Ausbildung in Itzehoe : Einser-Abschluss am Kuchentresen

Süße Leckereien hat sie täglich in der Hand: Lisa Ledtje mit ihrem Chef Norbert Ramm.
Süße Leckereien hat sie täglich in der Hand: Lisa Ledtje mit ihrem Chef Norbert Ramm.

Lisa Ledtje (19) aus Wilster fuhr als landesbeste Konditorei-Fachverkäuferin zum Bundeswettbewerb.

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22. Januar 2018, 05:08 Uhr

Wie kann das Geschenk schön verpackt werden? Wie viel Kuchen wird für die Kaffeetafel gebraucht? Bei solchen Fragen wenden sich Familie und Freunde gern an Lisa Ledtje. Kein Wunder: Die 19-Jährige ist nicht nur Konditorei-Fachverkäuferin – sie fuhr als Landesbeste zum Bundeswettbewerb.

Ein handwerklicher Beruf sollte es sein für die Wilsteranerin, „im Büro sitzen wollte ich nicht“. In der Schulzeit hatte sie bereits ein Praktikum im Café Ramm gemacht und sich gleich nach einer Ausbildung erkundigt. „Ich wollte zuerst Konditorin lernen.“ Doch weil der Platz schon besetzt war, wurde ein Praktikum als Fachverkäuferin vereinbart. „Es hat mir vorne sehr, sehr gut gefallen“, schildert Lisa Ledtje. „Ich wollte alles wissen“ – zum Umgang mit den Kunden, zu Produkten, zum Betrieb in der Backstube. Mit den Kunden Hochzeitstorten zu entwickeln, sei „megacool“ gewesen. Schon vorher stand für die Jugendliche fest: „Ich wollte nicht nur Konditorin werden, sondern das Ganze kennen lernen.“ Also zog sie die Ausbildung als Fachverkäuferin vor und wechselte nach zwei Monaten Praktikum in die Lehre.

Diese verkürzte sie auf zweieinhalb Jahre dank guter Leistungen in der Lübecker Berufsschule. Dort hatte sie nur drei Mitschüler, insgesamt gebe es im Land pro Jahr nicht einmal zehn Auszubildende. „Der Beruf stirbt richtig aus“, sagt Lisa Ledtje. Vielen sei das spezielle Berufsbild aber auch einfach nicht bekannt.

Für die praktische Prüfung musste sie unter anderem ein Schaufenster zum Thema Traumhochzeit gestalten, ein Verkaufsgespräch inklusive Rechnung abwickeln, bedienen, Kaffee und Tee herstellen – von Hand, nicht in der Maschine. Die Note: eine Eins. „Das ist etwas, was lange nicht mehr vorkam.“ Damit war Schleswig-Holstein nach einigen Jahren wieder beim Bundeswettbewerb vertreten. Erst habe sie überlegt, ob sie hinfahre, schildert die 19-Jährige. Das tat sie: „So eine Möglichkeit kriegt man eigentlich nicht mehr im Leben.“ Drei Tage war sie in Berlin, einen für die Vorbereitung, zwei für die Prüfungen. Die waren „schwieriger und unerwarteter“ als auf Landesebene. Die dünne Basis in dem Beruf zeigte sich auch hier: Nur vier Teilnehmer waren dabei, Lisa Ledtje wurde Vierte. „Es war aufregend, spannend, und es hat sehr viel Spaß gemacht“, bilanziert sie.

Und: Die Konditoren waren auch da, so konnte die Wilsteranerin gleich dort hineinschnuppern. Denn inzwischen hat sie diese Ausbildung angetreten, dank ihrer Vorkenntnisse konnte sie im zweiten Lehrjahr einsteigen. Natürlich lernt sie bei Ramm: „Sie ist ein absoluter Glücksfall“, sagt Norbert Ramm. „Es gibt wenige, die so gut sind in allem.“

Nach der Ausbildung will Lisa Ledtje den Beruf nutzen, um etwas von der Welt zu sehen, denkt aber auch schon weiter: Den Meistertitel als Konditorin strebt sie an, dafür will sie das Stipendium nutzen, das sie als Landesbeste bekam. Denn mit ihrer Berufswahl ist sie sehr zufrieden: „Ich würde keinen anderen machen.“

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