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Glückstädter Kulturmärz : Ekel Alfred zündet immer noch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gelungene Aufführung einer Episode des 70er-Jahre Klassikers „Ein Herz und eine Seele“ im Theater am Neuendeich.

Evolution ist für ihn eine kommunistische Propagandakampagne, und Supermärkte werden von der Regierung eingesetzt, um die kleinen Lebensmitteleinzelhändler systematisch zu zerstören. Alfred Tetzlaff und seine Sicht der Dinge sind manchmal etwas verquer, dafür aber umso unterhaltsamer. Die Episode „Der Sittenstrolch“ aus der bekannten Fernsehserie der frühen 70er Jahre brachten die Theatermacher Elmshorn am Wochenende im Rahmen des Glückstädter Kulturmärz auf die Bühne des Theater am Neuendeich.

Gern hätten es noch etwas mehr Zuschauer sein dürfen, denn dieser Abend war wirklich etwas Besonderes. Kaum eine Minute verging ohne Lacher. Sehr nah am Original und doch mit eigener Note ließen die Schauspieler die Kultfigur Alfred Tetzlaff, hier brillant verkörpert von Götz Jacobs, wieder auferstehen. Es geht diesmal um einen Sittenstrolch, der sein Unwesen im nahe gelegenen Prinzenpark treibt. Doch nebenbei wird bei den Tetzlaffs noch große Politik und Weltgeschichte am Küchentisch diskutiert. Beliebter Diskussionspartner ist dabei Alfreds Schwiegersohn Michael, gespielt von Oliver Krull, der dem kleinbürgerlichen Alfred als bekennender „Sozi“ stets ein Dorn im Auge ist.

Auch in der Inszenierung der Elmshorner kommen die Charaktere der einzelnen Figuren gut zur Geltung. Alfred, der kleinbürgerliche Spießer, ein bisschen chauvinistisch und immer zu einem Streitgespräch bereit. Seine Frau Else (Sabine Rubehn), ein bisschen einfältig, aber immer darauf bedacht, ihre Familie gut zu versorgen. Dann sind da noch Tochter Rita (Johanna Hinz), schwer verliebt in Ehemann Michael und oft Angriffspunkt für ihren strengen Vater, dass sie vor allem Miniröcke sehr mag und Schwiegersohn Michael, aus der DDR stammend immer gern das Ziel von Alfreds Diskussionsattacken.

So auch in „Der Sittenstrolch“. Während Alfred ein Fußballspiel von Hertha BSC besuchen will, nutzt Else die Gelegenheit und fährt mit der Schwester von Nachbarin Suhrbier in den außerhalb gelegenen Supermarkt zum Einkaufen. Dass statt Gulasch dann Hundefutter im Einkaufswagen landet, stört angesichts des äußerst günstigen Preises wenig. Während Else also noch dabei ist, den Großeinkauf in der Speisekammer zu verstauen, kehrt Alfred unverrichteter Dinge und sehr aufgebracht zurück, denn der Nachbar, der ihn mitnehmen wollte, hatte sich angesichts Alfreds Aussehen doch entschieden, allein zu fahren. So in Stimmung diskutiert Alfred am Küchentisch mit der Familie über das Sterben der „Tante-Emma-Läden“ und die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft, gern auch über die Dusseligkeit seiner Frau und schließlich über seine strenge Sittenauffassung, in die der Exhibitionist, der im Park gesehen wurde, so gar nicht passt. Was ihm dabei gar nicht in den Sinn kommt, ist, dass er schon bald selbst ins Visier der Polizei gerät, denn das sittenwidrige Verhalten wird ihm selbst angelastet. Und so muss er am Ende zugeben, dass ihn ein dringendes Bedürfnis auf dem Rückweg vom geplanten Fußballausflug im Park dazu gezwungen hatte, sich zu entblößen, um zu urinieren. Doch bis es zu diesem Eingeständnis kommt, werden die Zuschauer mit Komik ohne Ende verwöhnt.

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