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Brunsbüttel-Cuxhaven : Elbfähre lässt auf sich warten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Noch fehlt ein Investor für die Verbindung von Brunsbüttel nach Cuxhaven. Derweil plant ein Hamburger Unternehmen eine Linie von Wedel ins Alte Land.

Fast genau ein Jahr ist es her, dass die Rostocker Baltic Marine Consult (BMC) in Brunsbüttel ein Gutachten vorlegte, das einer ständigen Fährverbindung zwischen der Schleusenstadt und Cuxhaven Perspektiven einräumt. Und im März dieses Jahres stellte BMC im Elbehafen das Ergebnis einer ergänzenden Umfrage unter zukünftigen Nutzern vor. Besonders Speditionen könnten sich die Fährlinie als Alternative zur A7 vorstellen. Denn die Autobahn wird in den nächsten Jahren eine Dauerbaustelle mit entsprechenden Staus sein. Wichtig sind für Spediteure bei einer solchen Fährverbindung vor allem zwei Aspekte: kurze Fahrzeit und Zuverlässigkeit.

Daran hakte es bei dem früheren Versuch einer Fährlinie von August 1999 bis März 2001 zwischen beiden Städten. Denn die eingesetzten Schiffe der „Elbe Ferry“ waren nicht leistungsstark motorisiert. Kräftige Maschinen sind aber eine Grundvoraussetzung, um den Betrieb neu aufzunehmen – und entsprechend teuer. Interessenten gebe es dennoch, so Egeb-Chefin Martina Hummel-Manzau gegenüber unserer Zeitung. Es würden im Hintergrund beständig Gespräche geführt. Die Egeb hatte gemeinsam mit der Agentur für Wirtschaftsförderung in Cuxhaven das vor einem Jahr vorgestellte Gutachten für 16.000 Euro in Auftrag gegeben.

Es gebe seit gestern noch drei ernsthaft interessierte Investoren, erklärt Volker Jahnke von der Egeb. Doch die sähen sich mit einem gewichtigen Unsicherheitsfaktor konfrontiert: der Fahrrinnenanpassung der Elbe. Die werde möglicherweise ein Tempolimit nach sich ziehen. Das bedeutet: Die Fähren müssten langsamer fahren, maximal 15 statt, wie im Gutachten vorgesehen, 20 Knoten. Das verlängere die Fahrzeit. Die soll bislang für die 14 Seemeilen lange Strecke 50 Minuten betragen.

Der Steinburger Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voß – die Grünen hatten die Diskussion um ein Wiederaufleben der Elbe-Ferry vor zwei Jahren angeschoben – ist überzeugt: „Das Thema bleibt am Kochen.“ Er warnt aber auch: „Man darf das nicht beiseite schnacken.“

Die Betriebskosten beziffert das BMC-Gutachten mit jährlich 10 Millionen Euro, die erstmal eingefahren werden müssten. Das ist für den Brunsbütteler Ratsherren Christian Barz (Grüne) ein Knackpunkt. „Man kann ein solches Projekt auch nicht mit öffentlichen Mitteln unterstützen, und in Glückstadt müssen sie sehen, wie sie klar kommen.“ Dazu hat Bernd Voß eine etwas andere Ansicht. Er hält eine Anschubfinanzierung aus Forschungsmitteln für einen umweltfreundlichen Schiffsantrieb für denkbar.

Unterdessen ruht in Wedel im Kreis Pinneberg das Augenmerk auf einem eigenständigen Fährprojekt namens „Elblinien“. Dahinter steht das Hamburger Unternehmen Becker Marine Systems. Sprecher aller Fraktionen haben am Dienstag im Wedeler Planungsausschuss grundsätzlich ihre Zustimmung signalisiert. Bis zum 17. Juni soll die Stadtverwaltung eine Übersicht des Für und Wider erarbeiten. Besonderes Augenmerk soll dabei darauf gelegt werden, wie sich die Verkehrsströme entwickeln und wie die Infrastruktur – dazu gehören Hafen, Straßen, Zufahrten und Parkplätze – finanziert werden kann.

Becker Marine Systems ist Marktführer für Hochleistungsruder und Energiesparlösungen im Bereich der Manövriertechnik für jeden Schiffstyp. Becker hat einen eigenen Fährtyp für die Verbindung ins Alte Land entworfen. Das laut dieser Studie 65 Meter lange und 14 Meter breite Schiff soll mit Elektromotoren und dem umweltfreundlichen Flüssiggas LNG angetrieben werden.

Das Wedeler Vorhaben sei keine Konkurrenz, denn diese Fähre habe als Zielgruppe Pendler und Privatpersonen, während die Cuxhaven-Linie das Augenmerk auf den Wirtschaftsverkehr richtet, betont Volker Jahnke. Außerdem: „Wir sind mit Becker im ständigen Gespräch.“

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erstellt am 09.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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