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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 22:14 Uhr

Autobahn 20 : Elbtunnel: Feuerwehren überfordert

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Gutachten verlangt für die Brandbekämpfung stationäres Löschsystem / Einsatzkräfte wären zu spät am Unfallort

von
erstellt am 25.Mär.2015 | 17:59 Uhr

Für die Gefahrenabwehr im geplanten Elbtunnel im Zuge der Autobahn 20 reicht nicht einmal eine Werksfeuerwehr aus – zu diesem Schluss kommen drei Gutachter, auf deren Papier der kürzlich vorgelegte Planfeststellungsbeschluss fußt. Die hauptamtlichen Kräfte würden im Katastrophenfall nicht rechtzeitig vor Ort sein. Fazit des Gutachtens, das unserer Zeitung vorliegt: Die Einrichtung einer Werksfeuerwehr wird nicht empfohlen.

Im Planfeststellungsbeschluss ist von einer überforderten Werksfeuerwehr jedoch keine Rede mehr, dort ist lediglich noch die daraus resultierende Empfehlung zu lesen. Und wird diese umgesetzt, sind die ehrenamtlichen Feuerwehren für den Brandschutz zuständig. Da diese damit jedoch völlig überfordert wären, haben sowohl die Gemeinde Kollmar als auch der Kreis Steinburg gegen den Planfestellungsbeschluss der A 20 Klage eingereicht (wir berichteten). Sie fordern zumindest eine Werksfeuerwehr für den Brandschutz im Tunnel. Diese Meinung vertritt auch die Stadt Glückstadt. Sie verzichtet aber auf eine Klage.

Der geplante Tunnel hat eine Länge von 5670 Metern. Laut Gutachter würde eine Berufsfeuerwehr zwölf Minuten brauchen, um zum Brand zu kommen und erst nach 16 Minuten den Brand bekämpfen können. „Zeitkritisch ist die lange Fahrzeit im Tunnel, die sich aus der großen Tunnellänge und der begrenzten Fahrgeschwindigkeit ergibt“, heißt es im 62-Seiten-Gutachten. Denn bei fliehenden Menschen dürfe nur Tempo 30 gefahren werden. Eine Freiwillige Feuerwehr sei erst nach 24 Minuten vor Ort.

Laut Statistik gehen die Gutachter von einem Pkw-Brand pro Jahr aus. Der Zeitraum zwischen schweren Lkw-Bränden liege bei 25 Jahren. „Legt man die Statistik des Elbtunnels mit vergleichbarem Höhenprofil zugrunde, so sind es pro Jahr etwa acht Brände, darunter drei Lkw-Brände“, heißt es.

Aufgrund der kritischen Lage unter der Elbe könne es sein, dass „insbesondere Lkw-Brände in ihrem Ausmaß nicht beherrscht“ werden können. Weil die Brände auf Autos überspringen können, wird davon ausgegangen, dass ein Brand eine Stunde dauern kann. Kleiner Brände werden hingegen als unkritisch angesehen.

Für die Brandbekämpfung sollten deshalb zusätzliche technische Systeme wie ein stationäres Löschsystem eingerichtet werden, empfehlen die Gutachter. Diese werden zwar im Papier erläutert, doch geplant sind sie bisher nicht.

Die Brandbekämpfung sollte den umliegenden Freiwilligen Feuerwehren übertragen werden – zu ihnen zählt auch Glückstadt. Gleichzeitig ist aber auch die Rede von hauptamtlichen Einsatzkräften, die in Glückstadt stationiert sein sollten. Empfohlen wird, die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Feuerwehrleute technisch besser auszustatten und entsprechend auszubilden.

Wobei die Gutachter schreiben, dass bei Bränden die Feuerwehrleute aus Niedersachsen wohl „die Hauptlast tragen“ müssten. Dort gäbe es eine bessere Infrastruktur und die Feuerwehrleute seien schneller vor Ort.

Untersucht wurden auch Szenarien, in denen Menschen nach einem Unfall eingeklemmt sind. Um Verletzte schnell transportieren zu können, werden an beiden Portalen der Tunneleinfahrten Hubschrauberlandeplätze empfohlen.

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