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Verkehrsprojekt : Elbe-Fähre: Finanzierungslücke ein Problem

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Betriebskosten für die Verbindung von Brunsbüttel nach Cuxhaven liegen bei zehn Millionen Euro jährlich. Dennoch führt Entwicklungsgesellschaft Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2013 | 11:45 Uhr

Die Grünen auf beiden Seiten der Elbe sind sich einig: Die Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven, die seit 2001 eingestellt ist, muss wieder aufleben. Das ist das Ergebnis eines Arbeitstreffens, zu dem die Grünen aus Cuxhaven, darunter sechs Mitglieder der Ratsfraktion, mit der „Nordstern“ nach Brunsbüttel gekommen waren. Schon an Bord hatte es ein erstes Gespräch mit dem Vorsitzenden der Brunsbütteler Grünen, Werner Overbeck, gegeben.

An einer anschließenden Gesprächsrunde in der Strandhalle, der eine Besichtigung des nahegelegenen Fähranlegers vorausgegangen war, nahmen neben der stellvertretenden Cuxhavener Landrätin Eva Venhoff auch der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion des Kieler Landtags, Andreas Tietze, sowie Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck teil.

Auf offene Ohren stieß die Anregung Tietzes, für das Fährprojekt eine Arbeitsgruppe mit Teilnehmern von beiden Seiten der Elbe zu bilden. Overbeck sieht darin ein Instrument, „das die Sache powert“. „Wir müssen von unten her mehr Druck machen!“, forderte der Grünen-Chef aus der Schleusenstadt. Schließlich sei die erneute Inbetriebnahme einer Fähre zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven deutlich kurzfristiger zu realisieren als die immer noch in den Sternen stehende Elbquerung der A20 bei Glückstadt.

Dr. Hans-Jürgen Hett, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Brunsbüttel (egeb), informierte am Abend auf einer Zusammenkunft der Brunsbütteler Grünen im Café „Altes Pastorat“ über den Sachstand und unterstrich, dass Cuxhaven in einer überarbeiteten gutachterlichen Stellungnahme aus dem Jahr 2004 unverändert als Fährhafen auf niedersächsischer Seite favorisiert werde vor der Ostemündung und Altenbruch. Cuxhaven habe betriebswirtschaftlich die größten Chancen.

Nach Aussage Hetts müssten für die Fährlinie zwei moderne Fährschiffe mit größtmöglichen Ladekapazitäten eingesetzt werden. Gutachter gehen davon aus, dass hier pro Jahr rund 300 000 Pkw und 50 000 Lkw befördert werden könnten. „Wir führen Gespräche mit drei bis vier Interessenten“, teilte Dr. Hett mit. Angesichts jährlicher Betriebskosten in Höhe von zehn Millionen Euro müssten aber durchschnittliche Fahrpreise von gut 25 Euro pro Fahrzeug erhoben werden. Gleichwohl bleibe eine Finanzierungslücke von jährlich etwa fünf Millionen Euro. Ob diese von der öffentlichen Hand beigesteuert werden, sei mehr als fraglich.

Diese Meinung teilte auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voss aus der Wilstermarsch. „Eine finanzielle Beteiligung des Landes ist bei der gegenwärtigen Haushaltslage und der Schuldenbremse schwer darstellbar. Ich sehe das sehr problematisch.“ Er gab zu bedenken, dass diese Fährverbindung in Schleswig-Holstein nicht im Koalitionsvertrag verankert sei – im Gegensatz zu Niedersachsen.

Allerdings bewertete er die Fährverbindung als sehr positiv. „Der Bedarf ist da!“ Die Elbfähre könne weitere Wirtschaftsräume miteinander verbinden. Nutznießer seien der Tourismus sowie der Tages-, Gefahrgut- und Schwerlastverkehr. „Die Fähre könnte eine große Rolle bei der Belebung der gesamten Westküste spielen“, argumentierte Voss.

Aus dem Publikum erhob sich eine warnende Stimme. Man dürfe sich nicht in „ein regionales Traum-Verkehrsprojekt verrennen“, zumal mit öffentlichen Zuschüssen nicht zu rechnen sei. Dagegen forderte Ratsherr Christian Bartz die finanzielle Unterstützung des Bundes ein, da von der Elbquerung nicht nur Niedersachsen und Schleswig-Holstein, sondern auch die benachbarten Bundesländer profitierten.

Schon während der Überfahrt mit der Nordstern hatten die Grünen einen offenen Brief an die Staatssekretärin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium, Daniela Behrens, verfasst, da sie sich am Donnerstag bei einem Gespräch in Hannover mit ihrem schleswig-holsteinischen Kollegen über die Fährverbindung austauschen wollte. Postwendend erhielten die Absender „auf hoher See“ eine Antwort, in der zugesichert wurde, die Argumente der Fähr-Befürworter in die Aussprache einfließen zu lassen.

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