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Vortrag in Itzehoe : Elbquerung – ein Muss für die Region

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Staatssekretär Dr. Frank Nägele spricht im Stadtforum über Probleme und Ziele bei der Anbindung Itzehoes. Einem verkürzten Sonntagsfahrverbot für Lkw erteilt er eine Absage.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Die Region – abgehängt durch Dauerstau auf Autobahnen und mangelnde Bahnanbindung? Mit dieser Frage beschäftigte sich Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Kieler Wirtschaftsministerium, im Hotel Mercure. Auf Einladung des Vereins „Wir für Itzehoe“ referierte Nägele beim Stadtforum über die Anbindung von Stadt und Region. „Wir haben den Lokalbezug diesmal etwas großräumiger gefasst. Wir sind ein Teil der Westküste und müssen regional denken“, erklärte „Wir für Itzehoe“-Vorsitzender Helmut Seifert gegenüber unserer Zeitung. Das spiegelte sich auch im Publikum, wo unter anderem auch Vertreter des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste sowie Gäste aus Dithmarschen saßen.

Der Staatssekretär bewies lokale Kenntnis und ging zunächst auf die aktuellen Problemfälle Itzehoes ein: Auf dem Prinovis-Gelände dürfe es keine zweite Alsen-Brache geben, betonte er. „Wir haben hochqualifizierte Fachkräfte hier. Entscheidender als alles andere ist es, dieses Gelände weiter zu beleben.“ Und Prokon sei zwar nicht mehr das Unternehmen, das es gab, „aber wir wollen auch nichts auf Null stellen“. Der Insolvenzverwalter arbeite verantwortungsvoll im Interesse der Stadt, um Teile Prokons in eine gute Zukunft zu führen.

Die Zukunft liege im High-Tech-Bereich. Aber: „Wie kommt High-Tech nach Itzehoe?“ Eine Möglichkeit sei die Verbesserung der Infrastruktur wie etwa beim vierstreifigen Neubau der Störbrücke. Doch das Problem beginne schon an der A7 mit dem täglichen Rückstau, sagte Nägele. Deshalb sei das Ziel: „Wir müssen Verlässlichkeit und Schnelligkeit organisieren.“ Das sei nicht nur für die Unternehmen wichtig, sondern auch für die Menschen, die dort leben und arbeiten, vor allem Pendler. Man müsse Fachkräften Anreize bieten, in der Region zu bleiben, betonte Nägele und verwies auch auf die Initiative störauf als ein Beispiel für Stadtentwicklung.

Für die Logistikbranche sei langfristig die Elbquerung mit der A20 das Wichtigste, um eine Anbindung von Itzehoe nach Süden zu erhalten, betonte Nägele. Weitere Aufgabe sei es, die Baustellen so zu organisieren, dass sie weniger anfällig sind. Mehr Sicherheit und Verlässlichkeit soll durch Echtzeitinformation mit einer „A7-App“ organisiert werden. Mit dem Bau des „Hamburg-Deckels“ und der Sanierung der Brücken gebe es erst einmal Belastungen auf der Straße, war er sich bewusst. „Deshalb mein Appell, für verlässliche Verbindungen nach Süden auch an öffentliche Verkehrsmittel zu denken.“

Wirtschaftspolitisch wolle man das, was stark ist, stützen. So seien im Zuge der Energiewende alternative Energien das „Gold der Küste“. Mit dem „ITI“-Programm („Integrierte Territoriale Investition“) gingen 30 Millionen Euro an die Westküste. „Wir wollen das mit dem Tourismus koppeln und von Glückstadt bis Sylt Urlauber klug vernetzen.“

Aus den Reihen der Zuhörer gab es auch kritische Töne. So fasste ein Logistik-Unternehmer die Probleme seiner Branche zusammen: „Uns werden immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Wir können nicht ewig warten und müssen vielleicht demnächst die Arbeit in Schleswig-Holstein einstellen.“ Dem Vorschlag von Martin Kayenburg, das Sonntagsfahrverbot für Lkw gemeinsam mit Hamburg um zwei Stunden früher enden zu lassen, erteilte Nägele eine Absage. „Dann droht Staugefahr durch die Ausflugsverkehre des Wochenendes und es wird Druck auf Niedersachsen ausgeübt.“

Die Zuhörer gaben Nägele schließlich den Wunsch mit auf den Weg, „nicht so viel Geld auszugeben für Gutachten und Machbarkeitsstudien, sondern für konkrete Projekte!“

Der Abend habe unterstrichen, dass das Thema Infrastruktur und insbesondere die Elbquerung für die Stadt wichtige Themen seien, betonte Helmut Seifert. Wenn ein ortsansässiger Logistik-Unternehmer laut über einen Standortwechsel nachdenke, müsse das ein Alarmzeichen sein. Auch mit Blick auf den Fachkräftemangel sowie eine künftige Nutzung des Prinovis-Geländes führe kein Weg an dem Thema vorbei: „Egal, was auf das Gelände kommt – die Ware muss von dort auch irgendwie weg.“ Und das werde wohl durch Lkw passieren. Seiferts Fazit: „Wir brauchen die Elbquerung lieber heute als morgen.“ Er habe Nägele abgenommen, dass er dieses Ziel im Blick habe – auch wenn die Umsetzung nicht von heute auf morgen erfolgen werde. Insbesondere eine Verbundenheit Nägeles zu Dithmarschen sei deutlich geworden – „und davon profitieren wir auch“.

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