Elektro-Autos fehle noch das flächendeckende Netz von leistungsfähigen und einfach zu nutzenden Ladestationen – nicht nur in Itzehoe. Das sieht auch Ilka Eskildsen-Strohbecke so: „Das ist das große Problem der Elektro-Autos. Da muss sich noch viel tun.“

Zwei Ladestationen gibt es laut einem internationalen Verzeichnis der Stromtankstellen auf der Internetseite www.lemnet.org bisher erst in Itzehoe, fünf im gesamten Kreis. Daran soll sich nach Plänen der Kreisverwaltung aber bald etwas ändern. Gemeinsam mit den Nachbarkreisen Pinneberg, Dithmarschen und Nordfriesland wurde eine Machbarkeitsstudie zur Errichtung von Schnellladesäulen erstellt, die Autofahrer in 20 bis 30 Minuten mit einer ordentlichen Portion Strom versorgen können. Denn an einer gewöhnlichen Steckdose dauert das Laden von Autobatterien bis zu zehn Stunden. Neun sinnvolle Standorte wurden in der Studie ermittelt. Auf dieser Grundlage werden nun Gespräche mit potentiellen Betreibern geführt. Bis 2020 sollen die Stromtankstellen in Betrieb sein.

Die Autohäuser in der Region wollen sich an dieser Entwicklung beteiligen. „Wir sind im Gespräch mit den Stadtwerken darüber, ob wir eine Stromtankstelle einrichten“, sagt Ilka Eskildsen-Strohbecke. Bei May und Olde wurde eine elektrische Zapfsäule in die aktuell laufenden Erweiterungsbauten auf dem Firmengelände eingeplant. Schon jetzt gibt es eine Ladestation, die aber nur von bei BMW angemeldeten Kunden genutzt werden kann. Nissan plant konzernweit alle Autohäuser in der näheren Zukunft mit einer Ladestation auszustatten, so Michael Höhn.

Denn in der Erwartung, dass E-Mobilität zukünftig eine große Rolle spielen wird, sind sich die Händler einig – auch wenn der große Durchbruch vielleicht noch einige Jahre auf sich warten lässt. „Wichtig dürfte die zukünftige Entwicklung der Spritpreise sein“, sagt Thomas Düde. „Sollten sie wieder steigen, wird die Frage nach alternativen Antrieben wieder deutlich an Bedeutung gewinnen.“

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