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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 20:13 Uhr

Elbtunnel: Zwei Kläger machen mobil

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fährbetrieb Glückstadt-Wischhafen und Gemeinde Kollmar ziehen vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig

von
erstellt am 03.Mär.2015 | 14:50 Uhr

Wird der Elbtunnel bei Glückstadt gebaut? Klar ist, dass zumindest eine Firma und eine Gemeinde vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen den geplanten Bau klagen werden. Zum einen der Fährbetrieb Glückstadt-Wischhafen und zum anderen die Gemeinde Kollmar. Auch weitere Kläger könnten noch den Klageweg beschreiten.

Über den möglichen Bau können sich Bürger zurzeit im Glückstädter Rathaus informieren, dort liegt der 500-seitige Planfestellungsbeschluss zum Bau des Elbtunnel im Zuge der A 20 aus. Zudem stehen dort zahlreiche Aktenordner mit weiteren Inhalten zum Bau. Interessant sind die Unterlagen auch für die Bewohner der Christian-IV-Straße in Glückstadt. Die Anlieger der Bundesstraße mitten in der Stadt fürchten den Baustellenverkehr. Denn möglich ist, dass im Minutentakt über zirka zwei Jahre Lastwagen durch die Straße fahren. Sie transportieren dann den Aushub für den Elbtunnels ab. Von diesem Baustellenverkehr wären neben Glückstadt auch die Gemeinden Blomesche Wildnis, Krempdorf und auf der anderen Seite Kollmar, Neuendorf und Elmshorn betroffen.

Naturschützerin Dr. Sybille Petersen hat bereits vor zwei Jahren auf diesen Baustellenverkehr hingewiesen. Und die Glückstädterin hat bereits gelesen, was dazu ab Seite 175 im Planfeststellungsbeschluss steht. „Hierin erklärt die zuständige Behörde, dass der Abtransport des Tunnelaushubs durch die Gemeinden wegen akuter Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung unzumutbar ist und nicht wie vom Vorhabenträger geplant durchgeführt werden kann. Was aber misstrauisch stimmen muss, ist die Tatsache, dass keine konkreten, wirklich umsetzbaren Vorschläge gemacht werden, wie der Abtransport zu bewältigen ist.“ Darüber solle erst im Vergabeverfahren entschieden werden. „Es ist zu befürchten, dass vorgegangen wird wie ursprünglich geplant, falls sich keine praktikable Lösung findet“, sagt Petersen.

Das Problem des Baustellenverkehrs wird auch in Krempdorf diskutiert. Doch die Gemeinde will nicht vor Gericht ziehen. „Wir sind nicht an vorderster Front dabei“, sagt Bürgermeisterin Dörte Harms. Die Gemeinde werde nicht klagen, das wäre zu teuer. Insgesamt sagt sie zu den Pläne zum geplanten Baustellenverkehr : „Das ist so etwas von unüberlegt.“ Jahrelange würde es Tag und Nacht eine ständige Gefährdung für die Bürger geben – mit viel Lärm und Staub. Zuerst müsse eine Trasse von der Baustelle zur jetzigen A23 gebaut werden, wie es die ursprüngliche Planung vorsah.

„Wir klagen“, sagt hingegen Kollmars Bürgermeister Dr. Klaus Kruse. Der Baustellenverkehr ist für die Gemeinde allerdings nur ein Aspekt unter mehreren. Viel wichtiger ist für Kollmar die Forderung, dass die örtliche Wehr zuständig sein soll für den Elbetunnel, wenn dieser fertig gebaut ist. „Bei 200 bis 300 Einsätzen im Jahr ist dies für unsere Freiwillige Feuerwehr nicht leistbar“, sagt Dr. Kruse.

Hildegard Both-Walberg, Geschäftsführerin der Elbfähre, sagt klar: „Wir arbeiten an einer Klage.“ Auch ihr Unternehmen wird, wie die Gemeinde Kollmar, durch Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Mecklenburg vertreten. „Wir müssen klagen“, sagt Hildegard Both-Walberg. „Das sind wir unseren 50 Mitarbeitern schuldig.“ Werde der Elbtunnel bei Glückstadt gebaut, „dann gibt es uns nicht mehr“. Die Geschäftsführerin ist überzeugt davon, dass eine östliche Querung bei Hamburg sehr viel sinnvoller sei als ein Elbetunnel bei Glückstadt. „Für den Großteil des Verkehrs, der bei einer Fehmarn-Belt-Querung dann fließen wird, wäre der Weg über Lauenburg naheliegender. Dort muss kein Tunnel gebaut werden.“

Sollte es bei Hamburg eine Querung geben, dann wäre es sinnvoll, den Fährverkehr Glückstadt-Wischhafen auszubauen. Dazu müsste der Fähranleger auf niedersächsischer Seite an das Fahrwasser an die Elbe verlegt werden. „Dadurch würden wir zehn Minuten Fahrzeit sparen“, erklärt sie. Jetzt fährt eine Fähre auf einer Strecke von Glückstadt nach Wischhafen zwischen 25 und 30 Minuten. „Das Problem ist die Einfahrt in Wischhafen.“ Denn bei Niedrigwasser muss immer eine Fähre auf der Elbe warten, um hineinzufahren. Gibt es einen neuen Fähranleger, könnten Fähren angeschafft werden, die nicht mehr drehen müssten – auch das spare Zeit. „Schon Anfang der 90er Jahre habe ich dazu ein Konzept vorgelegt“, erklärt Hildegard Both-Walberg. 100 000 Lastwagen sind im vergangenen Jahr mit der Fähre gefahren und rund 450 000 Autos. Dass der Fährbetrieb trotz Elbetunnel weiter existieren kann, verneint die Geschäftsführerin. „Dafür sind die Unterhaltungskosten zu hoch.“

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