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Norddeutsche Rundschau

26. September 2017 | 05:56 Uhr

Appell an Nutzer : Ekliger Ärger im Abwasserkanal

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dauerproblem bei der Schmutzwasserentsorgung: Immer wieder schädigten Hygieneartikel Pumpwerke des Kommunalservice.

von
erstellt am 08.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Eine braune Masse. Faserig, klebrig, klumpig – eklig. „Das sind unsere Verstopfer“, sagt Uwe Snegotska über die Bilder, die er vorzeigt. Für den Technischen Leiter des Kommunalservice und die Mitarbeiter der Stadtentwässerung ist es ein Dauerproblem: Viel zu viel landet in der Toilette und damit im Abwassernetz, was dort nicht hingehört. Auch feuchte Tücher, die laut Herstellerfirmen auf diesem Wege entsorgt werden können. Doch sie zersetzen sich nicht wie versprochen, sondern bleiben vor allem an Pumpen hängen.

Im März bekamen viele Bürger im Elbeblick Post auf orangefarbenem Zettel. Mehrfach, so schrieb ihnen die Stadtentwässerung, habe das Pumpwerk Bökenberg repariert werden müssen, nicht zuletzt dank fester Tücher aus Küche und Bad. Diese gehörten in den Hausmüll, so lautete der Appell, denn: „Die häufigen Instandsetzungen sind kostenintensiv und gehen letztlich zu Lasten aller Bürger, die für die Abwasserbeseitigung Gebühren zahlen.“ Was Snegotska zusätzlich Sorgen macht: Das Problem verschärfe sich tendenziell, immer mehr Firmen produzierten die feuchten Tücher. „Je billiger das wird, desto mehr Chemiefaser ist drin und desto schlechter löst es sich auf.“ Im Grunde werde die Toilette zu oft als zweiter Mülleimer missbraucht, zum Beispiel auch für Abschminktücher.

Betroffen seien vor allem vier von 30 Pumpwerken in Itzehoe und eines von zwölfen in Wilster, sagt Peter Bräuß, Betriebsleiter Kanalbetreuung. Alle zwei Wochen werden die Pumpwerke überprüft: „Wenn wir gar nichts machen würden, ist mindestens alle 14 Tage irgendwo eine Pumpe zu.“ Die Kläranlage ist ein- bis zweimal in der Woche mit einer Prüfung an der Reihe. Dort holt ein Siebtrommelrechen schon bei der Ankunft des Abwassers die festen Stoffe heraus; 144 Tonnen fielen im vergangenen Jahr an, zudem jeweils etwa 80 Tonnen am Pumpwerk in Wellenkamp am Sanddeich sowie in Wilster.

Wenn sich die Tücher in den Geräten festsetzen, seien sie steinhart, sagt Abwassermeister Nils Werner: „Die müssen mit Haken herausgerissen werden.“ Das Produkt, mit dem gearbeitet werde, sei ohnehin kein Vergnügen, aber dies sei der dreckigste Bereich inklusive Infektionsgefahr, unterstreichen Snegotska und Bräuß. Und Kosten entstehen nicht nur durch die Arbeitsstunden, sondern auch durch den Verschleiß, verursacht von den Tüchern mit ihren Sandeinlagerungen: „Das ist wie Schmirgelpapier“, sagt Snegotska.

Insgesamt stuft Werkleiter Manfred Tenfelde das Problem in der Rubrik „Ärgerlich“ ein. Ganz ohne Verständnis ist er nicht: Wer auf der Toilette feuchte Tücher benutze, wolle sie auch hineinwerfen. Dennoch appelliert er, lieber normales Toilettenpapier anzufeuchten. Es löse sich dann gut auf. „Das wäre auch eine Lösung – und es ist wahrscheinlich sogar preiswerter.“

Das gilt erst recht, wenn die Stadtentwässerung eine Ankündigung aus dem Schreiben an die Elbeblick-Anwohner wahr macht: „Selbstverständlich“ werde durch Untersuchungen nach dem Verursacher gesucht und dieser zur Verantwortung gezogen, wenn wieder Instandsetzungen nötig würden. Der versöhnliche Schluss: „Im Interesse eines guten Miteinanders sollte dies jedoch nicht nötig sein.“

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